Namen & Neues

Unten Demenz-WG, oben Angehörige: 80 neue Wohnungen entstehen im Ramsteinweg

Veröffentlicht am 29.04.2021 von Boris Buchholz


„Ein einzigartiges Projekt“, sagt Bauherrin Dorit Brauns. (Foto: Hilfswerk-Siedlung GmbH)

 

Unten Demenz-WG, oben Angehörige: 80 neue Wohnungen entstehen im Ramsteinweg. „Unser Neubau ist ein einzigartiges soziales Projekt“, sagt Dorit Brauns, stellvertretende Geschäftsführerin der Hilfswerk-Siedlung GmbH dem Tagesspiegel. Im Ramsteinweg  31/31a und 33/33a hat ihre Gesellschaft zwei Wohnhäuser neu errichtet, in 80 Wohnungen können ab dem 1. Juli neue Mieterinnen und Mieter einziehen. Zwölf davon werden Demenz haben, im Erdgeschoss wird eine Wohngemeinschaft für Demenzkranke eingerichtet. Platz ist in der WG, die von der Diakoniestation Berlin betrieben werden wird, für zwölf Bewohnerinnen und Bewohner. „Das Besondere an unserem Projekt ist, dass wir das Zusammenleben von Angehörigen und den Partnern und Partnerinnen mit Demenz unter ‚einem Dach‘ ermöglichen wollen“, führt Lara Rentmeister, die Pressesprecherin der Hilfswerk-Siedlung, aus.

Unter einem Dach. „Der oder die Angehörige kann selbstbestimmt in der Wohnung ‚über‘ der Demenz-WG wohnen und seinen Partner oder seine Partnerin jederzeit besuchen“, erklärt die Pressesprecherin. Angehörige würden so von der Rund-um-die-Uhr-Betreuung entlastet, blieben aber zugleich die wichtigsten Bezugspersonen: Bei Versorgnung, Freizeitgestaltung, der Bewältigung des Alltags, Arztbesuchen oder Behördengängen würden sie – je nach Wunsch – einbezogen werden.

Da es ins Geld gehe, zwei Wohnungen – einmal das 24-Quadratmeter-Zimmer in der WG und eine eigene Wohnung – anzumieten, seien „alle Wohnungen sehr kompakt“ gebaut. Lara Rentmeister rechnet vor: Eine 1,5-Zimmer-Wohnung mit 39,32 Quadratmetern wird 452,18 Euro netto kalt kosten, für ein WG-Zimmer ist eine Miete von mindestens 441,13 Euro netto kalt vorgesehen. Die Kosten für die Pflege kommen je nach Aufwand und Pflegestufe noch hinzu.

80 Wohnungen, davon 56 barrierearm, alle mit bodengleichen Duschen und Bodenheizung. Selbst die größte Wohnung mit zwei großen und zwei kleinen Zimmern misst nur 79 Quadratmeter und kostet bis zu 915,40 Euro nettokalt. Die Wohnungen in den beiden Neubauten sind absichtlich klein gehalten. „In unserem Neubau am Ramsteinweg gibt es keine öffentliche Förderung“, erläutert Dorit Brauns aus der Geschäftsführung auf Nachfrage: „Aber aufgrund der Größeneffizienz der kompakten barrierearmen Wohnungen sind die Wohnkosten für einen Neubaustandard gering.“ Die Mieten bewegen sich zwischen 11,50 und 12,50 Euro pro Quadratmeter.

Insgesamt 814 Wohnungen betreibt das evangelische Wohnungsunternehmen in Zehlendorf, seit 2016 wird die Siedlung Schritt um Schritt saniert. Im Ramsteinweg 31/31a und 33/33a standen bis 2018 zwei Altgebäude. „Sie besaßen weder eine Dämmung nach heutigem energetischen Standard, noch entsprachen sie den Anforderungen nach erhöhtem Schallschutz“, heißt es auf der Website der Hilfwerk-Siedlung. Auch Barrierefreiheit für mobilitätseingeschränkte Personen war nicht gegeben; es habe zudem ein hoher Sanierungsbedarf bestanden. Im Winter 2018/2019 wurden die beiden Vorläufer abgerissen. Seitdem wird gebaut.

Der Mietendeckel – und seine Aufhebung durch das Bundesverfassungsgericht – habe keine Auswirkungen auf die Neubaupläne gehabt, sagt Dorit Brauns. Die Planungsphase habe bereits deutlich vor dem Inkraftreten des Mietenpreisdeckel begonnen. Doch sie ist sich sicher: „Weitere in Planung befindliche Neubauvorhaben hätten bei Bestehen des Mietendeckels, aufgrund der fehlenden Liquidität, verschoben werden müssen.“ Sie erhofft sich, dass viele Seniorinnen und Senioren in die neuen Häuser ziehen und dadurch „große – für Familien geeignete – Wohnungen frei werden“. Sie sieht die Hilfswerk-Siedlung als kirchliches Unternehmen in der Pflicht, „Ermessungsspielräume zugunsten sozial Schwächerer, wo immer dies möglich und vertretbar ist“, zu schaffen.

Vermietet wird ab dem 1. Juli. Dann seien sowohl Häuser als auch Außenflächen fertig, teilt die Hilfswerk-Siedlung mit. „In der ersten Phase möchten wir Partner*innen und Familien mit Demenzangehörigen die Möglichkeit geben, eine Wohnung für sich und ein Demenz-Appartement für den kranken Familienangehörigen anzumieten.“ Wenn Sie Interesse haben, auf der Website hws-berlin.de gibt es weitere Informationen – und eine Webcam, durch die Sie die Bauarbeiten stundengenau verfolgen können.

Text: Boris Buchholz
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