Namen & Neues
Für bis zu 5000 Zuschauer: Der Livestream aus der BVV kommt (näher)
Veröffentlicht am 07.09.2023 von Boris Buchholz
Jetzt ist es geschehen: Die Serviceeinheit Facility Management des Bezirksamts, die Verwaltung der bezirkseigenen Gebäude ist bei Bürgermeisterin Maren Schellenberg (Grüne) verortet, sucht nach einer Firma, die das Parlamentsfernsehen à la Steglitz-Zehlendorf realisieren soll. Über eine eigene Website sollen künftig die Sitzungen der Bezirksverordnetenversammlung in die Wohn- und Arbeitszimmer, in die Küchen und auf die Smartphones der Bürgerinnen und Bürger übertragen werden. Bestehende Videoplattformen wie YouTube werden als Plattformen des Rathausfunks explizit ausgeschlossen.
Fernsehverwöhnte Zuschauerinnen und Zuschauer werden etwas enttäuscht sein: Zwar sollen alle Rednerinnen und Redner per eingeblendeten Bauchbinde zu identifizieren sein, doch bleibt das Bild statisch: „Der Aufnahmebereich soll nur das Rednerpult erfassen, es ist eine Videokamera ausreichend.“ Die rasante Kamerafahrt durch den Saal oder der schnelle Schnitt vom oppositionellem Kritiker zur Nahaufnahme auf das Gesicht der Bürgermeisterin wird ein cineastischer Traum bleiben. Weder Zuschauerraum noch Mitarbeitende des Bezirksamts sollen gezeigt werden. Und wenn ein Bezirksverordneter oder eine Bezirksverordnete keine Übertragung wünscht, dann muss der Dienstleister auf Knopfdruck die Übertragung beenden können – weder Ton noch Bild sollen dann aus dem Rathaus übertragen werden. Wer am Bildschirm seine Volksvertreter bei der ehrenamtlichen oder seine Bezirksregierung bei der hauptamtlichen Arbeit beobachten möchte, sieht dann schwarz.
Für bis zu 5000 Menschen. Allerdings blickt die Bezirksverwaltung dennoch frohgemut in die Zukunft: „Datentraffic für bis zu 5000 Teilnehmende pro Veranstaltung muss möglich sein“, heißt es optimistisch im Text der Ausschreibung. Zum Vergleich: Wenn es bisher richtig voll im Bürgersaal ist, harren einhundert Menschen den wortgewandten Reden der männlichen wie weiblichen Bezirksparlamentarier. „Durch den Livestream soll ein breiteres Publikum erreicht werden“, wird in der Ausschreibung als Ziel angegeben.
Wer zu spät kommt, kann nicht „nachgucken“. Gespeichert wird die Übertragung aus dem Rathaus nicht. „Der Livestream ist für den Zuschauer nur während der Sitzung erreichbar und ist danach nicht mehr verfügbar“, lautet die Anforderung.
Bis zum 28. September können sich einschlägig bewanderte Firmen um den Auftrag bewerben. Beginnen soll die Übertragungsarbeit bereits am 16. Oktober – zwei Tage später könnte die neue Rathaus-Kamera bereits zum ersten Mal ihren Dienst versehen: Dann treffen sich die Bezirksverordneten turnusgemäß zur Oktober-Sitzung. Es könnte die erste BVV nach Corona mit Live-Bild werden. Dann wäre nur Spandau noch ohne Kamera – es wäre ein Meilenstein der südwestlichen Parlamentsgeschichte.