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Macht das Sinn? Bezirksbürgermeisterin fordert eine eigene Coronavirus-Anlaufstelle im Südwesten
Veröffentlicht am 19.03.2020 von Boris Buchholz

Macht das Sinn? Bezirksbürgermeisterin fordert eine eigene Coronavirus-Anlaufstelle im Südwesten. „Auch im Bezirk Steglitz-Zehlendorf muss eine Abklärungsstelle für Coronavirus-Verdachtsfälle eingerichtet werden“, das fordert Rathauschefin Cerstin Richter-Kotowski (CDU). Der Weg zum Wenckebach-Krankenhaus in Tempelhof sei zu weit, eine eigene Anlaufstelle läge auch im Interesse der Krankenhäuser und der niedergelassenen Ärzte im Südwesten, die durch eine zentrale Stelle entlastet werden würden, argumentiert die Bezirksbürgermeisterin. Die Kassenärztliche Vereinigung müsste sich an dem Betrieb einer solchen Abklärungsstelle beteiligen, so ihre Forderung. Bisher gibt es in Berlin sechs zentrale Anlaufstellen für Coronafälle – die alle, so die Berichte, überlaufen sind.
Der Tagesspiegel hat in verschiedenen Krankenhäusern in Steglitz-Zehlendorf nachgefragt, wie die gängige Praxis ist und ob eine weitere Anlaufstelle im Südwesten Sinn machen würde. Nicht alle Häuser haben bis zum Redaktionsschluss geantwortet. Hier eine unvollständige Übersicht:
Krankenhaus Bethel Berlin, Lichterfelde: Aller Patienten mit Notfallsymptomen würden in der Zentralen Notaufnahme behandelt werden, so das Krankenhaus. „Aufgrund unserer begrenzten personellen und räumlichen Kapazitäten müssen wir uns allerdings das Recht vorbehalten, PatientInnen mit leichterer Symptomatik an die offiziellen Abstrichstellen zu verweisen“, schreibt Krankenhaussprecher Sebastian Peters. Wer ins Krankenhaus Bethel käme, müsse über eine Gegensprechanlage seine Symptome darlegen; sollte sich ein Corona-Verdacht ergeben und der Patient „mobil ohne schwere Atemwegsinfektionen“ sein, werde er „tagsüber ohne Eintritt in die Zentrale Notaufnahme zu einem circa dreißig Meter entfernten Bereich geschickt.“ Dort werde „von einer freundlichen Abstrichhelferin der Test abgenommen“. Wer schwerere Symptome aufweise, werde in der Notaufnahme in separaten Räumen versorgt. Es gibt eine COVID-19-Isolationseinheit; bisher habe sich noch kein stationärer Verdachtsfall bestätigt. Eine 7. Abstrichstelle? Die Initiative sei „unbedingt als positiv zu bewerten“. Mit jedem Test steige die Sicherheit, so Sebastian Peters. „Jetzt übersteigt die Nachfrage nach Tests das Angebot schon bei Weitem. Und die Pandemie steht erst am Anfang.“
St. Marien-Krankenhaus, Lankwitz: Vor Betreten der Notaufnahme werden Patienten zu Symptomen und Risiken einer Corona-Infektion befragt. Verdachtsfälle erhalten einen Mund-Nasenschutz und werden von Personal in Schutzausrüstung in einem gesonderten Raum, getrennt von den anderen Patienten, untersucht. Seien keine schweren Symptome festzustellen, verweisen die Krankenhausärzte die Patienten an niedergelassene Ärzte – und zum Test an eines der sechs Testzentren. „Eine Testung kann nur bei stationärer Aufnahme von Verdachtsfällen erfolgen“, betont Sprecherin Cora Dieckmann: „Diese Eingrenzung ist notwendig, da die Labore bereits überlastet sind und mit den Befunden nicht nach kommen.“ Bisher seien sechs Verdachtsfälle auf einer Normalstation isoliert worden. „Alle Testungen waren negativ.“ Wenn die Anzahl der Corona-Verdachtsfälle steigt, „werden wir eine Station zur Isolierstation mit separatem Zugang umwandeln“. Sprecherin Dieckmann begrüßt die Eröffnung weiterer Teststellen, die regional verteilt und räumlich von den Notaufnahmen getrennt sein sollten. „Das gilt insbesondere auch für Steglitz-Zehlendorf.“
Helios Klinikum Emil von Behring, Zehlendorf: Corona-Patienten würden in der Rettungsstelle in speziellen Räumen separiert. Nach der Anamnese werde „im begründeten Verdachtsfall“ auch ein Abstrich durchgeführt, erklärt Helios-Sprecher Christoph Kolbe. Sollten keine schweren Beschwerden vorliegen, werde der Patient in die häusliche Quarantäne geschickt. Im anderen Fall stünden Isolierzimmer bereit. Zum Wunsch des Bezirksamts, eine Teststelle im Bezirk einzurichten, lägen dem Krankenhaus keine Informationen vor, deshalb äußerte sich Sprecher Kolbe dazu nicht.
Immanuel-Krankenhaus, Wannsee: „Als Fachklinik nehmen wir keine Covid-19 Verdachtsfälle oder Patienten auf“, schrieb mir Sprecherin Jenny Jörgensen.
Was ist Ihre Meinung: Brauchen wir im Südwesten – braucht jeder Bezirk – eine eigene regionale Corona-Teststelle? Sie erreichen mich unter boris.buchholz@tagesspiegel.de. – Text: Boris Buchholz
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