Namen & Neues
Die Ampel-Katze ist aus dem Sack: Was Grüne, SPD und FDP am Kranoldplatz wollen
Veröffentlicht am 20.06.2024 von Boris Buchholz
Nun ist es so weit: In der gestrigen Sitzung der Bezirksverordneten bekannte die Ampelzählgemeinschaft in Sachen Umgestaltung des Kranoldplatzes grün-rot-gelbe Farbe. Grüne, SPD und FDP brachten ihren „Kompromissantrag“ für die Zukunft des Platzes ins Lokalparlament ein. Wochenlang waren zuvor die beiden Einwohneranträge – das Bündnis für einen lebendigen Kranoldplatz will mehr Aufenthaltsqualität auf dem Platz, die lokale CDU und die Markthändler wollen den Status quo erhalten (hier zu lesen) – in den verschiedenen Ausschüssen wieder und wieder vertagt worden: Wir wollen sie mit unserem Antrag gemeinsam beraten, hieß es von Vertretern der Zählgemeinschaft.
Jetzt ist der Antrag mit dem sperrigen Titel „Entwicklung des Kranoldplatzes hinsichtlich seiner Aufenthaltsqualität bei Berücksichtigung der besonderen Bedarfe des Wochenmarkts“ eingebracht. Er wird wohl am kommenden Donnerstag, 27. Juni, 17.30 Uhr, im Ausschuss für Mobilität, Verkehr, Ordnung zum ersten Mal beraten werden (Rathaus Zehlendorf, die Sitzung ist öffentlich).

Was im „Kompromissantrag“ drin steht: Etwas anderes ist nicht zu erwarten gewesen – Grüne, SPD und FDP wollen beiden Seiten gerecht werden. Der Kranoldplatz soll „als wichtiger Marktstandort erhalten“ und zugleich zu einem „attraktiven Zentrum von Lichterfelde-Ost“ werden. Ein schwieriges Unterfangen, lesen Sie selbst:
- Markt: Die Bedürfnisse der Markthändlerinnen und -händler seien vom Amt „aufzunehmen und mit Behutsamkeit abzuwägen“. Doch der Platz soll definitiv umgestaltet werden. Während des Umbaus solle „der Betrieb der bestehenden Marktstände an regulären Markttagen gewährleistet sein“. Abstellflächen für die Marktfahrzeuge seien „in unmittelbarer Laufnähe zur Marktfläche“ zu garantieren, gleiches gelte für die nötige Rangierfläche. Beim Umbau müssten „beschattende sowie begrünende Elemente“ ausgewogen verteilt werden.
- Verkehr: Auf dem Platz soll ein Mobilitätskonzept „für schwache Verkehrsteilnehmende“ entwickelt werden. Wie der Radverkehr am Kranoldplatz sicher geführt werden könne, soll eine Machbarkeitsstudie erkunden. Der Autoverkehr rund um den Platz müsse langsamer werden: „Eindeutig sind Maßnahmen zur Entschleunigung des Verkehrs am Platz umzusetzen.“
- Parken: Der Traum vom autofreien Kranoldplatz ist ausgeträumt. „Sichere und bequem erreichbare Parkmöglichkeiten“ sollen auf Teilen des Kranoldplatzes weiterhin vorhanden sein. Es soll mehr Fahrradabstellmöglichkeiten geben.
- Aufenthaltsqualität: Der Platz soll begrünt, Versickerungsflächen geschaffen, schattenspendende und kühlende Elemente aufgestellt werden – „sofern sie den Markt nicht beeinträchtigen“. Gastronomie auf dem Platz soll gefördert werden. Geprüft werden soll, ob die Platzfläche auf der südlichen Seite erweitert werden kann. Dadurch könnte der Markt vergrößert und mehr gastronomische Nutzung möglich werden.
- Mitsprache der Bürgerinnen und Bürger: Wenn ein Antrag zur Gestaltung des Kranoldplatzes von der BVV beschlossen sei, „beginnt die aktive Einbindung der Bürgerschaft, Markthändler*innen, Gewerbetreibende etc., um unterschiedliche Interessen zu berücksichtigen und zu einer Lösung der Situation am Kranoldplatz zu gelangen“, so der Antragstext.

Ob sich die Menschen, die sich hinter den beiden Einwohneranträgen versammelt haben, mit dem Antrag der Ampel-Fraktionen anfreunden können, wird sich in der kommenden Debatte zeigen. Der neue Antrag ist auf jeden Fall eines: Ein Weg für die Politikerinnen und Politiker von Grünen, SPD und FDP, die Anträge der Bürgerinnen und Bürger gesichtswahrend abzulehnen, ohne die Umgestaltungsdiskussion komplett zu ersticken. Dass eine umfassende Bürgerbeteiligung erst nach dem Beschluss des Antrags angestrebt wird, birgt jedoch Stoff für Erregung. Warum die frisch eingeführten „Leitlinien für Beteiligung der Bürger*innen“ erst nach einem Votum des Lokalparlaments greifen sollen, erklärt der Ampel-Antrag nicht.