Namen & Neues

Leuchtendes Lankwitz: Wie der „Dunkle Weg“ zum "Bunten Weg" wurde

Veröffentlicht am 18.11.2021 von Boris Buchholz

Er ist etwa 600 Meter lang – und es ist unheimlich, ihn im Dunkeln entlang zu gehen. Denn eine Beleuchtung gibt es nicht. Deshalb heißt er in der Lankwitzer Nachbarschaft so, wie er in dieser Jahreszeit schon am mittleren Nachmittag ist: Es ist der „Dunkle Weg“, der „Schwarze Weg“. Er beginnt an der Ludwig-Bechstein-Grundschule, führt einen Grünzug entlang zur Kiriat-Bialik-Sporthalle. Dann quert er die Wedellstraße, hinter der Kita „Wedellstraße“ geht er weiter zur Kita der Paul-Schneider-Gemeinde und zur Seniorenwohnanlage Villa Mudra. Der „Dunkle Weg“ hat nicht ganz den Ruf des Verbotenen Waldes bei Harry Potter erworben – doch wer ihn bisher abends oder nachts beschritt, musste eine Portion Mut mitbringen. Die fehlende Beleuchtung sorgt für Unsicherheiten, die Aufenthaltsqualität entlang des Weges ist gering.

Das ist seit vergangener Woche anders – dank des Einsatzes vieler Kinder und Jugendlicher. Denn die Kinder des Horts der Ludwig-Bechstein-Grundschule und die Besucher des Jugendclubs Wichura machten gemeinsam mit dem Team des Nachbarschaftshauses Wannseebahn den Dunklen Weg zur erleuchteten Kunstmeile. Sie bauten aus Einmachgläsern bemalte Solarlichter, kreierten aus reflektierendem Drachenstoff Windspiele – und kombinierten beide Elemente an stabilen Holzkonstruktionen zu leuchtenden und bunten Installationen. Kunst-Park-Leuchten. Sechs der Lampen-Kunstwerke lotsen jetzt die Fußgängerinnen und Fußgänger durch den ehemals Dunklen Weg – er ist zum Bunten Weg geworden. Eine siebte Lampen-Kreation strahlt in der Grünanlage hinter dem Jugendclub in der Wichurastraße.

„Mit diesem Projekt werden viele Themen aufgegriffen, die uns in den letzten Jahren beschäftigt haben: Sicherheit im öffentlichen Raum, Sicherheitsbelange von Kindern und Jugendlichen, Orte, die im Winter gemieden werden“, sagt Jugendstadträtin Carolina Böhm (SPD). Durch die Aktion „Es wird bunt in Lankwitz“ würden sich die Kinder Orte in ihrer Nachbarschaft öffentliche Räume zurückerobern – und sehen, dass sie etwas bewirken können. Möglich ist das Projekt durch das Förderprogramm „Stärkung Berliner Großsiedlungen“ am Kamenzer Damm geworden: Das Programm führte das Nachbarschaftshaus Wannseebahn, die Gebietskoordination Kamenzer Damm, den Hort der Grundschule, er wird von der tjfbg gGmbH betrieben, und den Jugendclub Wichura zusammen. „Die Aktion ist ein Ergebnis der Sozialraumorientierten Politik, die ich als Stadträtin befördere und weiter ausbauen möchte, die Bürgerinnen und Bürger kommen zu Wort, gemeinsam werden Antworten entwickelt!“, begeistert sich die Stadträtin.

Gute Resonanz in Lankwitz, noch leuchtet alles. Projektmitarbeiterin Bianka Filehr vom Nachbarschaftshaus Wannseebahn spricht von positiven Reaktionen vor Ort: „Zum einen signalisiert durch die (noch) intakten Installationen aber vor allem durch die geführten Gespräche mit den Anwohnerinnen und Anwohnern.“ Schon beim Aufhängen sei das Team angesprochen worden, viele Passanten seinen neugierig stehen geblieben. „Wir wurden von Vorbeigehenden aller Altersgruppen angesprochen und sind so ins Gespräch und in den gemeinsamen Austausch mit den Menschen gekommen.“ In den Gesprächen habe sich gezeigt: Die Leuchten-Aktion trifft einen Nerv, die Nachbarschaft wird freundlicher und wohnlicher.

Das Ziel ist, dass die Lichter und Windspiele über den ganzen Winter die Abende, die dunklen Morgen und Nächte erhellen. „Wir drücken die Daumen, dass auch in den kommenden Wochen die Installationen unversehrt bleiben“, sagt Bianka Filehr. Regelmäßig würden die Kinder, Jugendlichen und Teammitglieder nach den Installation sehen und beschädigte Elemente reparieren oder ersetzen. „Wir hoffen einen ersten positiven Aufschlag gemacht zu haben, an dem wir in den kommenden Projektmonaten anknüpfen können.“

Denn der jetzt Bunte Weg ist nicht die einzige Grünanlage in der Siedlung zwischen Kamenzer Damm, Belß- und Wichurastraße sowie dem Gemeindepark Lankwitz, die es zu beleben gilt. Es gibt zahlreiche Grünzüge zwischen den Mietshäusern, das Potenzial ist groß. Eigentlich seien sie beliebte Orte und „kleine Oasen“, heißt es aus dem Projektteam. Doch zugleich würden sie oft in Vergessenheit geraten oder gerade im Winter mit seiner Dunkelheit verwaisen.

Gehört werden und Engagement zeigen. Helfen bei Veränderungen kann das Team der Gebietskoordination Kamenzer Damm, doch alles hängt von den Nachbarinnen und Nachbarn ab. Ohne Engagement der Lankwitzer geht es nicht. Um die nächsten Projekte rund um den Kamenzer Damm zu vereinbaren, sich kennenzulernen und Wünsche auszutauschen, findet am Freitag, 19. November, um 17 Uhr das 2. Quartierstreffen statt. Ort der Bürgerversammlung ist die Evangelische Paul-Schneider-Kirchengemeinde in der Belßstraße 88. Unter anderem ist ein gemeinsamer Kiezspaziergang geplant – der Bunte Weg wird sicherlich auf der Route liegen.

  • Mehr Informationen über Projekte, Aktivitäten und Akteure der Gebietskoordination Kamenzer Damm finden Sie auf der Website www.kamenzer-damm.de.

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