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Kleiner Klimaschritt in die richtige Richtung: Reaktionen von Umweltexperten und Aktiven
Veröffentlicht am 25.02.2021 von Boris Buchholz
Wie sehen Umwelt-Expertinnen und Experten sowie Aktive den von der Bezirksverordnetenversammlung beschlossenen Klimaantrag? Der Tagesspiegel bat um Stellungnahmen:
BNE-Zentrum im Botanischen Garten (Bildung für nachhaltige Entwicklung): „Reicht die Forderung, dass das Schulamt ‚klimafreundliche Projekte im schulischen Bereich weiterhin fördert‘? Unterrichtsprojekte einzelner Lehrkräfte zur Energieeinsparung werden, übrigens vom Umweltamt, seit vielen Jahren unterstützt. Notwendig wäre eine Vereinbarung zwischen Bezirksamt und Schulaufsicht, an allen Schulen durch eine Verzahnung von Nutzerverhalten, Hinweise auf technische Mängel durch ‚Energiedetektive‘, Reparaturen und Sanierung einen erkennbaren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Auf einem Zukunftskongress könnte solch ein Prozess angestoßen werden. Die bezirkliche Koordinierungsstelle für Natur-, Umwelt- und Nachhaltigkeitsbildung und das BNE-Zentrum würden die weiteren Schritte begleiten. Bisherige Anstöße in diese Richtung durch den bezirklichen Klimaschutzbeirat, den Bezirksschulbeirat, bezirkliche Klimaschutzbeauftragte und aus der Senatsverwaltung für Bildung (Programm: Klimaschutz am Schulstandort) verhallten leider im Bezirk…“ Wolfgang Schwarz
Mehr Informationen: bnezentrum.wordpress.com
Fridays for Future: „In den letzten Jahren ist unser Bezirk beim Klimaschutz kaum vorangekommen. Deswegen freuen wir uns sehr, dass jetzt Bewegung in die Sache gekommen ist. Der Antrag ‚Klima-Maßnahmen sofort!‘ ist dabei definitiv ein Schritt in die richtige Richtung. Leider ist der Schritt aber noch deutlich zu klein, um der Dringlichkeit der Klimakrise gerecht zu werden. Um etwas wirklich Bedeutendes zu bewirken zu können braucht es vor allem mehr Personal für Klimaschutz. […] All diese Stellen hatten wir im Laufe des Prozesses in den Antrag mit hineinverhandelt. Doch sie wurden von Schwarz-Grün wieder herausgestrichen – ohne uns Bescheid zu sagen. Übrigens: Steglitz-Zehlendorf hat momentan nur eine halbe Klimaschutz-Stelle. Zum Vergleich: Spandau und Charlottenburg haben dafür zwei beziehungsweise vier Stellen. Nichtsdestotrotz enthält der Beschluss auch einige wichtige Fortschritte. So steht zum Beispiel in dem Papier, dass der bald anstehende Neubau des Rathauses Zehlendorf klimaneutral erfolgen soll. […] Der wichtigste Punkt, den wir unterbringen konnten, ist, dass regelmäßig über die Fortschritte und die Klimabilanz des Bezirks berichtet wird. […] Wichtiger noch als Anträge ist jedoch, dass die Maßnahmen umgesetzt werden.“
Die ungekürzte Stellungnahme und eine Chronologie der Beratungen zum Klimaantrag finden Sie hier als Google-Doc-Dokument).
Evangelischer Kirchenkreis Steglitz: „Die von der BVV beschlossenen Maßnahmen decken sich weitgehend mit dem Klimaschutzgesetz der evangelischen Landeskirche, das zum 1. Januar in Kraft getreten ist. Das Ziel ist, bis 2050 die Emissionen aller Gebäude in kirchlicher Verantwortung auf Null zu senken. In diesem Sinne begrüßt der Kirchenkreis Steglitz ausdrücklich den BVV-Beschluss zu den ‚Klima-Maßnahmen – Sofort!‘ und befürwortet jegliche Anstrengung zur Bewahrung der Schöpfung. Die AG Umwelt arbeitet seit 2015 an der energetischen Ertüchtigung von Heizungsanlagen in kirchlichen Gebäuden, dem Austausch von Leuchtmitteln gegen LED-Lampen und unterstützt diverse Projekte der Kirchengemeinden mit ihren Grünflächen. Damit wurden in Steglitz etliche Forderungen des neuen Klimaschutzgesetzes schon vorweggenommen.“ Superintendent Thomas Seibt
Naturschutzbund Deutschland: „Der NABU Landesverband Berlin begrüßt ausdrücklich die Eigeninitiative des Bezirks, auf lokaler Ebene Beiträge zum Klima- und damit auch zum Naturschutz leisten zu wollen. Insbesondere Maßnahmen zur Verbesserung des Stadtgrüns durch Baumpflanzungen, Entsiegelung, Dachbegrünung und intensivierte Schulung der Mitarbeiter in Grünflächen- und Umweltämter sind aus naturschutzfachlicher Sicht besonders erfreulich und dringend notwendig. Wir würden uns sehr freuen, wenn solche Beschlüsse auch in anderen Bezirken vorbereitet und wir in diesen Prozess einbezogen werden würden. Als berlinweiter Verband mit Bezirksgruppen und ehrenamtlich Aktiven in nahezu jeder Ecke der Stadt wissen wir genau, an welchen Ecken es noch beim Natur- und Artenschutz hakt.“ Rainer Altenkamp, 1. Vorsitzender NABU Berlin
Koordinierungsstelle für Natur-, Umwelt- und Nachhaltigkeitsbildung in Steglitz-Zehlendorf:
„Wir sind überzeugt, dass es für die Lösung der großen globalen Herausforderungen wie die Bewältigung der Klimakrise und den zunehmenden Verlust der Artenvielfalt auch lokale Antworten erfordert. Der Erfolg dieser Antworten – das heißt ein gutes, gesundes und gerechtes Leben für alle zu schaffen – hängt dabei wesentlich von der ehrgeizigen, zielstrebigen und vor allem konkreten Umsetzung von Klimaschutzzielen und -maßnahmen wie den im Beschluss Nr. 1542/V der Bezirksverordnetenversammlung genannten ab. Um Menschen mitzunehmen, sie von der Notwendigkeit und von dem Sinn dieser Ziele und Maßnahmen zu überzeugen, benötigt es Bildung. […] Gute Natur-, Umwelt- und Nachhaltigkeitsbildung hat aber nicht nur ihren Wert, sondern auch ihren Preis. Sie benötigt konstante und verlässliche Unterstützung. Darum ist es unerlässlich, dass in Steglitz-Zehlendorf eine ausreichende, kontinuierliche personelle und finanzielle Ausstattung für die vielen engagierten (haupt-)beruflich und ehrenamtlich tätigen Bildner*innen und grünen Lernorte bereitgestellt und nachhaltig gesichert wird. Da gute Bildung auch die Natur braucht, treten wir außerdem dafür ein, wertvolle Grünflächen zu erhalten und versiegelte Flächen in Wiesen und Parks umzuwandeln.“ Karola Braun-Wanke, Judith Hübner, Kathrin Hensse
Mehr über die Koordinierungsstelle Natur-, Umwelt- und Nachhaltigkeitsbildung Steglitz-Zehlendorf erfahren Sie online auf fu-berlin.de.
- Was denken Sie über den Klimaantrag? Ist er konkret genug? Was fehlt? Glauben Sie an die Umsetzung? Schreiben Sie mir an boris.buchholz@tagesspiegel.de.
Text: Boris Buchholz
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