Namen & Neues

Mit dem N-Wort benannte rassistische Skulptur wurde geköpft

Veröffentlicht am 18.06.2020 von Boris Buchholz

Rassistische Skulptur wurde geköpft. Es kann sein, dass sich der von der Bezirksverordnetenversammlung im Januar beschlossene Antrag 1471/V der Grünen „Rassistische Skulptur aus dem Straßenland entfernen“ erledigt hat: In der Nacht zu Mittwoch, gegen 0.15 Uhr am 17. Juni, schlugen zwei Unbekannte der Statue des Bildhauers Arminius Hasemann den Kopf ab und beschmierten die Skulptur mit blauer Farbe. Die Skulptur (laut Sammlung „Bildhauerei in Berlin“ ist deren rassistische Bezeichnung der offizielle Werktitel) steht auf dem Grünstreifen zwischen Fahrbahn und Gehweg vor dem Haus Leuchtenburgstraße 35. Als von Nachbarn alarmierte Polizisten eintrafen, waren die Täter geflohen, der Kopf lag neben der Statue. „Der Kopf war vor Ort“, teilte Stefan Petersen von der Polizeipressestelle auf Nachfrage mit. Sichergestellt haben ihn die Beamten jedoch nicht – seitdem fehlt vom Kopf jede Spur. Weder Polizei noch Tiefbau- und Kulturamt wissen etwas über seinen Verbleib.

Für Carsten Berger, kulturpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, ist die Skulptur „stark geeignet, rassistische Stereotypen zu transportieren“. Eine afrikanische Frau sei „nackt, affenartig und einfältig“ dargestellt. Ihr Erschaffer habe sich ab 1932 als „Kulturwart“ der NSDAP geriert – weder Statue noch Bildhauer seien geeignet, im öffentlichen Straßenland gewürdigt zu werden, so Carsten Berger. Nach dem Beschluss der BVV, die Statue zu entfernen, ist das Kulturamt mit der Umsetzung der Skulptur beschäftigt. Der Plan: Die Skulptur soll in die Zitadelle Spandau ziehen. Dort wird die Dauerausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ gezeigt, die sich mit den heute unerwünschten politischen Denkmälern der Stadt beschäftigt.

Das Bezirksamt hat Strafanzeige gestellt. Ob die massive Beschädigung der Skulptur einen Bezug zu den weltweiten Denkmalstürzen rund um die Rassismus- und „Black lives matter“-Proteste hat oder ob es sich um Vandalismus handelt, ist unklar. Für eine Stellungnahme dazu sei es zu früh, hieß es aus dem Amt. Auch auf die Fragen, ob die beschädigte Skulptur trotzdem nach Spandau gebracht werden und ob sie restauriert werden solle, gab es aus Kultur- und Bauamt wenige Stunden nach der Tat noch keine Antworten.

Wer der Besitzer der Skulptur ist, ist ebenso unklar wie die Frage, wo sich der Kopf derzeit befindet. Wer die Skulptur um 1985 auf das Straßenbegleitgrün gestellt hat, sei nicht mehr richtig nachzuvollziehen, sagt Bau- und Umweltstadträtin Maren Schellenberg (Grüne): „Es ist nirgends aktenkundig, wem die Skulptur gehört.“

Der Polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen, ein politischer Hintergrund der Tat könne nicht ausgeschlossen werden, sagt Polizeisprecher Petersen. Bisher werde wegen „gemeinschädlicher Sachbeschädigung“ ermittelt. Wenn der Kopf nicht bald gefunden wird, könnte wohl auch noch das Delikt „Diebstahl“ hinzukommen. – Text: Boris Buchholz
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