Namen & Neues

Bundesweit einmalig: Gedenken an den deutschen Überfall auf Griechenland

Veröffentlicht am 01.04.2021 von Boris Buchholz


An den deutschen Einmarsch erinnern. Simuliertes Banner an der Hellenischen Gemeinde in Steglitz.

 

Bundesweit einmalig: Gedenken an den deutschen Überfall auf Griechenland. Am Dienstag vor achtzig Jahren rollten die Panzer und flogen die Bomber: Am 6. April 1941 griff Nazi-Deutschland Griechenland an. Acht Jahrzehnte später erinnerte am 25. März der Deutsche Bundestag an den Überfall der Wehrmacht: Das Hauptthema der Debatte war die Frage, ob Deutschland dem heutigen EU-Partner Reparationen und Wiedergutmachung schulde – oder ob die Entschädigungszahlungen bereits ausreichend erfolgt seien. Grüne und Linke hatten das Thema mit zwei Anträgen auf das parlamentarische Parkett gebracht. Während Manuel Sarrazin (Grüne) forderte, „auf Augenhöhe über noch offene Fragen zu sprechen”, meinte Markus Koob (CDU/CSU), dass die Reparationen abgegolten seien. Gregor Gysi (Linke) forderte dazu auf, mehr als bisher zu tun, um der aus den Verbrechen Nazi-Deutschlands entstandenen Verantwortung gerecht zu werden (mehr zur Debatte erfahren Sie hier).

Ähnlich sieht das der Verein „Respekt für Griechenland”, er hat in Zehlendorf seinen Sitz. Am Dienstag, 6. April, lädt der Verein zum Gedenken an den Einmarsch der deutschen Truppen in Griechenland ein. Vor der Hellenischen Gemeinde in der Steglitzer Mittelstraße 33 wird unter anderem der 94-jährige Zeitzeuge Kostas Balanos berichten: Er nahm als Jugendlicher am griechischen Widerstand teil, später bekämpfte er die Militärdiktatur in Athen. Auch der Vorstandsvorsitzende der Hellenischen Gemeinde zu Berlin, Panagiotis Matlis, wird das Wort ergreifen. Als weitere Redner sind der Berliner Staatssekretär für Europa Gerry Woop (Linke) und der ehemalige Staatssekretär Christoph Ehmann (SPD) geladen. Ehmanns Thema: „Deutsche Kriegsschuld und Folgen für heute“.

Christoph Ehmann ist auch Erstunterzeichner eines Appells von SPD-Politikerinnen und -Politikern an die Bundesregierung. Ende März hatten die elf Initiatoren – darunter Ina CzyborraUte Finckh-Krämer und Burkhard Zimmermann von der Südwest-SPD – die Bundesregierung aufgefordert, „den 80. Jahrestag des Überfalls zu nutzen, um in Beratungen mit der griechischen Regierung über eine angemessenen Form der Erfüllung der deutschen Verpflichtungen aus den Folgen der Kriegsverbrechen einzutreten”.

In der Bundestagsdebatte erklärte Michael Roth (SPD), Staatsminister im Auswärtigen Amt, für die Bundesregierung: „Wir als Nachgeborene machen uns schuldig, wenn wir uns der nötigen Aufarbeitung verweigern und die Opfer aus unserer Erinnerung verbannen.” Doch Verhandlungen über eine weitere Wiedergutmachung sind von der Bundesregierung nicht zu erwarten. Die Anträge von Grünen und Linken wurden abgelehnt.

Was nachdenklich stimmt: Das Gedenken in Steglitz wird wohl bundesweit das einzige sein. „Nach unserer Kenntnis wird es die einzige Veranstaltung in Deutschland sein, die an den Überfall Griechenlands vor 80 Jahren erinnert”, teilt Klaus Peter Feldgen von „Respekt für Griechenland” mit. Auch die elf SPD-Politiker kritisieren das mangelnde Interesse am Tag des Überfalls: „Der 6. April 1941 ist ein in Deutschland vergessenes Datum des Zweiten Weltkriegs. Anders als vergleichbare Gedenktage wurde er nie ins öffentliche Bewusstsein gehoben.“

Die Kundgebung am 6. April, 12 Uhr, vor der Hellenischen Gemeinde findet im Freien statt, die Zahl der Teilnehmer ist begrenzt. Bitte melden Sie sich unter der E-Mail-Adresse vorstand@respekt-fuer-griechenland.de an.

Text: Boris Buchholz
Foto / Montage: Ralf Henning, Respekt für Griechenland
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