Namen & Neues

Solaranlagen im Südwesten: Die Zwei-Megawatt-Marke könnte noch 2023 gerissen werden

Veröffentlicht am 27.07.2023 von Boris Buchholz

„Den schwarzen Solarmodul-Peter sieht die Bürgermeisterin bei den Stadtwerken“, berichtete ich vergangene Woche zum Thema Solarausbau im Südwesten. Das ließ Sprecherin Astrid Hackenesch-Rump nicht auf den Berliner Stadtwerken sitzen: „Diese Karte [den Schwarzen Peter] weisen wir zurück“, schrieb sie dem Tagesspiegel. „Zum einen, weil sie uns nicht weiterbringt, zum anderen, weil die Stadtwerke nur die Gebäude mit Anlagen belegen können, bei denen die erforderlichen Unterlagen vorliegen.“ Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg (Grüne) hatte vergangene Woche gesagt: „Es ist festzustellen, dass die Stadtwerke mit dem Bau nicht in der Geschwindigkeit vorankommen, die ursprünglich geplant war.“

Auch die Stadtwerke-Sprecherin sieht, dass es in Steglitz-Zehlendorf wie auch in anderen Bezirken Hürden beim Solarausbau gibt. „Die stellen sich insbesondere in den Bezirken dar, in denen [wir] die erwähnten Unterlagen, etwa zur Statik und zur Elektroinstallation von mit Photovoltaik zu belegenden Gebäuden, gar nicht oder nur sehr schleppend erhalten – was in vielen Fällen an fehlenden Mitarbeitenden liegt.“

Nicht eine, sondern drei. Anders als vom Bezirksamt mitgeteilt, seien nicht nur auf einem, sondern auf drei von fünf vereinbarten Schuldächern bereits Solaranlagen installiert – die Module auf der Friedrich-Drake-Schule, der Fichtenberg-Oberschule und der Grundschule am Königsgraben liefern schon Strom. „Die fertigen Anlagen sind planmäßig errichtet, bei den anderen fehlten Statikunterlagen“, so die Sprecherin. Die Anlage auf dem Goethe-Gymnasium könne „hoffentlich im September“ in Betrieb gehen. Bei der Conrad-Grundschule, der fünften der im ersten Solar-Paket im August 2022 genannten Schulen, hofft der Bezirk auf eine Inbetriebnahme noch in diesem Jahr.

Ende der Sonnenfinsternis. Leser Ron Koch, Vorsitzender des Fördervereins und Mitglied der Solar-AG der Fichtenberg-Oberschule, bestätigt in einer E-Mail an den Tagesspiegel, dass „die Sonnenfinsternis hier zum Glück zu Ende ist“. Auf der Fichte werde seit Mitte Mai Strom produziert, seit Inbetriebnahme bereits 12.500 Kilowattstunden. „Das ist ungefähr dreimal so viel, wie die gesamte Schule in dieser Zeit an Strom verbraucht“, schreibt er. Sollten keine statischen Probleme im Weg stehen, solle nach der Dachsanierung auf dem Nordflügel des Hauptgebäudes eine weitere Photovoltaikanlage installiert werden. „Wir haben gute Erfahrung mit den Stadtwerken und der beauftragten Installationsfirma gemacht.“ Er regt an, das Sonnen-Feld auch für andere Akteure zu öffnen. „Ich bin mir sicher, dass zum Beispiel das Beethoven-Gymnasium ruckzuck eine Solaranlage auf dem Dach hätte, wenn die engagierte Schulgemeinschaft das in Eigenregie umsetzen dürfte.“ Er fügt hinzu: „Und der Lerneffekt in Sachen Physik, Wirtschaft und Recht bei den Schülerinnen und Schüler wäre gleichzeitig enorm.“

Und so soll es weitergehen: „Die Stadtwerke sollen vom Bezirksamt mit einer Potenzialanalyse beauftragt werden, die das PV-Potenzial auf den bezirkseigenen Gebäuden beziffern soll“, sagt Astrid Hackenesch-Rump. Diese Analyse solle dann helfen, den „Ausbaupfad“ zu definieren. „Das Bezirksamt bereitet die Auftragsvergabe an uns gerade vor“ und auch ein zweites Bezirkspaket sei in Vorbereitung.

Alles Photovoltaik. Dank der Informationen der Stadtwerke kann die So-Solar-ist-der-Südwesten-Liste für den Kühlschrank deutlich erweitert werden. Hier der aktuelle Wissensstand:

Auf diesen Schulen befinden sich Solaranlagen:

  • Friedrich-Drake-Grundschule (38,54 kWp, Stadtwerke)
  • Grundschule am Karpfenteich (64,99 kWp, Stadtwerke)
  • Erich-Kästner-Grundschule (43 kWp)
  • Mühlenau-Grundschule (30 kWp)
  • Grundschule am Königsgraben (30,34 kWp, Stadtwerke)
  • Fichtenberg Oberschule (39,84 kWp, Stadtwerke)
  • John-F.-Kennedy Schule (197,58 kWp, Stadtwerke)
  • OSZ Natur und Umwelt, Hartmannsweiler Weg 29 (292,05 kWp, Stadtwerke)
  • OSZ Bürowirtschaft, Florastraße 13 (48 kWp, Stadtwerke)

Auf diesen bezirklichen Gebäuden befinden sich Solaranlagen:

  • Rathaus Zehlendorf (15 kWp, Wiederinbetriebnahme 2018)
  • Kita Reha-Zentrum (30 kWp)
  • Sporthalle Lippstädter Straße (kW bis Redaktionsschluss nicht bekannt)

Auf diesen Senats-Liegenschaften befinden sich Solaranlagen:

  • Wasserwerk Beelitzhof (413,84 kWp, Stadtwerke)
  • Finanzamt Zehlendorf (99,64 kWp, Stadtwerke)
  • Polizei Gallwitzallee (346,14 kWp, Stadtwerke)
  • Polizeidirektion Einsatz/Verkehr, Königstraße 5 (70 kWp, Stadtwerke)
  • Feuerwehr Kronprinzessinenweg 20 (70 kWp, Stadtwerke)

Auf diesen privaten Gebäuden befinden sich Solaranlagen:

  • Sedanstraße 27 (31 kWp, Stadtwerke)

Für 2023 sind diese Anlagen geplant:

  • Goethe-Gymnasium (216 kWp, Stadtwerke)
  • Conrad-Grundschule (99 kWp, Stadtwerke)

In der Summe sind auf öffentlichen Dächern (und einem privaten) im Bezirk Solarkraftwerke mit einer Leistung von 1,86 Megawatt in Betrieb. Die Stadtwerke betreiben davon 1,74 Megawatt. Sollten die Sonnenkraftpakete auf der Goethe- und Conrad-Schule in diesem Jahr noch installiert werden, wäre die zwei Megawattmarke gerissen – 2,17 MW würde dann öffentlich betriebene Solaranlagen als Beitrag zur Energiewende in Steglitz-Zehlendorf leisten.