Namen & Neues
Kindern und Jugendlichen eine Stimme geben: Forum "Jugend spricht mit!" gegründet
Veröffentlicht am 26.11.2020 von Boris Buchholz
Es ist ein Meilenstein. 21 Kinder und Jugendliche haben in einer Videokonferenz am Freitagabend, 20. November, das Partizipationsforum „Jugend spricht mit!“ für Steglitz-Zehlendorf gegründet. Das wichtigste Ziel des neuen Forums: Den jungen Leuten im Südwesten eine Stimme und eine Lobby zu geben. Jeder und jede soll mitmachen können, es dürfe und müsse „keine Hürden, eine freie Teilnahme und keine Hirarchien“ geben, erklärte Robin, einer der Initiatoren des Forums, bei der Auftaktveranstaltung von „Jugend spricht mit!“. Zuvor hatte Viktoria analysiert, dass Kinder und Jugendliche höchst selten an der Politik beteiligt und gehört werden. „Wir haben selten Gelegenheit mitzusprechen“, sagte sie.
Das Forum soll sich zukünftig vier Mal im Jahr treffen – jeweils ein Thema soll digital oder real, je nach Virenlage, diskutiert werden. Es solle ein freies Forum zu allen Themen sein, „die uns brennend interessieren“, sagte Robin, von ekligen Schultoiletten bis zu Straßenbeleuchtung. Das seien „alles politische Themen, die uns auch betreffen“. „Warum wird bei Corona nicht mit den Jugendlichen gesprochen?“, fragte Anton in die Runde. Stattdessen werde nur über sie gesprochen.
Aber die Worte müssten auch in Taten münden. „Wir wollen nicht nur ein Debattierclub sein“, sagte eine Diskutantin. Robert Behrendt, er wurde vom Kinder- und Jugendbüro des Bezirks gebeten, das Auftakttreffen zu moderieren, stellte klar, dass Beteiligung keine Simulation sein dürfe, „es geht darum, konkret mitzubestimmen“. Er fügt hinzu: „Echte Beteiligung hinterfragt das bestehende Machtgefüge, denn wer sich beteiligt, will auch Verantwortung übernehmen.“
Jugendstadträtin Carolina Böhm (SPD) war bei der Gründung des Forums dabei. „Ich finde das Format deshalb so wichtig, weil es niedrigschwellig ist“, sagte sie. Viele Kinder und Jugendliche könnten mitmachen, „ohne dass man ein Rathaus betreten muss“. Wichtig sei es aber festzulegen, „was es bedeutet, wenn dieser Jugendrat etwas beschließt“, meinte Laurens. Er macht bei der Bezirksgruppe von Fridays for Future mit. Erst jüngst hätte die Gruppe zum ersten Mal im Umweltausschuss des Bezirksparlaments mitwirken können, berichtete er. Doch das „mit allen demokratischen Parteien“ ausgehandelte Kompromisspapier sei „einseitig ohne Kommunikation“ wieder geändert worden.
Anton schlägt vor, dass ein Thema erst im Forum „Jugend spricht mit!“ diskutiert und dann entschieden werde solle, was die Kinder und Jugendlichen wollen. Um die Entscheidung in die Politik einzubringen, solle ein Botschafter in die politischen Gremien entsandt werden. Juna spricht sich für eine Verpflichtung der Fraktionen aus, zu den Positionen der Jungen Stellung beziehen zu müssen. Für Robin wäre es wichtig, dass sich die Fraktionen ernsthaft mit den Positionen der Kinder und Jugendlichen im Bezirk beschäftigen.
Schon mit der Auftaktveranstaltung des neuen Jugendforums haben die jungen Gründer einiges erreicht. „Ich würde mich unheimlich freuen, wenn Kinder und Jugendliche in den Jugendhilfeausschuss kommen würden“, sagte der Vorsitzende des Ausschusses, Sebastian Serowy (Grüne). Auch für die Botschafter-Idee sei er offen, die Einwohnerfragestunde könnte zur Jugendfragestunde erweitert werden. „Ich werde mich schlau machen“, versprach er. Auch Susanne Mertens (Grüne), sie ist die Vorsitzende des Schulausschusses, sagte zu, dass Kinder- und Jugendliche „im Rahmen der Einwohnerfragestunde das Wort erteilt“ bekämen: „Ich bin für jede Schandtat zu haben.“
Das erste reguläre Treffen von „Jugend spricht mit!“ soll am 5. März 2021 stattfinden, ein Thema steht noch nicht fest. Deborah Kröger vom Kinder- und Jugendbüro sagte nach dem offiziellen Ende der Online-Veranstaltung: „Es war eine super gute Auftaktveranstaltung.“ Ein Meilenstein ist erreicht, ein niedrigschwelliges Beteiligungsformat für Kinder und Jugendliche ist geboren. Und wie die Diskussion zeigte: Die Jungen wollen selbstbewusst Verantwortung für ihre Zukunft übernehmen – es liegt jetzt bei den Erwachsenen, das zuzulassen. Text: Boris Buchholz
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