Namen & Neues

Gedanken zu Ostern: Den Sieg des Lebens über den Tod feiern

Veröffentlicht am 01.04.2021 von Boris Buchholz


„Das Leben feiern“: Pfarrerin Gabriele Wuttig-Perkowski wünscht ein frohes Osterfest.

 

Gedanken zu Ostern: Den Sieg des Lebens über den Tod feiern. Seit zwei Wochen wird diskutiert, wie wir Ostern feiern können. Was ist erlaubt, was nicht? Lockerungen trotz wieder steigender Fallzahlen? Und wie passt das alles mit der Ostergeschichte zusammen? Pfarrerin Gabriele Wuttig-Perkowski von der evangelischen Patmos-Gemeinde in Steglitz schlägt in ihrem Gastbeitrag eine Brücke zwischen Jesus und Corona, zwischen Leben und Tod:

Abschied und Schmerz; Sterben und Tod; Auferstehung und neues Leben – Aufbruch mit einer verrückten, unbändigen Hoffnung, all das feiern Christinnen und Christen an den Tagen von Gründonnerstag bis Ostern. Jeder Tag hat seine eigene Stimmung. Eben waren wir noch voller Erwartung und Vorfreude: Die ersten Lockerungen, die beginnenden Impfungen, die Tests und nicht zuletzt die Aussicht auf Frühling verhießen Aufatmen und Leben. Ein unbeschwertes Osterfest wollten wir feiern. Doch unsere Hoffnung wurde enttäuscht. Die Zahlen verkünden unheilvolles Leiden und Sterben. Dabei hatten wir uns so gefreut.

Karfreitag. Jesus stirbt am Kreuz – verlassen von seinen Anhänger:innen. Die Frauen schauen von ferne – ohnmächtig und hilflos. „Wir konnten uns nicht einmal verabschieden.“ Viele mussten in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten erleben, wie Menschen starben – einsam im Krankenhaus – getrennt von ihren Liebsten. Karfreitag, Leiden und Tod, verlassen sein, das alles ist auf einmal ganz nah, nicht nur Böses aus einer fernen Zeit oder in fernen Ländern, weit weg von uns.

„Ostern, war da nicht Ostern?“, so fragt der Dichter Kurt Marti.

Nach einer unendlich langen Nacht voller Klage und Weinen, erscheint ein Lichtstreifen am Horizont. In der Morgendämmerung des neuen Tages machen sich die Frauen auf den Weg zum Grab, gehen zu ihrem Toten. Wollen um Jesus trauern. Noch auf dem Weg überlegen sie, wer ihnen den Stein vom Grab rollt. Als sie kommen, finden sie den Stein weggerollt. In der Grabeshöhle sehen sie einen jungen Mann in weißem Gewand. „Fürchtet euch nicht!“, sagt der ihnen. „Ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Der ist nicht hier. Er ist auferstanden. Geht aber hin und sagt es weiter: Er geht euch nach Galiläa voran, wo ihr mit ihm zusammen wart.“ Die Frauen laufen weg, denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas. So erzählt es der Evangelist Markus.

Trotzdem breitet sich die Erzählung aus, durch die Straßen, von Ort zu Ort: „Jesus ist auferstanden!“ Natürlich gibt es Zweifler und Leugner. Jesus sei gar nicht gestorben oder die Jünger:innen hätten ihn gestohlen. Die biblischen Ostergeschichten versuchen, darauf zu antworten. Halten fest, dass der Tod bittere Realität ist. Und trotzdem nicht das Letzte, was über Jesus, was über unser Leben zu sagen ist. Sie setzen eine große Hoffnung frei. Die eben noch Verängstigten erzählen öffentlich von ihren Erfahrungen mit Heilwerden und Liebe.

Nach christlichem Glauben verbindet sich mit Ostern der Sieg des Lebens über den Tod. Eine unglaubliche Erfahrung. Kein triumphales Fest, obwohl wir uns das wünschten. Der Tod ist besiegt. Immer wieder ein neuer Aufbruch ins Leben mit der Gewissheit: Ostern, da ist doch Ostern! Mehr als ein buntes Frühlingsfest. Den Mächten des Todes entgegentreten. Der Liebe vertrauen. Gemeinsam mit anderen der Liebe Raum geben. Getröstet werden. Und erleben, was sich ändert für uns und für andere – hier.

Nach den Erfahrungen des letzten Jahres hieß es: „Stell dir vor, es ist Ostern und niemand geht hin.“ In diesem Jahr feiern wir Ostern auf verschiedene Weise, gehen hin, erzählen von der unbändigen Lebenskraft Gottes, die den Tod überwunden hat, erzählen vom auferstandenen Jesus. Erzählen von Liebe und Lebensmut unter uns. Achten darauf, einander nicht zu gefährden – und feiern das Leben.

Text / Foto: Gabriele Wuttig-Perkowski
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