Namen & Neues
Zukunft des Kranoldplatzes: Einwohneranträge sorgen trotz Ablehnungen für Bewegung in der Politik
Veröffentlicht am 11.07.2024 von Boris Buchholz
Die Abstimmung am Dienstag im Stadtplanungsausschuss ging rasch und ohne Aussprache über die Bühne: Der Einwohnerantrag des Bündnisses für einen lebendigen Kranoldplatz für den Umbau und die Aufwertung des Kranoldplatzes wurde von allen Fraktionen abgelehnt. Auch der andere Einwohnerantrag, er kommt vom CDU-Ortsverband Lilienthal, der einen Umbau aus Angst um den Markt ablehnt, fand keine Mehrheit – auch wenn die CDU nicht überraschend dafür stimmte. Der dritte Antrag auf dem Tableau stammt von der Zählgemeinschaft, die Grüne, SPD und FDP bilden: Der „Kompromissantrag“ will den Kranoldplatz für die Kiezbewohner attraktiver machen, zugleich soll der Wochenmarkt erhalten werden. Auch während des Umbaus soll der Markt auf einem Teil des Platzes stattfinden können. Auch geparkt werden soll künftig auf dem Platz – aber in kleinerem Ausmaß als heute (mehr zum Ampel-Antrag lesen Sie hier). Die Ampelmehrheit stimmte für den eigenen Antrag, die CDU dagegen.
Novum. Der Ausgang der Beratungen im Stadtplanungsausschuss (und die Woche zuvor im Verkehrsausschuss) zeigt auf, wie die BVV entscheiden wird – die Einwohneranträge fallen durch. Es ist ein Unikum: Dass gleich zwei Einwohneranträge zur gleichen Sache von tausenden Bürgerinnen und Bürgern eingebracht und beide noch dazu abgelehnt werden, kam in der Geschichte der Südwest-Bezirksverordnetenversammlung noch nicht vor. Noch dazu, weil sich das Bündnis für einen lebendigen Kranoldplatz und die Markthändlerinnen und -händler, die den CDU-Antrag unterstützen, zusammen vor wenigen Wochen für einen gemeinsamen Runden Tisch zur Zukunft des Kranoldplatzes aussprachen. Eine Chance zum gemeinsamen Dialog – doch auch dieses Anliegen aus der Bürgerschaft wurde nicht erhört.
Doch zugleich haben die Einwohneranträge Bewegung in die jahrelange Diskussion um den Kranoldplatz gebracht. Ohne die beiden Nachbarschaftsinitiativen hätte es den Ampel-Antrag nicht gegeben. „Wir begrüßen, dass es diesen Antrag überhaupt gibt“, hatte Andrea Kuner vom Bündnis für einen lebendigen Kranoldplatz im Verkehrsausschuss gesagt. Dem Bündnis würden zwar die Entwicklung eines Nutzungskonzeptes für den Platz und klare Worte zur Finanzierung eines Umbaus fehlen. Auch müsse nicht nur die südliche kleine Straße dem Platz zugeschlagen, sondern auch die Ferdinandstraße in ein Umgestaltungskonzept eingebunden werden. Doch die Weichen für die Aufwertung des Platzes würden gestellt.
Verkehrsstadtrat Urban Aykal (Grüne) positionierte sich im Ausschuss klar: Er strebe an, dass der Kranoldplatz „2026, 2027, 2028 attraktiver wird“. Kleine Schritte seien zwar „immer gut, aber der Kranoldplatz braucht mehr“.
Die Markthändler dagegen befürchten nun Schlimmes. „Wir Händler*innen sehen uns in unseren Befürchtungen, dass der Umbau dem Markt schaden wird, bestätigt“, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme auf der Website „Kranoldmarkt retten“. Dass im Ampel-Antrag davon die Rede ist, der Markt solle während der Umgestaltung „möglichst nicht beeinträchtigt werden“, sei ein vages Absichtsbekenntnis. Das Wörtchen „möglichst“ öffne eine Hintertür. Für die Händler ist klar: „Sollten die Bauarbeiten nicht räumlich und zeitlich stark beschränkt sein, wird der Markt darunter leiden.“
Die Händlerinnen und Händler weiten den Blick – und sehen die Märkte im Bezirk in Gefahr. Der Frische-Markt am S-Bahnhof Zehlendorf wird ab 2026 dem Umbau des Bahnhofs weichen müssen, einen Ausweichstandort gibt es noch nicht. Auch der Hermann-Ehlers-Platz wird umgebaut, nächstes Jahr sollen die Arbeiten beginnen (hier mein Bericht) – einige Händler müssten dann umziehen, wird von den Markthändlern behauptet. „Das ist ein Gerücht!“, widerspricht Stadtrat Aykal auf Nachfrage des Tagesspiegels. „Ich weiß nicht, wo das herkommt.“ Auch während des Umbaus des Hermann-Ehlers-Platzes könne der Markt dort stattfinden.
Die Zukunft werde zeigen, „wie sich Politik und Bezirk tatsächlich um die Belange der Markthändler*innen kümmern und ein Florieren der Märkte gewährleisten wollen“, lautet das Zwischenfazit der Händler.