Namen & Neues

Laptops ohne Mikrofon und Kamera: Das Bezirksamt will technisch deutlich nachrüsten

Veröffentlicht am 30.04.2020 von Boris Buchholz

Obwohl viele Mitarbeitende des Bezirksamts regelmäßig zu Hause arbeiten müssen und es vielleicht auch in Zukunft tun wollen, ist das nur eingeschränkt möglich. Im Heimbüro können zwar Akten studiert werden, doch im Home Office einer Videokonferenz beizuwohnen und auf die Daten und Tools des Amts zuzugreifen, ist in den allermeisten Fällen Zukunftsmusik. „Für das Stadtplanungsamt und das Straßen- und Grünflächenamt stehen keine Tablets oder Notebooks zur Verfügung“, hatte das Bezirksamt erklären müssen, ich berichtete letzte Woche. Technisch wolle die Verwaltung jetzt nachrüsten, erklärt Bürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) auf Nachfrage des Tagesspiegels.

„Die Knackpunkte liegen bei den mobilen Endgeräten aber auch bei den VPN-Tunneln“, sagt die Rathauschefin, die zugleich auch die Abteilung Personal leitet. Über eine VPN-Verbindung, das steht für Virtual Private Network, können Sie sich von außen quasi abhörsicher in die Server des Bezirksamts einwählen – es ist so (oder sollte so sein), als ob Sie einen Computer im Hause benutzen, auch wenn Sie kilometerweit von Ihrem Arbeitsplatz entfernt sind. Aktuell sei, so Cerstin Richter-Kotowski, eine interne Arbeitsgruppe dabei, an der Beseitigung der beiden Knackpunkte zu arbeiten und den Bedarf festzustellen. Ein Problem: „Wir können nicht über den freien Markt gehen.“ Die Shopping-Tour der Verwaltung führt einzig und allein zum IT-Dienstleistungszentrum Berlin, kurz ITDZ. Was dort nicht im Regal steht, gibt es nicht.

Beispiel Videokonferenzen. „Es gab bislang keine Videokonferenzen im Land Berlin“, sagt die Bürgermeisterin. „Wir haben 2019 über das ITDZ den besten Laptop angeschafft, den die im Angebot hatten“, ergänzt Marcel Mattick, der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des Bezirks, „der hatte keine Kamera und auch kein Mikrofon“. Sie hätten sich beschwert – seit kurzem hätte das stadteigene Dienstleistungszentrum auch Notebooks im Regal stehen, die neben der Videokonferenzausrüstung sogar über Tastaurbeleuchtung verfügen. Im Arbeitsbereich der Bezirksbürgermeisterin gibt es einen einzigen Laptop mit Mikrofon, Lautsprecher und eingebauter Kamera. „Wenn der im Home Office ist, kann ich keine Videokonferenzen machen“, sagt die Rathauschefin.

Haben Sie auch schon Mitleid? Ich habe gar nicht gewusst, dass es 2019 in Deutschland für um die 900 Euro – so viel müsse man für einen tragbaren ITDZ-Computer rechnen, weiß Marcel Mattick – Laptops ohne Kamera, Mikrofon und Lautsprecher zu kaufen gab. Ein Konjunkturprogramm der Öffentlichen Hand für die Computerindustrie.

„Wir arbeiten im Augenblick sehr intensiv an dem Thema VPN-Tunnel“, erklärt Bürgermeisterin Richter-Kotowski. „Ich hoffe, dass wir das in diesem Jahr hinkriegen.“ Parallel werde die Beschaffung neuer Laptops „in entsprechender Anzahl“ vorangetrieben. Allerdings müsse für das mobile Arbeiten eine neue Vereinbarung mit dem Personalrat geschlossen werden. Und wann neue Endgeräte im Rathaus Zehlendorf ausgepackt werden könnten, sei ungewiss: 2019 habe man nach der Bestellung neuer Geräte sechs bis neun Wochen auf die Lieferung durch das ITDZ warten müssen, so Rathaussprecher Marcel Mattick. Ob sich durch die weltweite Corona-Krise die Lieferzeiten – „die Geräte werden ja nicht in Berlin hergestellt“ – verlängern würden, sei unklar.

Ausnahmsweise scheint die Finanzierung der neuen Technik kein Problem zu sein. Zwar habe der Bezirk keine Vorsorge getroffen. Aber wie sich der Haushalt in der Coronazeit entwickle, meint die Rathausschefin, wisse zur Zeit sowieso niemand – weder auf Bundes-, noch auf Landes- oder Bezirksebene. Außerdem würden viele geplante Ausgaben wegfallen, „wir werden gucken, ob wir umschichten können“. Das Geld wäre also da, jetzt muss geplant, bestellt und geliefert werden – die digitalen Mühlen der Berliner Verwaltung mahlen langsam.