Sport

Veröffentlicht am 27.08.2020 von Boris Buchholz

Der Steglitzer Tennis-Klub 1913 kämpft um drei Tennisplätze: Die Grundschule an der Bäke muss erweitert werden. „Wenn diese drei Plätze wegfallen würden, dann müssten 300 Trainingsstunden auf die sieben Ascheplätze verlegt werden“, erklärte Peter Stoschek, der Vorsitzende des Steglitzer Tennis-Klubs 1913 (STK). Das sei kaum leistbar. Als er das sagte, standen die Mitglieder des Sportausschusses der Bezirksverordnetenversammlung am Dienstag, 25. August, auf den drei roten Gummiplätzen. Ob die Lokalpolitikerinnen und Lokalpolitiker sich auf dem Gelände des Vereins oder auf dem Sportschulplatz der benachbarten Grundschule an der Bäke befanden, ist nicht leicht zu sagen. Von morgens bis 16 Uhr nutzt die Schule die umzäunten Plätze – schulintern  werden sie „Gummihof“ genannt –, ab 16 Uhr bis abends üben die Spielerinnen und Spieler des STK Vorhandschläge, Netzspiel und Aufgaben. Planerisch gehört der Grund und Boden zur Schule; und das bringt den Verein in Nöte.

Denn die Grundschule an der Bäke platzt aus allen Nähten. Abhilfe soll jetzt ein Modularer Ergänzungsbau mit 16 Klassenräumen und einer Mensa bringen, eine Holz-MEB (meinen Bericht finden Sie hier). Ursprünglich sei geplant gewesen, führt der Leiter des Schul- und Sportamts Hennig von Wittich aus, die Holz-MEB parallel zur Undinestraße aufzustellen. Dort standen bis vor kurzem noch marode mobile Unterrichtsräume (MUR), sie sind derweil ebenso abgerissen worden wie die kleine Hausmeisterwohnung (bei den Abrissarbeiten wurde der Zaun der Tennisanlage beschädigt; ein Gummi-Platz ist deshalb seit acht Monaten gesperrt). Doch dann sei bekannt geworden, dass die Maße des neuen Modulbaus 52 mal 20 Meter betragen werden – und es an allen Seiten einen freien Abstand rund um das Holzhaus von fünf Meter gegen müsste. „Dadurch passt die MEB dort nicht mehr hin“, so der Amtsleiter. Der vermutlich einzige Ausweg: Das Erweiterungsschulhaus muss quer zur Straße platziert werden – auf die drei bisherigen Tennisplätze.

“Wir kriegen die Holz-MEBs nur so, wie sie sind“, betonte Bildungs-, Sport- und Sozialstadtrat Frank Mückisch (CDU) in der Ausschussitzung unter freiem Himmel. „Bis 2030 werden wir hier einen großen Schulplatzbedarf haben“, erklärte er. Die Anzahl der Kinder werde stark ansteigen, viele Familien würden zuziehen. Deshalb werde die Grundschule an der Bäke jetzt von drei- auf vierzügig ausgebaut. Wenn zwischen Sport und Schule entschieden werden müsse, „dann geht der Schulplatzbedarf als Sieger hervor“, ergänzte Amtsleiter Henning von Wittich.

Für den Tennisverein, der STK hat auch an einem zweiten Standort eine starke Hockeyabteilung, sind das schlechte Nachrichten. Auf den drei Gummiplätzen werde vor allem Nachwuchsarbeit gemacht, viele Kurse und Workshops fänden dort statt. 150 der insgesamt 510 Vereinsmitglieder seien Kinder und Jugendliche. „Sollen wir der nächste Verein sein, der keine Kinder und Jugendlichen mehr aufnimmt?“, fragte Peter Stoschek in die Runde. Denn auch die Ascheplätze würden gut genutzt, in der Kernzeit an Nachmittag und Abend gebe es keine freien Kapazitäten.

Immerhin zeichneten sich während der Sitzung für den Verein zwei Hoffnungsschimmer am Holz-MEB-Horizont ab:

  • Zum einen versprach der Schul- und Sportamtsleiter, dass geprüft werde, „wie wir die MEB platzieren lassen“. Vielleicht könne dann doch ein Tennisplatz bestehen bleiben. Er sei zwar skeptisch, ob das ginge, aber noch sei die Planung nicht abgeschlossen.
  • Zum anderen brachte der Vereinsvorsitzende die Idee ins Spiel, ob nicht der Fußballverein Viktoria 89 einen bisher nicht für das Fußballtraining benötigten Teil seines Geländes in Lichterfelde den Tennisspielern überlassen könnte. Sportamtsleiterin Heike Götze sagte zu, ein Gespräch zwischen beiden Vereinen zu vermitteln, „dafür sind wir da“.

Richtig zufrieden war Vereinschef Stoschek nach der Ausschusssitzung aber nicht. „Wir kommen etwas zu kurz“, sagte er dem Tagesspiegel. Dass doch noch wenigstens ein Gummipatz erhalten bleibe, halte er für unwahrscheinlich. Die Chancen für einen Ausgleichsstandort bei Viktoria schätze er höher ein. Es koste zwar um die 15.000 Euro, um einen einzigen Tennisplatz einzurichten. Sollte es allerdings an einem Standort eine langfristigere Perspektive geben, „dann würden wir uns an den Kosten beteiligen“, sagte Peter Stoschek zu. Um die Finanzen des Vereins stehe es nicht schlecht, „die Entwicklung der Mitgliederzahlen ist positiv“. – Text: Boris Buchholz
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Dieser Text stammt aus dem Tagesspiegel-Newsletter für Steglitz-Zehlendorf. Die Tagesspiegel-Newsletter für die 12 Berliner Bezirke (mit schon 220.000 Abos) gibt es kostenlos und in voller Länge unter leute.tagesspiegel.de