Namen & Neues
Kommt LAN, kommt WLAN: Erst 21 von 56 Schulen haben neue Netzwerkkabel
Veröffentlicht am 02.02.2023 von Boris Buchholz
Die Digitalisierung der Berliner Schulen scheint, gemessen an den Fortschritten der vergangenen Jahre, recht gemütlich voran zu schreiten. Mitte Januar genehmigten zwar die rot-grün-roten Haushälterinnen und Haushalte im Abgeordnetenhaus 20 Millionen Euro, um 120.000 Endgeräte wie Laptops und Tablets für Schülerinnen und Schüler zu beschaffen. Zugleich kam aber heraus, dass von den bisher seit 2021 an die Lehrerinnen und Lehrer verteilten 38.000 Endgeräten immer noch 14.000 nicht ein einziges Mal angeschaltet worden sind. 14.000 Geräte im Wert von 14 Millionen Euro verstauben.
Den Bezirk treiben in Sachen Digitalisierung andere Herausforderungen um. In der Januar-Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) berichtete Bildungsstadträtin Cerstin Richter-Kotowski (CDU), das von den insgesamt 14,851 Millionen Euro für den Digitalpakt bereits 7,2 Millionen Euro ausgegeben oder in laufenden Projekten gebunden seien. Der Bund fördert die Digitalisierung der Südwest-Schulen mit 13,2 Millionen Euro, 1,6 Millionen Euro steuert der Bezirk aus seinem eigenen Haushalt bei. Die größte Crux beim digitalen Ausbau: Die Schulen müssen über schnelles Internet und ein Leistungsstarkes internes Kabelnetz (LAN) verfügen.
56 öffentliche Schulen gibt es in Steglitz-Zehlendorf; in 48 Schulen sei der technische Ist-Zustand ermittelt worden, teilt die Stadträtin mit. Auf Basis dieser Netzwerkdokumentationen habe eine Fachfirma bereits 21 Schulen neu verkabelt und technisch auf den neuesten Netzwerkstand gebracht. „An sieben Schulen fanden bereits die Bauabnahmen mit dem Bezirksamt und der Fachfirma statt”, sagt Cerstin Richter-Kotowski. „Die übrig gebliebenen 14 Bauabnahmen werden im Februar und März durchgeführt.” Bei den anderen 27 Schulen sei der LAN-Ausbau „in den nächsten zwei Jahren” vorgesehen.
Acht Schulen bleiben außen vor. Für die Großsanierungsfälle Schadow-Gymnasium, Bröndby-Oberschule und Wilma-Rudolph-Gemeinschaftsschule sei die Howoge zuständig; die neue IT-Ausstattung werde im Rahmen der Sanierung erfolgen. An der Fichtenberg-Oberschule werde das Netzwerk bereits ausgebaut; die benachbarte Johann-August-Zeune-Schule „ist hinreichend mit LAN und WLAN ausgebaut”. Bleiben noch drei: Doch von der Alt-Lankwitzer- und der Mercator-Grundschule lässt der Bezirk kabeltechnisch ebenso die Finger wie von der Grundschule an der Bäke. Denn in allen drei Fällen stehe zum teil noch nicht fest, „wie mit der derzeitigen Gebäudesubstanz umgegangen werden muss”. Beispiel Mercator-Grundschule: Hier stehen ein Abriss und Neubau im Raum.
Die Bezirksverordneten hörten immer wieder das Wort „Kabel” und hakten nach. Die Tablets, die der Senat anschaffe, bräuchten doch WLAN, sagte Uwe Netzel (SPD). „Für junge Menschen gibt es nur WLAN”, steuerte Gregor Habbel (FDP) bei. „Wir sind Jahre zurück”, fand Mariella Perna (Grüne). Um später WLAN zu haben, brauche man erst einmal LAN, erläuterte Bernhard Lücke (CDU) das technische Prozedere. Und Sören Grawert (FDP) fragte, ob denn die Mittel aus dem Digitalpakt so geschickt genutzt würden, dass am Ende auch Geld für den WLAN-Ausbau übrig bleibe.
Da liegt das Kabel begraben. „Das Projekt WLAN kann aufgrund der vermutlich ungenügenden Digitalpakt-Mittel noch nicht geplant werden”, gab Stadträtin Richter-Kotowski zu Protokoll. Allein das Dreilinden-Gymnasium sei für eine Prototyp-Phase vorgesehen, noch befinde man sich in Abstimmungen mit der Fachfirma.Da der Netzwerkausbau noch zwei Jahre dauern und für den Ausbau des WLANs an vielen Schulen vermutlich kein Geld mehr vorhanden sein wird, bleibt die Frage, wie die Schulen die 120.000 neuen Endgeräte für die Schülerinnen und Schüler in die bestehenden, alten und meist unzureichenden Netze einbinden wollen. „Wir rechnen damit, dass die ersten Geräte im Herbst an den Schulen ankommen”, ist die Einschätzung der Steglitz-Zehlendorfer Abgeordneten Franziska Brychcy (Linke).
Für das WLAN an den Schulen in Steglitz-Zehlendorf ist das zu früh, für die Digitalisierung der Berliner Schulen aber viel zu spät.