Namen & Neues

Evangelische Interims-Container: Baustellenbesuch bei der künftig kleinsten Schule des Südwestens

Veröffentlicht am 01.07.2021 von Boris Buchholz

„Und eine Wand soll grün gestrichen werden, für Erklärvideos.“ Schulleiterin-im-werden Yvonne Barckhausen erklärt dem Maler ihre Wünsche. Sie stehen im Pädagogenzimmer im ersten Stock des „Holzhauses“ in der Pfarrlandstraße. Hier und in einem ebenerdigen Containerbau entlang der Andréezeile wird die Evangelische Grundschule Zehlendorf in wenigen Wochen den Schulbetrieb aufnehmen. Vorläufig. Erst 2023 wird das neue Schulhaus an der Ludwigsfelder Straße fertig gebaut sein. Bis dahin werden die Kinder der neuesten Schule des Bezirks im Interimsquartier in Zehlendorf-Süd unterrichtet. Das Grundstück gehört der Kirchengemeinde Schönow-Buschgraben. Und welches Grün solle er nehmen, was sei am besten für Videos geeignet, fragt der Maler. „Nehmen Sie ein schönes Grün“, ist die schlagfertige Antwort.

Im Interimsquartier herrscht Baustellenatmosphäre. Der erste Stock des Hauses, im Erdgeschoss hat noch für ein Jahr eine Kita ihr Domizil, ist zwar leergeräumt – einziehen kann das Lehrerinnen- und Pädagogenteam der neuen Grundschule aber noch nicht. Es muss gemalert, Fußleisten müssen angebracht werden; die Inneneinrichtung fehlt noch, Lampen der Vornutzer hängen an den Decken. Im Zimmer der Schulleiterin, es hat einen offenen Tresen zur Küche, stapeln sich die Kartons: Eine Wanduhr, leere Aktenordner, Kopierpapier, zwölf bunte Papierkörbe, Locher, Ablagen, das Spiel „Plitsch – Platsch – Pinguin“. In der Küche steht ein Keyboard, neben dem Tasteninstrument sind in einem weiteren Karton Töpfe und Backutensilien gestapelt.

Reinhard Schade, der Projektleiter der Evangelischen Schulstiftung, die Stiftung ist die Trägerin der neuen Schule, bespricht mit Yvonne Barckhausen, wie viele Schlüssel angefertigt werden müssen. Braucht der Caterer einen „General“? Nein, eigentlich nicht. Aber der Hauswart. Welcher Hauswart? Als sich die Schulleiterin einen neuen Teppich für das Lehrerzimmer, pardon, hier heißt es Pädagogenzimmer, wünscht, schüttelt der Projektleiter den Kopf, das liege über dem Budget. „Sie sagen immer ’nein'“, erwidert Yvonne Barckhausen und zieht die Augenbrauen hoch. Auch wenn hier oder da der Finanzrahmen den Wünschen einen Riegel vorschiebt, plane er die neue Schule gerne, sagt Reinhard Schade: „Das ist meine Aufgabe, die macht mir Spaß.“

Im August startet die evangelische Grundschule mit zwei ersten Klassen. Es wird nicht nur die neueste Schule des Bezirks sein, sondern auch die kleinste. Jeweils 13 Kinder werden eine Klasse bilden, für’s Lernen ist das Luxus pur. „Wir sind froh, dass uns so viele Eltern ihre Kinder anvertrauen“, sagt Tanja Pfizenmaier. Sie ist die Klassenlehrerin der einen ersten Klasse, der Waschbären. Auf dem Boden sitzend bereitet sie im 2. Stock des künftigen Schulhauses den Mathematikunterricht vor. Platz wäre in jeder der beiden Klassen für 24 Schülerinnen und Schüler. „Doch wir hatten Corona im Nacken“, sagt die Lehrerin, „wir konnten uns in den Kitas ja nicht vorstellen“.

Sie freue sich schon sehr auf die neue Arbeit. „Schule im Aufbau heißt auch, bei Null anfangen zu können“, sagt sie und ihre Augen blitzen. „So eine Chance hat man nur einmal.“ Selber gestalten, den eigenen Klassenraum einrichten, auf das Konzept Einfluss nehmen, den Kurs der neuen Schule zusammen zu bestimmen – die 43-Jährige strahlt Begeisterung aus. Auch auf die pädagogischen Schwerpunkte der Schule freut sie sich: „Theater, Medien, Ökogarten, das reizt mich schon sehr.“ Ein schöner Nebeneffekt: Der Arbeitsweg wird für die Lichterfelderin kürzer, bisher arbeitete sie in der Evangelischen Schule Wilmersdorf. Und noch etwas sei neu und auch ungewohnt: „Ich benutze alles zum ersten Mal.“ Die Wände im Schulzimmer seien strahlend weiß, „ich werde mir genau überlegen, was ich aufhänge, weil ich die erste sein werde, die etwas anbringt“.

Während im Haus hauptsächlich gemalert und eingerichtet werden muss, sind die beiden Klassenräume im temporären Containergebäude noch mitten im Ausbau. Elf Standardcontainer wurden verbunden, jeweils vier bilden ein Klassenzimmer. Dazwischen liegen ein Zimmer für Material für den Hort, die Toiletten und der Haupteingang. Beim Baustellenbesuch war noch etwas schwer vorstellbar, wie die Waschbären und die Erdmännchen, die zweite erste Klasse von Lehrerin Inessa Machnow, hier später unterrichtet werden. Blaue Trennfolie hängt von der Decke, auf dem Boden stapeln sich die Baumaterialien. Um den Containerbau herum nur lockerer Sand – und ein Bagger. Hinter dem Fertighaus wird gerade der Schacht ausgehoben, damit die Containerklassenzimmer an das Strom-, Wasser- und Abwassernetz angeschlossen werden können.

Viel Zeit ist nicht mehr, am 16. Juli sollen die Schulcontainer übergeben werden. Dann werden die Bau- und die Schulaufsicht die Klassenzimmer der kleinsten Schule im Südwesten auf Herz und Nieren prüfen. Am 2. August werden die ersten Kinder im Hort erwartet, ab dem 9. August sollen alle 26 Kinder zum ersten Mal gemeinsam durch ihre Klassenzimmer toben. Die Einschulung wird mit einem Gottesdienst am 15. August gefeiert – und dann geht am 16. August das erste Schuljahr für die 26 Waschbären und Erdmännchen so richtig los.

Die neue Schule soll wachsen. Noch sucht das bisher vierköpfige Team, es besteht aus drei Lehrerinnen und einer Erzieherin, eine weitere Erzieherin oder einen Erzieher für mindestens 15 Stunden. „Und dann wünschen wir uns noch einen FSJ-ler – gerne einen Mann“, wirbt Yvonne Barckhausen. Auch mehr und mehr Kinder und Eltern will das Team von der Schule überzeugen; 2022 sollen in den beiden ersten Klassen deutlich mehr als jeweils 13 Plätze besetzt sein. Deshalb feilt das kleine Kollegium bereits vor der Eröffnung an einem Tag der offenen Tür für interessierte Eltern und künftige Schülerinnen und Schüler: Am Vormittag des 1. Oktobers können Sie die neue Schule in Augenschein nehmen – das Ziel ist, nicht mehr lange die kleinste Schule im Südwesten zu sein.