Namen & Neues

Bis 2025 soll das Info- und Tourismuszentrum am Schloss Glienicke fertig sein

Veröffentlicht am 10.06.2021 von Boris Buchholz

„Es soll das Berliner Eingangsportal für das UNESCO-Welterbe werden“, sagte Steffen Reitzig von der Grün Berlin GmbH am Dienstag im Stadtplanungsausschuss. Er ist Projektleiter für das Tourismus-Besucher-Zentrum Glienicke, das die landeseigene Firma in den nächsten Jahren in den denkmalgeschützten Gebäuden des ehemaligen Wirtschaftshofs des Schlosses Glienicke errichten will. In der alten Konditorei, der Remise und dem „Turmgebäude“, so werde es intern genannt, verrät der Planer, sollen ebenerdig Ausstellungsräume, Informationsmöglichkeiten, ein Shop und Sanitäranlagen eingebaut werden. Im Obergeschoss sind Büros der Verwaltung und Lagermöglichkeiten geplant. Direkt an der Königstraße gelegen solle ein Ort für „natur- und denkmalverträglichen Tourismus“ entstehen, berichtete Steffen Reitzig den Ausschussmitgliedern.

Seit sieben Jahren wird geplant. Schon 2014 hatte meine Kollegin Anett Kirchner von der Idee einer Bürgerinitiative um die bereits verstorbene Initiatorin Karin Berning berichtet: Ein Besucherzentrum mit kleinem Café und eine Ausstellung zum Weltkurlturerbe schwebte ihr vor. Das Bezirksamt unterstützte das Vorhaben, 2016 wurde ein Projektantrag geschrieben, 2017 übergab dann der Bezirk die Federführung an die Grün Berlin GmbH. Dort wurde der Bedarf neu geprüft, Baukosten ermittelt, Planungen gemacht. Im Laufe des Jahres 2021 sollen die Vorplanungsunterlagen erstellt werden, 2022 die Feinplanung, 2023 rechnet Projektleiter Steffen Reitzig mit dem Baubeginn. 2025 soll das neue Tourismus-Besucher-Zentrum dann stehen.

Obwohl es noch vier weitere Jahre dauern soll, bis die Idee aus 2014 Wirklichkeit geworden ist: Schon dieses Jahr sollen erste Arbeiten erfolgen. Zum einen müsse die Bausubstanz untersucht werden, so der Projektleiter, die Gebäude müssten geschützt und gesichert werden. Auch innen soll einiges passieren: „Unser Ziel ist es zunächst, nicht denkmalrelevante Einbauten zu entfernen.“ In der Vergangenheit sei zum Beispiel Netzwerk- und Energietechnik eingebaut worden, die viel Platz wegnähme und nicht mehr gebraucht werde. Im Vordergrund stehe stets der Erhalt und die Sanierung des Denkmals. Touristische Funktionen müssten „behutsam eingepasst“ werden.

Später soll das Besucherzentrum barrierefrei sein, es solle ein „nachhaltiger klimafreundlicher Betrieb“ ermöglicht werden. Steffen Reitzig spricht von nachhaltiger Haustechnik, von einer regenerativen Wärmeversorgung und Regenwassernutzung. Auch ein Betreiberkonzept und die Inhalte der Ausstellung müssten in den nächsten Jahren entwickelt werden. Grün Berlin schwebt kein Welterbe-Museum vor, sondern eine Art begehbares „Internetportal“, von dem Verweise auf Sehenswertes in der Umgebung das Zentrums ausgehen. „Wir können im Idealfall die Besucher begeistern, sich weitere Sehenswürdigkeiten anzusehen“, schwärmt Projektleiter Reitzig. Er verweist auf das Berliner „Tourismuskonzept 2018+“, das eine Stärkung der touristischen Ziele in den Außenbezirken vorsieht.

Die Fragen im Ausschuss hielten sich in Grenzen, Kritik wurde nicht geäußert, nach den Baukosten nicht gefragt. Auch die Erreichbarkeit des neuen touristischen Hotspots mit dem öffentlichen Nahverkehr war kein Thema – bisher fahren nur die Busse der Linie 316 alle 20 beziehungsweise 40 Minuten die Weltkulturerbestätte an. Eine von den Berliner Linken angedachte Verlängerung der Tramlinie 93 von der Potsdamer Seite der Glienicker Brücke bis zum S-Bahnhof Wannsee könnte Sinn ergeben (meinen Bericht dazu finden Sie als T+-Text hier).

Text: Boris Buchholz
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