Namen & Neues

Live aus Steglitz: Das englischsprachige Radio KCRW stellt Sendebetrieb ein

Veröffentlicht am 10.12.2020 von Boris Buchholz


Live aus Berlin-Steglitz: Das englischsprachige Radio KCRW stellt Sendebetrieb ein. Im Oktober 2017 nahm der englischsprachige Radiosender Berlins im vierten Stock des Einkaufszentrums „Das Schloss” den Betrieb auf – es war die vorerst letzte einer Reihe amerikanischer Radiostationen, die seit Jahrzehnten Berlin bespielten: KCRW Berlin (UKW 104,1) hatte den Anspruch, als amerikanischer Sender „mit starkem lokalen Charakter“ die „atlantische Welt“ zu verbinden. Das sagte Radiomacher und Ex-US-Botschafter John Kornblum 2017 dem Tagesspiegel. Drei Jahre später ist diese Mission am Ende. Am Sonntag, 13. Dezember, wird die letzte Sendung aus Steglitz ausgestrahlt. „Wie so viele Medien und gemeinnützige Organisationen konnten wir uns den langfristigen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie nicht entziehen“, erklärt die Redaktion auf ihrer Website.

Dabei war das Geld in Berlin gar nicht das Problem. Wie KCRW-Geschäftsführerin Anna Kuchenbecker im Medienmagazin von Radio Eins berichtete, ist das KCRW-Mutterhaus in Los Angeles als auch Partner National Public Radio (NPR) durch Corona in Schwierigkeiten geraten. „Im Fall von KCRW Los Angeles ist es zu Personalentlassungen gekommen, bei NPR sind Leute in Zwangsurlaub geschickt worden“, erklärt die Geschäftsführerin. NPR seien durch die Corona-Krise viele Sponsoren weggebrochen, „weil die Leute im Auto nicht mehr so viel Radio hören, weil wir alle im Homeoffice sitzen“. NPR-Inhalte machen etwa fünfzig Prozent des Programmangebots von KCRW Berlin aus. In der Krise hätten beide Partner ihre Zukunftspläne überarbeiten müssen, der Berliner Auslandssender hatte keine Priorität. Daher seien die Verträge mit KCRW Berlin gekündigt worden. „Es lässt sich in Los Angeles dem Aufsichtsrat und den Hörern schwer vermitteln, wenn man Santa Barbara schließen muss, andererseits aber die Partnerschaft mit KCRW Berlin aufrecht erhält“, sagte Anna Kuchenbecker. Daraus folge: „Geld allein kann auf unserer Seite das Problem nicht lösen.“

Am 13. Dezember ist Schluss. „Es war eine Ehre, der englischsprachigen Gemeinschaft zu dienen und Teil einer jahrzehntelangen Tradition des amerikanischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der deutschen Hauptstadt zu sein“, schreibt die Redaktion. Es war eine Freude, dem Programm aus Steglitz lauschen zu können. Ich werde Sendungen wie „All The President’s Lawyers“, „1A“, „All Things Considered“ und „Studio Berlin“ vermissen. Text: Boris Buchholz
+++
Sie wollen mehr aus Berlins Bezirken lesen? Die 12 Tagesspiegel-Bezirksnewsletter gibt es, Bezirk für Bezirk, kostenlos unter leute.tagesspiegel.de
+++
Und hier noch mehr Themen im aktuellen Tagesspiegel-Newsletter für Steglitz-Zehlendorf

  • Angst auf dem Gehweg: „Ausstiegsprogramm für Bike-Hooligans“
  • Jasmin Merkel ist die neue Beauftragte für 21 Städtepartnerschaften des Bezirks – und hat viele Ideen
  • Lokalparlamentarier wurde positiv auf Corona getestet
  • Open-Air-Kunstmarkt am S-Bahnhof Zehlendorf
  • Live aus Steglitz: Das englischsprachige Radio KCRW stellt Sendebetrieb ein
  • Der Gustav-Mahler-Platz und der Augustaplatz sollen schöner werden
  • Bundeswehr und DRK könnten bis zu 300 Menschen pro Woche testen – es kommen aber nur 70
  • Die Tour de Wannsee als Radfahr-Tipp
  • Jetzt will Viktoria 1889 auch e-sportlich zocken: Mitspieler für League of Legends gesucht