Namen & Neues

Adieu, Wurzel-Radweg: Ein Fahrradstreifen für Unter den Eichen

Veröffentlicht am 24.03.2022 von Boris Buchholz

Seit Anfang der Woche wird auf der Straße Unter den Eichen gepinselt: Vor dem Botanischen Garten wird ein Radstreifen auf die Straße gemalt. Jahre, ja jahrzehntelang, mussten Radfahrerinnen und Radfahrer auf dem schmalen Radweg entlang der Gartenmauer Slalom fahren – und regelmäßig auf den ebenso schmalen Fußweg ausweichen. Was wiederum Fußgängerinnen und Fußgänger beeinträchtigte. Denn Baumwurzeln haben den alten Radweg angehoben, an den Baumscheiben sind Berge und Löcher entstanden, die teilweise das Passieren ohne Bürgersteigbenutzung unmöglich machten. Zugleich ist der Geh- und Radbereich insgesamt nicht breit: Links schränken Straßen und Bäume den verfügbaren Platz ein, rechts macht der massive Zaun zur universitären Botanik eine Verbreiterung des Radwegs unmöglich.

Dehalb dürfen die Radfahrenden fortan auf der Straße rollen. Zwischen der Straße Am Fichtenberg und der Willdenowstraße wird der Radstreifen in Fahrtrichtung Zehlendorf bis zum 1. April entstehen, teilte das Bezirksamt mit. Wie der Auto- und Lkw-Verkehr mit der verengten Fahrbahn zurecht kommt, wird die Praxis zeigen. Bedenken hat Verkehrsstadtrat Urban Aykal (Grüne) nicht, denn: „Während der langen Baumaßnahme von Vattenfall Fernwärme im letzten Jahr hat es keine außergewöhnlichen Verkehrsbeeinträchtigungen gegeben.“

Schneller auch für Busse. Auch wenn es kein Busstreifen ist, können Busse und Einsatzfahrzeuge die neue Radspur mitbenutzen – die Senatsverkehrsverwaltung hat einen „Radfahrstreifen mit Linienverkehrfreigabe“ angeordnet. „Dies wird unter anderem  dazu führen, dass Nutzende der hier verkehrenden Buslinien deutlich zügiger ihren Wohn- beziehungsweise Arbeitsort erreichen“, sagte Stadtrat Aykal auf Nachfrage des Tagesspiegels. Und der neue Radstreifen auf der Fahrbahn habe noch einen Vorteil: Fortan werden „Konflikte mit zu Fuß Gehenden auf dem ohnehin schmalen Gehweg vermieden“.

Der alte Radweg bleibt übrigens erhalten – wenn man bei dem kaputten Ding von „erhalten“ überhaupt sprechen kann. Die Markierungsarbeiten kosten die Bezirkskasse etwa 21.000 Euro – bezahlt wird diese Summe aus dem Haushalts-Titel „Unterhaltung des Straßenlands“ (Kapitel 3800, Titel 52101), für 2022 sind hier 7,2 Millionen Euro eingeplant. Es ist genau dieser Titel, den die CDU in den jüngsten Haushaltsberatungen erfolglos sperren lassen wollte – um für freie Fahrt für Autofahrerinnen und Autofahrer zu sorgen (mehr über die turbulenten Haushaltsberatungen lesen Sie hier).

Apropos Autofahrer: Nicht jeder Radstreifen wird immer genutzt. Die Polizei hat am Montag, 21. März, an der Königstraße zwischen Wannsee und Glienicker Brücke eine Kontrolle durchgeführt: Sechs Gehweg-Radler wurden gestoppt. Ein Grund für die Wahl des sichereren Rad-Wegs dürfte allerdings in der Geschwindigkeit der Autos gelegen haben. Die Polizei hatte auch ihre Laserpistole dabei: Der schnellste Autofahrer, der sich erwischen ließ, fuhr Tempo 109 auf der 50er-Strecke.