Namen & Neues
„Es kann nicht sein, dass Datenschutz Hilfe verhindert“: Sieben konkrete Forderungen nach dem Blackout
Veröffentlicht am 22.01.2026 von Boris Buchholz
Über vier Stunden dauerte am Mittwochabend die Debatte im hell erleuchteten Bürgersaal des Rathauses Zehlendorf: Die Mitglieder der Bezirksverordnetenversammlung ließen sich von Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg (Grüne) erläutern, wie das Bezirksamt auf den von Linksextremisten verübten Brandanschlag auf eine Strombrücke in Lichterfelde und den darauffolgenden mehrtägigen Blackout reagiert hat. Die Aussprache zur Krise ergab parteiübergreifend sieben konkrete Erkenntnisse und Forderungen:
- Der Bezirk war überfordert, die Großschadenslage muss früher kommen.
- Der Bezirk muss sich mehr um Prävention kümmern.
- Es fehlt Material für den Krisenfall.
- Die Kommunikation muss besser und sicherer werden – dazu gehört das Handynetz ebenso wie die Lautsprecherdurchsagen.
- Im Radio muss besser informiert werden, auch über konkrete Notunterkünfte und Hilfsangebote.
- Hilfsangebote für Hilflose müssen kostenlos sein: Wer kein Geld hat, kann auch nicht vorfinanzieren oder eine Kaution bezahlen.
- Um hilfsbedürftige Personen finden zu können, muss Katastrophenschutz vor Datenschutz gehen.
Was sich hinter diesen sieben Lehren aus der Krise genau verbirgt, habe ich hier für Sie aufgeschrieben.

Es war eine bemerkenswert konstruktive Auseinandersetzung zwischen den Lokalpolitikerinnen und -politikern – von einer halben Stunde abgesehen, in der CDU-Fraktionschef Torsten Hippe den Versuch machte, den Katastrophenschutz gegen Gendern und Geschlechtergerechtigkeit auszuspielen („Wir erfüllen die Pflicht nicht mehr“, für die „Kür“ sei keine Zeit). Später kritisierte er zwei Bezirksverordnete, die Bekleidung mit dem Emblem „Antifa“ trugen. Die Replik der SPD-Verordneten Ellinor Trenczek lautete: Der Antifaschismus sei das Fundament der Bundesrepublik Deutschland.
Dann ging es wieder konkret um den Stromausfall. In einer Sache waren sich Maren Schellenberg, BVV-Chef René Rögner-Francke (CDU) und alle Rednerinnen und Redner ohne Ausnahme einig: Die Menschen in Steglitz-Zehlendorf haben in der Krise Menschlichkeit und Solidarität gezeigt. Die Helferinnen und Helfer aller Hilfsorganisationen, der Blaulicht-Dienste, der Gemeinden und Nachbarschaftszentren, der Sportvereine und Unternehmen, von Stromnetz Berlin und dem Bezirksamt, haben in den über 100 Stunden Dunkelheit und Kälte angepackt und Großartiges geleistet.
- Foto: Imago/Anadolu Agency/Halil Sagirkaya