Namen & Neues

Spender retten Vogelpark Teltow vor dem Lockdown-Aus

Veröffentlicht am 18.02.2021 von Boris Buchholz


15.000 Euro für den Vogelpark: verti-Sprecherin Melanie Schyja (Mitte) übergibt die Spende an Regina und Lothar Lübeck

Spender retten Vogelpark Teltow vor dem Lockdown-Aus. Es gibt gleich drei gute Nachrichten vom Vogelpark Teltow: „Die Novemberhilfe habe ich gerade bekommen“, berichtet Lothar Lübeck, der Inhaber des privaten Vogel- und Streichelzoos. Als er das Wort „November“ ausspricht, lacht er am Telefon kurz auf. 5.800 Euro hat er seit Montag, 15. Februar, mehr auf dem Konto. Er kann das Geld brauchen – Anfang November schloss der Vogelpark wegen des Lockdowns, die etwa 200 Tiere mussten dennoch gefüttert und gepflegt, die drei Mitarbeiter bezahlt werden. Auf zwischen 7.500 und 8.000 Euro belaufen sich die Ausgaben, auch wenn keine Einnahmen erzielt werden. „Wenn die Spenden nicht so reichlich geflossen wären, hätte ich zum 31. Dezember zugemacht“, erinnert er sich.

Die große Spendenbereitschaft ist die gute Nachricht Nummer zwei: Noch vor Weihnachten habe die Teltower Verti-Versicherung 15.000 Euro gespendet, Anfang des Jahres kam dieselbe Summe noch einmal von einem Schweizer Bauunternehmen hinzu. Auch die vielen kleinen Spenden hätten beim Überleben geholfen, treue Besucherinnen und Besucher des Privat-Zoos überwiesen Geld. Zum Beispiel Leserin Uta Amberg: Zusammen mit Gleichgesinnten rief sie im Lichterfelder Schweizer Viertel eine Spendenaktion auf dem Nachbarschaftsportal nebenan.de ins Leben. Auch Leserin M. aus Zehlendorf-Mitte engagierte sich: „Die zwei Besuche im Vogelpark waren mit die schönsten Erlebnisse im Corona-Jahr 2020 und meine kleine Tochter war immer begeistert.“ Also habe sie eine Spende nach Teltow geschickt.

Unterstützung von der Stadt Teltow habe er nicht annehmen wollen. „Der Bürgermeister war hier“, erinnert sich Lothar Lübeck. Aber er wollte nicht bevorzugt werden, wollte nicht mehr staatliche Hilfe bekommen als andere Selbstständige: „Ich beiße mich lieber alleine durch.“ Also ging Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) seiner Wege; den Vogelpark rettete die Fangemeinschaft der Streichel-Menagerie.

Und das ist die gute Nachricht Nummer 3: „Ich mache mir aktuell keine Sorgen mehr“, sagte Lothar Lübeck am späten Dienstagnachmittag. Denn an diesem Tag, es war der 16. Februar, durfte der Vogelpark Teltow offiziell wieder öffnen – 26 Familien mit jeweils einem oder zwei Kindern seien zwischen 10 und 17 Uhr auf dem Gelände gewesen, ermittelte der Zoo-Besitzer aus der Besucherliste. Der Andrang am ersten Öffnungstag sei „gut“ gewesen, „aber das flaut ja wieder ab“. Auf Spenden sei er jetzt nicht mehr angewiesen, sagt er, „man will sich ja nicht bereichern“; jetzt noch Spenden anzunehmen wäre „unfair, jetzt kann man anderen helfen“. Und er nennt die freien Musiker, „da liegt ja alles flach“.

Johannes und Paula, die beiden Beos, Alpaka Aladin und Eselin Frieda können jetzt wieder besucht werden. Auf etwa 10.000 Quadratmetern tummeln sich Ponys, Ziegen, Schafe, Esel, Schweine, Alpakas und viele, viele Vögel. Zu den größten Attraktionen gehören die Graupapageien. Seit mehr als 30 Jahren existiert der private kleine Zoo, Vater Horst Lübeck baute ihn auf, sein Sohn pflegt die Familienleidenschaft seit dem Tod des Vaters weiter. Er habe „sehr viel Berliner Publikum“, erzählt Lothar Lübeck: „Wenn Ihr Tiere mögt, dann kommt her und guckt sie an.“ Geöffnet hat der Privat-Zoo (Kastanienstraße 13-19, 14513 Teltow) dienstags bis sonntags jeweils zwischen 10 und 17 Uhr. Der Eintritt kostet 3,50 Euro, Kinder zahlen 2,50 Euro – für eine Futtertüte müssen Sie noch einmal 50 Cents investieren.

Und was wäre, wenn es noch einen Lockdown geben müsste? „Wenn es wieder so kommt, dann ist es fraglich, wie es weiter geht“, ist die Antwort des Zoo-Direktors.

Text: Boris Buchholz
Foto: verti / promo
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