Namen & Neues

Kaputte Bausubstanz, Mädchenräume, neue Küche: Jugendfreizeiteinrichtung Düppel wird für 4,7 Millionen Euro saniert

Veröffentlicht am 14.01.2021 von Boris Buchholz

Die Jugendfreizeiteinrichtung in der Zehlendorfer Lissabonallee 6 scheint aus einem Baukastensystem zu stammen: Anfang der 1970-er Jahre wurde das Haus gebaut. Sanitäre Einrichtungen, die kleine Küche und die Bausubstanz generell sind in die Jahre gekommen, eine Grundsanierung ist überfällig. „Die JFE befindet sich in einem sanierungsbedürftigen Zustand, wie so viele Jugendeinrichtungen“, erklärt Jugendstadträtin Carolina Böhm (SPD) auf Nachfrage des Tagesspiegels. Doch bald könne gebaut werden: Es habe ein Architektenwettbewerb stattgefunden, es werde im Bestand saniert.

Die Kinder und Jugendlichen aus der Umgebung seien in die Planungen einbezogen worden, berichtet die Jugendstadträtin. Die größten Anliegen auf der To-Build-Liste: Die Mädchen wünschten sich einen eigenen Raum, in dem sie sich selbstbestimmt treffen könnten. „Wenn die Mädchen das wollen, wollen wir das auch“, hätten daraufhin die Jungs gefordert, erzählt die Jugendstadträtin aus dem Planungsprozess. In einem neuen Anbau werden jetzt drei Räume geschaffen, in die sich die Kinder und Jugendlichen zurückziehen können – ohne vorgegebenes pädagogisches Programm. Einer der neuen Räume sei den Mädchen, ein anderer den Jungen vorbehalten.

Auch ein anderer Wunsch soll wahr werden: Gemeinsam zu kochen soll einfacher werden. „Die Kinder und Jugendlichen kommen und möchten gerne kochen“, sagt Carolina Böhm, „das Schulessen ist wohl nicht der Hit.“ Doch bisher existiert nur eine kleine Küche in einer Seitennische des Flurs. Das soll anders werden. Nach der Sanierung wird eine große Küche direkt an den großen Gemeinschaftsraum grenzen. Auch der Musik-Probenraum soll neu gestaltet werden – und die große Turnhalle, ein „Alleinstellungsmerkmal“, so die Stadträtin, werde auf Vordermann gebracht und aufgewertet. Ein weiterer Aspekt der Baumaßnahme sei auch die energetische Sanierung.

Eine große Einschränkung ergibt sich aus der Baumaßnahme: Während der Sanierung müsse die gesamte Einrichtung geschlossen werden, sagt Stadträtin Böhm: „Die Angebote können wir vor Ort nicht ersetzen, hier müssen die anderen Jugendfreizeiteinrichtungen einspringen.“ Die räumlich nächste Einrichtung ist das Haus der Jugend in der Argentinischen Allee – es ist zwei Kilometer entfernt, was einen Fußweg von 25 Minuten bedeutet (mit dem Rad sind Sie in  sechs Minuten dort). Zwar sei „das natürlich eine Einschränkung auf Zeit“, so die Stadträtin, „aber dann eröffnen wir Düppel wieder, das wird laut Zeitplan in 2023 sein – strahlend schön!“, verspricht sie. Dann könnten auch schon bald die ersten Bewohner aus dem Neubauprojekt der degewo am Wiesenschlag nach der Schule in die Jugendfreizeiteinrichtung kommen: Neben dem Einkaufs- und Ärztezentrum an der Potsdamer Chaussee entstehen 212 neue Mietwohnungen. Der baldige Bevölkerungszuwachs in Düppel spreche auch dafür, die Kapazitäten der Jugendfreizeitstätte auszubauen, so Stadträtin Böhm.

Im Sommer 2021 soll das Sanierungs- und Bauvorhaben starten; die Bauzeit gibt das Bezirksamt mit zwei Jahren an. Die Nutzfläche der Jugendeinrichtung beträgt nach den Bauarbeiten dann 961 Quadratmeter. Die Vorplanungsunterlagen sind eingereicht worden, jetzt müssen noch die Bauplanungsunterlagen erstellt werden. Die Sanierungs- und Baukosten in Höhe von 4,7 Millionen Euro übernimmt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. Ende 2020 kam diese gute Nachricht im Bezirksamt an. Das Geld stammt aus einem speziellen Infrastrukturprogramm des Senats, mit dem Standorte gefördert werden, an denen sich Gemeinschaftsunterkünfte der Flüchtlingshilfe befiunden haben. Bis Mitte 2020 lebten in sogenannten Tempohomes geflüchtete Menschen auf dem Sportplatz der Jugendfreizeiteinrichtung.

Der Sportplatz ist aktuell eine Wohncontainerabstellfläche. Seit dem Auszug der Flüchtlinge steht die Anlage leer. Bereits am 23. November 2020 habe Hausherrin Carolina Böhm Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) um einen „Aufhebungsvertrags mit der BIM [Berliner Immobilienmanagement GmbH] gebeten, damit die Container abgeräumt werden können“. Eine Antwort – oder gar das Vertragswerk – stünden noch aus. Um den Sportplatz wieder als solchen zu ertüchtigen und neue Sportmöglichkeiten zu schaffen, stehen dem Bezirk vorbehaltlich der Zustimmung des Abgeordnetenhauses 700.000 Euro zur Verfügung. Erste Workshops mit Kindern aus der Nachbarschaft seien durch geführt worden, „weitere sollen noch die Bewohnerinnen und Bewohner der Gartenstadt Düppel einbeziehen“, erklärt Jugendstadträtin Böhm. – Text: Boris Buchholz
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