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Wenn Obdachlosen auf der Schloßstraße geholfen wird: Streetworkerprojekt auf der Kippe

Veröffentlicht am 13.11.2025 von Boris Buchholz

Die Bilanz, die Carolina Böhm (SPD), Gesundheits- und Jugendstadträtin des Berliner Bezirks Steglitz-Zehlendorf, zieht, ist durchweg positiv: Seit Anfang des Jahres suchen Straßensozialarbeiter des Vereins Gangway im Berliner Südwesten obdachlose Menschen auf, nehmen Kontakt auf, bilden Vertrauen und bieten Hilfe an.

Die Stadträtin nannte in der Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf am Mittwochabend harte Zahlen: 120 Erstkontakte und 90 Folgekontakte hätten in den ersten zehn Monaten stattgefunden. 44 Menschen, die auf der Straße leben, konnten in weiterführende Hilfs- und Unterstützungsangebote vermittelt werden – von Beratungsstellen bis zu Unterkünften. An 67 Betroffene wurden „Sachmittel zur Überlebenshilfe“ übergeben.

Symbolbild: Obdachlose Person im Winter.

Und trotz dieser positiven Bilanz steht das Streetwork-Projekt auf der Kippe. Im aktuellen Entwurf für den Berliner Landeshaushalt hat der schwarz-rote Senat die Gangway-Mittel gestrichen. Im noch laufenden Jahr wird die Straßenarbeit, die nicht nur die Schloßstraße, den Charkiw-Park und den Hermann-Ehlers-Platz, sondern auch die Bahnhöfe der S1 wie Wannsee und Zehlendorf mit dem Bereich um den Teltower Damm umfasst, mit 170.000 Euro gefördert. Das Geld stammt aus Mitteln des „Sicherheitsgipfels“ und wurde 2023 in den Landeshaushalt eingestellt. Für das kommende Jahr steht im Haushaltsentwurf schlicht: „Der Titel fällt weg.“

Heftige Kritik am Projekt kommt von der CDU Steglitz-Zehlendorf. Fraktionschef Torsten Hippe will gegen Obdachlose entschieden vorgehen: „Ich bleibe bei der Linie: Den Obdachlosen ein Angebot machen und wenn das nicht angenommen wird, Platzverweis!“ Wie die Debatte verlief, wie der Bezirk zumindest etwas vorgesorgt hat und wer überhaupt wo im Südwesten auf der Straße lebt, lesen Sie hier in meinem Bericht von der Pressetribüne im Rathaus Zehlendorf.

  • Foto: dpa/Arne Dedert