Namen & Neues

800.000 Euro noch ungenutzt: Projekt-Ideen für das „Netzwerk der Wärme" (und Kühle) gesucht

Veröffentlicht am 08.06.2023 von Boris Buchholz

Die Idee stammt aus dem Winter: Im November wurde den Bezirken für den Ausbau des „Netzwerks der Wärme“ vom Senat jeweils eine Million Euro versprochen. Der Gedanke, Orte zum Aufwärmen, Orte für Begegnung und gegen Vereinsamung, Orte mit Kultur- und Beratungsangeboten zu schaffen, wurde überall in der Stadt begrüßt. Im Februar stand die Million in Steglitz-Zehlendorf bereit, 900.000 Euro davon waren für Projekte freier Träger vorgesehen. Stand heute sind bisher neun Projekte finanziert worden, knapp 94.000 Euro hätten sie gekostet, teilte Sozialstadtrat Tim Richter (CDU) dem Tagesspiegel auf Nachfrage mit. Ein zehntes Projekt befinde sich in der Prüfung. Fakt ist: 800.000 Euro liegen noch immer ungenutzt auf dem Konto des Bezirks.

„Die Hälfte des Jahres ist bald herum“, sagt Ulrike Kipf,  die Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung. Eine Anfrage ihrer Fraktion hatte den Projekt- und Ausgabenstau aufgedeckt. Stadtrat Richter argumentiert, dass die Wärme-Aktivitäten in Stadtteilzentren und Stadtbibliotheken über andere Mittel des Landes finanziert werden – es habe schlicht zu wenige andere Projektanbieter im Bezirk gegeben. Außerdem sei nicht jedes Wärme-Angebot sehr kostenintensiv: „Ich sage mal etwas verkürzt: Eine Kaffeemaschine kann sehr viel helfen und ist als Einzelstück preislich doch überschaubar.“

Jetzt können auch Projekte zum Hitzeschutz gefördert werden. „Da die letzten Sommer mit den zeitweiligen Hitzewellen ebenso Unterstützungsangebote erforderlich machten, bin ich sehr froh, dass Netzwerkmittel auch im Rahmen von Maßnahmen zur Linderung von hitzebedingten Problemen der Bevölkerung verwendet werden können“, sagt Tim Richter. Konkrete Projektbeispiele nennt er nicht.

„Insbesondere bei der Unterstützung von Obdachlosen im Bezirk besteht sowohl im Winter als auch im Sommer noch sehr viel Spielraum nach oben“, kontert Mariella Perna, die Bündnis 90/Die Grünen im Sozialausschuss vertritt. Dass der Bezirk 800.000 Euro ungenutzt liegen lasse, sei fahrlässig. Ihre Fraktion kritisiert, dass für die Mittel nicht ausreichend im Bezirk geworben worden sei – auf der Website des Bezirks sei dazu nichts zu finden. „Wir rufen alle sozialen Träger auf, sich beim Bezirksamt mit Projekten und Ideen für die Nutzung dieser Mittel zu bewerben“, so die Bezirksverordnete.

Förderfähig seien, so der Stadtrat, vorrangig Sachkosten und Personalaufstockungen. „Dazu gehören unter anderem kleinere Anschaffungen wie Kaffeemaschinen und Geschirr für die Abgabe von warmen Getränken, Lebensmittel, Hygieneartikel oder auch Testkits und Masken.“ Das Ziel sei auch, „dass Träger in der Lage sind, Wasser zu kaufen oder Sonnencreme“, sagte Tim Richter in der Mai-BVV. Müssten Personalstunden aufgestockt werden oder würden Honorarkosten beispielsweise für Sprachmittlungen oder Veranstaltungen anfallen, sei auch das über die Projektgelder möglich. Gleiches gelte für Aufwandsentschädigungen für Ehrenamtliche. „Interessierte Vereine, freie Träger, Kultur- und Freizeitstätten, genauso wie private Initiativen oder Kirchengemeinden, können sich bei den für sie zuständigen Ämtern mit ihren Projektanträgen wenden“, so der Sozialstadtrat.

Soziale Wärme. Auch wenn das „Netzwerk der Wärme“ bei sommerlichen Temperaturen etwas überholt wirkt – es ist es nicht. Der nächste heiße Sommer steht vor der Tür, der nächste Winter wird kommen. Ein Netzwerk sozialer Wärme zu etablieren, es auszubauen und zu erhalten, ist ein für die Bevölkerung wichtiges Ziel. Geld dafür ist vorhanden.