Namen & Neues
Heimatverein, übernehmen Sie: Neues Leben für den Kiosk auf der Zehlendorfer Dorfaue
Veröffentlicht am 16.05.2024 von Boris Buchholz
Abweisend – das ist der Eindruck, den der kleine gelbe Kiosk auf der Zehlendorfer Dorfaue macht. Von April 2018 bis vergangenen Dezember war Stefan Deutschmann der Pächter des Kiosks, er wollte hier Eis und Waffeln verkaufen. Doch so richtig lief das Geschäft im historischen Kiosk wohl nie; viele Wochen blieb die Eisdiele geschlossen. Jetzt will das Bezirksamt, das kleine Gebäude gehört dem Bezirk, neue Wege gehen: Wo Eis verkauft wurde, soll jetzt eine Mischung aus Nachbarschaftstreffpunkt, kleinem Café und Infopunkt entstehen, sagt Grünflächenstadtrat Urban Aykal (Grüne) dem Tagesspiegel. „Wir wollen den Kiosk zu einem lebendigen Ort in Zehlendorf-Mitte machen.“

Gemeinsam mit dem Heimatverein Zehlendorf, er betreibt das Heimatmuseum auf der anderen Straßenseite, sei man dabei, dafür ein Konzept zu entwickeln. Stadtrat Aykal redet über fünf Bausteine, die miteinander verzahnt werden sollen:
- Kleines Café: Künftig soll es im Kiosk Kaffee, Kaltgetränke, Kuchen oder Croissants geben – „aber nicht mehr“. Ein Imbiss sei zum Beispiel durch die Auflagen des Denkmalschutzes nicht möglich.
- Kiezshop: Regionale Produkte aus dem Berliner Südwesten sollen hier verkauft werden – vom lokalen Honig über Produkte der Firmen im Lichterfelder Goerzwerk bis hin zu Publikationen der Heimatmuseen Steglitz und Zehlendorf.
- Ort der Begegnung: Der Kiosk soll zum Treffpunkt für die Nachbarschaft werden. So seien auch Mini-Workshops zu Themen wie „stricken“ oder „fotografieren“ denkbar.
- Infopunkt: „Wenn ein Tourist nach Steglitz-Zehlendorf kommt, dann kriegt er am Kiosk alle nötigen Informationen“, stellt sich Urban Aykal vor. Aber auch die Einheimischen würden fortan hier Informationen erhalten – von Veranstaltungen bis Auskünfte über Bauprojekte. „In den kommenden zehn Jahren wird hier im Ortszentrum Zehlendorfs sehr viel los sein, die Menschen werden viele Fragen haben“, so der Stadtrat. Er nennt als Beispiele den langjährigen Umbau des S-Bahnhofs Zehlendorf, den Umbau oder Bau des neuen Rathauses oder den Stadtentwicklungsprozess rund um den Teltower Damm (ISEK).
- Denkmalgerechter Schaukasten: Baustein Nummer fünf soll sicherstellen, dass die Bürgerinnen und Bürger sich auch außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten informieren können. Wie das geschehen könne, das wisse er noch nicht, sagt der Dezernent, das müsse noch entwickelt werden.
„Wir sind mit dem Heimatverein in engem Austausch und relativ einig“, so der Stadtrat. Der erste Konzeptentwurf, den der Verein vorgelegt habe, sei sehr interessant gewesen. Er geht davon aus, dass ein finales Konzept in „wenigen Wochen“ vom Bezirksamt beschlossen und in den Ausschüssen der Bezirksverordnetenversammlung präsentiert werden kann. Auch an einem Vertragsentwurf für die Verpachtung werde gearbeitet – neuer Vertragspartner wäre dann der Heimatverein Zehlendorf.

Allerdings würde der Betrieb des Kiosks wohl die Kapazitäten der ehrenamtlichen Vereinsmitglieder übersteigen. „Der Kiosk muss professionell betrieben werden, der Heimatverein plant die Zusammenarbeit mit einer Kooperationspartnerin“, erläutert Urban Aykal. Der Heimatverein selber wollte sich zu seinen Plänen für den Kiosk gegenüber dem Tagesspiegel noch nicht äußern.
Man merkt es dem Stadtrat im Gespräch an: Er würde gerne, dass der neue Info- und Treffpunktkiosk lieber heute als morgen an den Start geht. Doch ganz so schnell wird das nicht möglich sein. „Der ehemalige Nutzer hat den Kiosk noch nicht geräumt.“ Zwar sei dem Eisdielen-Betreiber rechtskräftig zum 31. Dezember 2023 gekündigt worden, „doch er hat nicht reagiert“. Das Bezirksamt hat Räumungsklage erhoben, das Verfahren läuft.
„Vermutlich können wir den Kiosk im Sommer räumen“, ist die offizielle Hoffnung. „Sobald er geräumt ist, werden wir ihn uns mit dem Heimatverein ansehen“, plant Stadtrat Aykal. Eventuell müssten Renovierungsarbeiten oder Reparaturen durchgeführt werden, man werde sehen. Sein Ziel sei es, im Herbst zur Einweihungsparty des neuen Kiosks kommen zu können.
- Hintergrund: Der unter Denkmalschutz stehende Kiosk mit seinem markanten Äußeren wurde 1955 vom Zehlendorfer Architekten Kurt Kurfiss entworfen. Lange Jahre wurde das Häuschen als Kulturkiosk mit Büchertausch und -kauf genutzt, Träger war der Verein „Kultur in Zehlendorf“. 2019 fand der Kulturkiosk ein neues Domizil an der Ecke Clayallee und Argentinische Allee.