Namen & Neues
Neue Ideen für den Hermann-Ehlers-Platz: „Man könnte auch die Spiegelwand illuminieren“
Veröffentlicht am 25.03.2021 von Boris Buchholz
Der zentrale Steglitzer Platz gegenüber vom Kreisel soll schöner werden – schon 2012 hatte es eine kreative Debatte um die Neugestaltung des Platzes gegeben, „Platz da!“ hieß die Reihe des Tagesspiegels (damals gab es den Vorschlag, beleuchtete Bänke um die Bäume zu platzieren). Neun Jahre später wird der Platzumbau endlich konkret: 600.000 Euro stehen für eine erste und hoffentlich nicht einzige Umgestaltungsphase zur Verfügung. Die Pläne des Grünflächenamts habe ich Ihnen vor zwei Wochen vorgestellt – Sie finden sie hier samt Planskizze zum Nachlesen. Was die Steglitzer Architektin Marianne Wagner, sie wohnt in der Nachbarschaft des Platzes, von den Umbauplänen hält, erzählte sie mir beim Ortstermin, Treffpunkt Düppel- Ecke Albrechtstraße.
Mariane Wagner schaut auf den Plan des Grünflächenamts und ist irritiert. Wer von der Ampel über die Düppelstraße kommt, wird schnurstracks geradeaus gehen, zwischen den beiden Baumreihen – sie erinnern an eine Allee – hindurch zum Rathaus Steglitz, zur Schloßstraße. Doch in der amtlichen Skizze für den Umbau des Platzes ist ein neuer Weg eingezeichnet, links von der bisherigen und baumbetonten Achse. „Das macht keinen Sinn“, sagt sie. Dort, mitten auf dem vom Amt skizzierten neuen Weg, stehen an diesem Dienstagmorgen die Verkaufsstände des Wochenmarktes.
Marianne Wagner hat sich ausgiebig mit dem Platzumbau beschäftigt – und kommt zu einem etwas anderen Gestaltungsvorschlag als das Bezirksamt (eine Ansicht ihrer Überlegungen finden Sie hier auf Twitter). Die bisherige von den beiden Baumreihen gesäumte Wegeführung sollte erhalten bleiben, schlägt sie vor. Allerdings müsste dann das Bezirksamt die Platzierung der neu geplanten Bänke verändern. Denn mittig auf dem Weg, der heutigen zentralen Achse des Wochenmarktes, haben die Planer zwei querstehende Bänke vorgesehen – Barrieren für die Fußgänger.
Ein zweiter Vorschlag: Der Bereich rund um die Spiegelwand, sollte zu einem Ort der Ruhe werden. Und der Steinbelag, der jetzt schon auf dem dreieckigen Platzteil ausliegt, sollte erhalten und auf den gesamten Platz ausgedehnt werden. „Das ist fast das teuerste Material, was man nehmen kann“, sagt Marianne Wagner anerkennend und mit Blick auf die Steinfliesen. „Das sind edle Graniplatten, bestimmt fünf Zentimeter dick.“ Ab der doppelten Baumreihe sind billige Betonplatten verlegt; an vielen Stellen sind sie kaputt, notdürftig geflickt, Stolperfallen. Die Granitplatten rund um das spiegelnde Denkzeichen sind intakt – Qualität, die sich auszahlt.
Um den Ort der Ruhe zu ermöglichen, das ist Vorschlag Nummer drei, sollten künftig die Stände und Wagen des Marktes hauptsächlich links der Gehachse zwischen der Baumallee und der Albrechtstraße sowie auf dem Platzteil am U-Bahnausgang aufgestellt werden. „Dadurch, dass die Hochbeete und das bisherige Brunnenbecken weg wären, hätte der Markt mehr Platz“, argumentiert die Planerin. Der erwünschte Nebeneffekt: Die Außengastronomie würde attraktiver werden. Denn der Plan der Verwaltung, die kleine Versorgungsstraße zur Sackgasse zu machen und Restaurants Tische aufstellen zu lassen, sei „prima“. Nur: Bliebe der Markt, wo er ist, müssten die Gäste auf die wenig attraktiven Rückseiten der Verkaufswagen starren. Zur Zeit „ist das schnödes Hinterland, wenn Markt ist“, meint Marianne Wagner. Dienstags, donnerstags und samstags bauen die Markhändler früh ihre Stände auf, am Donnerstag wird die Ware erst um 18 Uhr wieder eingepackt.
Die Idee, ein ebenerdiges Wasserspiel in der Nähe des U-Bahneingangs zu installieren, begrüßt die Architektin. „Die Spiegelwand und die Wasserspiele veredeln den Platz“, sagt sie. An den Tagen, an denen der Markt nicht stattfindet, würde das Wasser – und die sich im Sommer abkühlenden Menschen und spielenden Kinder – den Platz beleben. Eines könnte sie sich noch vorstellen: „Man könnte die Spiegelwand illuminieren.“ Angestrahlte Wasserfontänen und ein beleuchtetes Denkmal könnten dem Platz auch in den Abendstunden einen Rahmen geben und ihn zu einem „Place to go“ machen. Einem lebendigen Stadtplatz.
Was denken Sie über die Umgestaltungspläne des Bezirksamts – und die Anmerkungen der Fachfrau? Auf der Beteiligungsplattform mein.berlin sind bisher 48 Anmerkungen und Anregungen zur Umgestaltung des Hermann-Ehlers-Platzes gegenüber vom Kreisel eingegangen – bis zum 31. März können Sie online noch Ihren Kommentar abgeben.