Namen & Neues

Die B-Frage: SPD-Stadträtin Carolina Böhm will Bürgermeisterin werden

Veröffentlicht am 01.04.2021 von Boris Buchholz


Bezirkswahlkampf 2021: Carolina Böhm will Cerstin Richter-Kotowski (CDU, rechts) beerben

 

Gesundheits- und Jugendstadträtin Carolina Böhm (SPD) will nach den Wahlen im September die Amtskette der Bezirksbürgermeisterin tragen – sie fordert Amtsinhaberin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) heraus. Die Kreisdelegiertenversammlung der SPD Steglitz-Zehlendorf hat die 55-jährige Stadträtin am Samstag, 27. März, mit 90,4 Prozent der Stimmen (104 dafür, 6 Nein, 5 Enthaltungen) und ohne Gegenkandidatur zur Spitzenkandidatin für das Rathaus nominiert.

Der SPD-Kreisvorsitzende Ruppert Stüwe lobt die Arbeit der Dezernentin: „Als Gesundheitsstadträtin führt sie unseren Bezirk hervorragend und überall anerkannt durch die Corona-Pandemie.“ Ihre Kandidatur als Bezirksbürgermeisterin nennt Carolina Böhm selbst eine „absolute Herzenssache“. „Denn Steglitz-Zehlendorf hat mehr verdient: An erster Stelle mehr Bürger*innenbeteiligung außerdem mehr bezahlbaren Wohnraum, unbedingt mehr Verständnis für die Bedeutung einer klimagerechten Stadt“, führt sie in einem Pressestatement aus. Sie stehe für eine „kluge, transparente Politik mit mehr Herz für die Menschen“. Wer – je nach Wahlausgang – noch für die SPD Stadtrat oder Stadträtin werden soll, entscheidet die SPD erst nach den Wahlen im September. Das sei so „Tradition“ hatte Ruppert Stüwe letzte Woche dem Tagesspiegel erklärt. Bisher stellt die SPD zwei Mitglieder des Bezirksamts.

Auf Platz zwei der Liste für die Bezirksverordnetenversammlung wählten die 130 Delegierten Stadtrat Michael Karnetzki. Platz 3 sicherte sich Carolyn Macmillan, aktuell ist sie Sprecherin für Frauen und Gleichstellung der BVV-Fraktion. Der Fraktionsvorsitzende Norbert Buchta steht auf Platz vier. Die Listenplätze 5 bis 10: Ellinor Trenczek, Martin Kromm, Olemia Flores Ramirez, Alexander Niessen, Sandrine Fabre und Volker Semmler. Bisher hat die SPD 13 von 55 Sitzen inne – das Wahlziel sei, sagt die stellvertretende Kreisvorsitzende und Abgeordnete Ina Czyborra, dieses Ergebnis im September „mindestens zu halten“.

Die Alten werden die Neuen sein. Ina Czyborra führt die Bezirksliste der SPD für das Abgeordnetenhaus auf Platz eins an. Finanzsenator Matthias Kollatz folgt auf Platz zwei, Kreisgeschäftsführerin Mirjam Golm auf Platz drei – Gesundheitsstaatssekretär Martin Matz (Ex-Stadtrat in Spandau, Ex-Bezirksverordneter in Steglitz-Zehlendorf) kandidiert auf dem vierten Platz. Das ist insofern interessant, da bei den letzten Wahlen im Jahr 2016 nur drei Sozialdemokraten aus dem Südwesten der Sprung in das Landesparlament gelang: Andreas Kugler wurde mit 26 Prozent im Wahlkreis 1 direkt gewählt, Matthias Kollatz gewann den Wahlkreis 2 (26,9 Prozent) – beide treten 2021 in diesen Wahlkreisen wieder an. 2016 zog allein Wissenschaftspolitikerin Ina Czyborra über die Bezirksliste in den Preußischen Landtag ein. Kugler, Kollatz, Czyborra – so könnte das Rennen wieder ausgehen. Martin Matz benötigt ein überragendes SPD-Wahlergebnis, um vom Staatssekretär zum Abgeordneten befördert zu werden.

Ob die SPD ihre Direktmandate in den Wahlkreisen 1 und 2 halten kann, ist nicht sicher. Im Wahlkreis 1 (er reicht von der Schloßstraße zum Breitenbachplatz) sitzt der SPD der Abgeordnete Benedikt Lux von Bündnis 90/Die Grünen im Nacken – 2016 lag er nur 2,4 Prozentpunkte zurück. Und im Wahlkreis 2 (rechts der Schloßstraße bis zum Munsterdamm) fehlten vor fünf Jahren Thomas Heilmann von der  CDU auch nur drei Prozentpunkte auf den dann gewählten SPD-Finanzsenator.

„Ich nehme die Herausforderung an, daran mitzuwirken, dass die SPD in dieser Stadt weiterhin stärkste Kraft bleibt“, erklärte Ina Czyborra am vergangenen Samstag nach ihrer Wahl auf Platz 1 der Bezirksliste. Das könnte eng werden: Laut einer neuen Prognose vom 25. März kommt die SPD bei der Sonntagsfrage zum Abgeordnetenhaus auf 21 Prozent (im Vergleich zu 2016 -0,6), die Grünen folgen mit 20 Prozent (+4,8), die CDU fällt auf 16 Prozent (-1,6).

Text: Boris Buchholz
Fotos: Boris Buchholz / Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf
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