Namen & Neues
Note 3- bis 4+ für die Glienicker Brücke: Wann der nächste Anstrich erfolgt, ist unklar
Veröffentlicht am 22.04.2021 von Boris Buchholz
1982 beziehungsweise 1987 wurde die Glienicker Brücke zuletzt gestrichen und mit Korrosionsschutz versehen. Alle vierzig Jahre sollte bei Brücken der Farbanstrich erneuert werden: Wann wird also die farblich zweigeteilte „Brücke der Einheit“, eröffnet wurde sie 1907 als Kaiser-Wilhelm-Brücke, wieder frisch bemalt?
Das kann Florian Zettel, Sprecher der Autobahn GmbH, sie ist für die Verwaltung der Brücke zuständig, auf Nachfrage des Tagesspiegels nicht sagen: „Prioritär ist eine Instandsetzung derzeit nicht vorgesehen.“ Dafür sei die Brücke mit Zustandsnoten von 2,4 und 2,5 noch zu gut in Schuss. Wobei die Werte etwas täuschen: In Schulnoten wären sie eine 3- und 4+ – „befriedigender Bauwerkszustand“ (2,0 bis 2,4) und „noch ausreichender Bauwerkszustand“ (2,5 bis 2,9). Ein Blick auf die Website des Bundesverkehrsministeriums ergibt, dass 75,5 Prozent aller Brücken an Bundesfernstraßen nur die Note „befriedigend“ oder „ausreichend“ erreichen. Lediglich 3,4 Prozent weisen einen „sehr guten“ Zustand auf.
Zurück zur Agenten-Brücke: Ihr baulicher Zustand steht unter engmaschiger Aufsicht. Jedes Jahr werde sie zweimal „beobachtet“ und einmal „besichtigt“, erklärt Florian Zettel, alle drei Jahre finde eine einfache Prüfung und alle sechs Jahre eine Hauptprüfung statt. Also alles im hell-dunkel-grünen Bereich.
Die Frage nach der farblich zweigeteilten Glienicker Brücke, setzte vergangene Woche verschiedenste Recherche-Rädchen in Gang (hier zum Nachlesen). Das Ergebnis: Die Brücke liegt in zwei unterschiedlichen Grüntönen in der Frühlingssonne, weil erstens die Westhälfte des Bauwerks fünf Jahre vor der Osthälfte bemalt wurde und weil zweitens die DDR den helleren Grünton DB 601 bevorzugte – die West-Berliner malten ihren Teil der Brücke mit dem dunkleren DB 603 an.
Mit welchem Grünton ein Neuanstrich erfolgen würde oder ob gar die farbliche Zweiteilung erhalten bleiben würde, ist ungeklärt. Denn welcher Grünton der historisch richtige sei, „ist nicht bekannt“, sagt Autobahn-GmbH-Sprecher Florian Zettel. Bis Ende 2020 verwaltete die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz die Stahl-Beton-Passage über die Havel, dann übernahm die bundeseigene Autobahn GmbH Niederlassung Nordost.
Grob und schnell ist die neue Zuständigkeit der Autobahn GmbH so erklärt: Auch Bundesstraßen, die zu Autobahnen führen und autobahnähnlich seien (also zum Beispiel einen Mittelstreifen haben), würden von der GmbH betreut. Allerdings nicht alle. Da der Straßenzug Unter den Eichen – Berliner Straße – Potsdamer Straße und Chaussee – Königstraße zur Bundesstraße 1 gehört, fällt die Brücke unter die Obrigkeit der Autobahner.
Zur Brücke erreichten mich auch Leserzuschriften: „Bei einer Potsdam-Stadtrundfahrt wurde vom Potsdamer Reiseleiter berichtet, dass es sich zum einen um das russische und zum anderen um das amerikanische Militär-Grün handelt. Kann man das auch glauben?“, fragte Leserin A. nach. Eine Legende, würde ich sagen, da beide Farbtöne aus westdeutscher Produktion stammten. Und die Steglitzer Autorin und Stadtführerin Jenny Schon schreibt: „Es ist aber rechtens, unterschiedlich zu streichen, denn es sind nun mal zwei Länder, die hier aufeinander treffen.“ Zehn Jahre lang habe sie in der Nähe der Brücke gewohnt, stets habe sie neugierig rübergeguckt. „Als sie dann offen war, war es eigentlich langweilig, ist ja alles das Gleiche in Grün…“ Sie findet, über Ländergrenzen zu gehen, sei doch etwas Schönes: Man müsse sie nur sehen. Apropos, Grün ist ihre Lieblingsfarbe.