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Virenfreie Luft im Südwesten: Erste Luftreiniger an das Schadow-Gymnasium übergeben

Veröffentlicht am 07.01.2021 von Boris Buchholz

Am Dienstag, 5. Januar, titelte der Tagesspiegel: „In Berlins Schulen steht noch kein einziger von 1200 Luftfiltern.“ Seit heute, 7. Januar, ist das anders. Um 13 Uhr übergab Frederic Lanz, Geschäftsführer des Herstellers Kemper, vier Luftreiniger „AirCO2NTROL“ an Andreas Krenz, den Schulleiter des Zehlendorfer Schadow-Gymnasiums. Es sind graue Kühlschrank-ähnliche Geräte, die die Schule erhalten hat – knapp 80 Zentimeter breit, 84 Zentimeter tief und 1,6 Meter hoch sind die 148 Kilogramm großen Maschinen, die mit einem HEPA-Filter H14 99,995 Prozent aller Coronaviren aus der Raumluft saugen sollen. Bis zu 1.500 Kubikmeter Raumluft kann ein Gerät pro Stunde filtern – allerdings gilt: Je größer die Filterleistung, desto lauter werden die Geräte; laut Hersteller soll ein Geräuschpegel von 49 Dezibel nicht überschritten werden. Die Firma Kemper hat Erfahrung: Ihr Kernbereich ist die Schweißrauchabsaugung in Handwerk und Industrie. „Wir sind froh, dass mit den Luftreinigern eine schnelle und effektive Lösung gefunden wurde, um Präsenzunterricht in zumindest vier unserer Räume unter verbesserten Bedingungen stattfinden lassen zu können“, erklärte Schulleiter Krenz zur Übergabe: „Falls diese sich bewähren, wünschte ich mir für die Zukunft weitere Geräte.“

Insgesamt hat das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf 96 Luftreiniger geordert, der Senat hatte für diese Anzahl ein Budget zur Verfügung gestellt. „Der Auftrag wurde Ende November 2020 erteilt“, erklärt Bildungsstadtrat Frank Mückisch (CDU), „der Bezirk gehörte somit vermutlich zu einem der ersten Bezirke, der den Auftrag auslöste“. Allein Kemper verkauft fünfzig Geräte in den Südwesten; bis zum 15. Januar sollen alle ausgeliefert sein. Für ganz Berlin, so erfahre ich von Firmensprecher Tobias Patzkowsky, stünden insgesamt 132 AirCO2NTROL-Maschinen in den Auftragsbüchern. Neben den fünfzig für Steglitz-Zehlendorf würden im Januar auch 82 weitere Luftreiniger an andere Bezirke ausgeliefert werden. Stadtrat Mückisch geht davon aus, dass bis Mitte Januar alle bestellten 96 Luftfilter – darunter 46 kleinere Geräte des Herstellers UlmAir  – an 14 Schulen aufgestellt sein werden. Da es 55 öffentliche Schulen im Bezirk gibt, sei beschlossen worden, „die 14 Schulen herauszufiltern, die vorwiegend kleinere Räume und in diesen eine gleichzeitig hohe Schüler*innenzahl haben“, begründet er die Verteilung.

Zu wenig Luftfilter für zu viele Schulen und noch mehr Räume. Um den Geräte-Engpass zu verringern, haben sich an mehreren Schulen Eltern Gedanken gemacht. Am Zehlendorfer Droste-Hülshoff-Gymnasium hat eine Elterninitiative bereits Anfang November ein Konzept vorgelegt, wie durch Spenden und die Kooperation des schuleigenen Fördervereins weitere Luftfilter beschafft und betrieben werden könnten. In zwei Klassen wurde ein Probebetrieb organisiert – weiter ging es nicht, bis heute stockt die Initiative. Das Problem: Während sich die Eltern an den Vorgaben des Senats orientierten und Geräte auswählten, in denen ein H13-Filter verbaut wird, hat das Bezirksamt die Anforderungen in eigener Regie hochgesetzt: Nur was H14 kann, darf in den Klassenraum. Kurz vor Weihnachten sagte das Amt den Eltern eine Sonderprüfung der vorgeschlagenen Geräte zu. „Wir haben uns noch einmal mit Fachspezialisten in Verbindung gesetzt, um uns eine Bewertung zu anderen HEPA-13-Modellen einzuholen“, erklärt dazu Bildungsstadtrat Mückisch. Die Prüfung dauere noch an. Dominik Zimmermann, er hat sich mit anderen Eltern um die Luftfilter-Fragen gekümmert, kritisiert das zu langsame Agieren des Schulamts. Er wünsche sich, „dass Elterninitiativen nicht ausgebremst werden“.

Sollte das Amt weiter auf H14-Filtern bestehen, steht das Eltern-Engagement vor dem Aus. Mit H13-Geräten könnte ein Klassenraum für etwa 1.400 Euro von Viren befreit werden. Eine H14-AirCO2NTROL-Reiniger für einen Klassenraum kostet etwa 3.500 Euro, so die Schätzung der Eltern. Das wäre finanziell nicht zu schaffen. Denn: „Das Ziel ist, dass alle Räume mit Luftreinigern ausgestattet werden“, so Vater Dominik Zimmermann.

PS: Eine Mär sei noch ausgeräumt. Egal, was Pressetexte von Herstellern aussagen – auch wenn ein Luftreiniger im Klassenraum summt, muss weiter gelüftet werden. – Text: Boris Buchholz
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Dieser Text erschien zuerst im Tagesspiegel für Steglitz-Zehlendorf. Die 12 Bezirksnewsletter vom Tagesspiegel gibt es, Bezirk für Bezirk, kostenlos hier: leute.tagesspiegel.de
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