Kiezgespräch

Veröffentlicht am 12.12.2019 von Boris Buchholz

Die Idee, den Fernmeldeturm auf dem Schäferberg zu einem touristischen Höhepunkt im Südwesten zu machen (ich berichtete letzte Woche, dass es mit diesem Wunsch noch nicht voran geht) scheint Sie nicht kalt zu lassen: Diverse Ideen für einen Kosenamen für den Turm gingen bei mir ein. „Für mich war er immer ein ‚Sehnsuchts-Turm‘, schreibt eine Leserin. Von 1963 bis 1966 habe sie in Potsdam in einem Internat in der Berliner Straße gewohnt „und hatte ihn stets vor Augen“. Doch der Gang über die Glienicker Brücke blieb ihr als DDR-Bürgerin verwehrt. „Es war schlicht ein Sinnbild der Unfreiheit für mich“, sagt sie, „ich habe immer davon geträumt, dort spazieren gehen zu können.“ Als Namen könnten ihr „Kiek Ut“ und „Schäfer-Lulatsch“ gefallen.

Die aufrechte Form würdigt Volker Holzke mit seinem Vorschlag „Schäferstecken“. Ähnliche Ideen haben auch weitere Leser: „Hirtenstock“ und „Schäferstab“ werden genannt. Das passt zur historischen Namensgebung: Die nahegelegene Schäferstraße am Stölpchensee heißt so, weil sie auf die Schafweide des Dorfes Stolpe führte – eben auf den Schäferberg.

An die jüngere Geschichte erinnert dagegen der Kosename „Spürnase“, „da ja nicht nur gesendet sondern auch empfangen wurde“, so der vorschlagende Leser. Historisch argumentiert auch Leserin Nina Sabanovic – „Alliierten-Stachel“ ist ihr Namenskandidat. Schließlich sei der Sendeturm „nun mal auch in schwierigen Zeiten gebaut worden“.

Einen ganz anderen Namen kam einer weiteren Leserin in den Sinn: „Turm der Stille“. Ob das passt? Da bin ich skeptisch. Mit einer Besucherplattform, Schlange stehen vor dem Fahrstuhl und einem brummenden Ausflugscafé verbinde ich eher Tumult, Lachen, Ahs und Ohs sowie das Klicken der Fotoapparate, äh, das Piepen der Smartphones an der Selfiestange. Da scheint der Vorschlag „Adlerblick“ einer anderen Leserin besser zur gewünschten Nutzung zu passen.

Via Twitter trudelten weitere Namens-Vorschläge ein: Besonders gut gefällt mir „Fusselrolle“. „Der Schäfer“. „Honiglöffel oder Honigstab“. Nutzer Pjöter schreibt: „Als kleines Kind konnte ich den Turm von meinem Hochbett aus sehen. Damals hieß er für mich An-Aus-Turm, wegen der Blinkleuchten.“

„Pseudo, Unfug, nur von Zugereisten oder ‚Westdeutschen‘ zur Tarnung als ‚Berliner‘ gebraucht“ – Leser Norbert Lingfeld kann der Kosewort-Debatte nichts abgewinnen. Die „Berliner“ Namen der bekannten Sehenswürdigkeiten der Stadt würden „ausnahmslos aus der Feder der kreativen BZ-Journalisten“ stammen. „Kein Eingeborener hat die jemals benutzt, nicht einmal ironisch. Nicht mal den gaaaaanz alten ‚Langer Lulatsch‘ für den Funkturm …“ Also, dann könnte es auch bei „Fernmeldeturm Schäferberg“ bleiben? Ich bin neugierig – meine E-Mailadresse lautet boris.buchholz@tagesspiegel.de. – Text: Boris Buchholz
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Zum Newsletter-Autor: Boris Buchholz ist freiberuflicher Journalist und Designer. Zwar wurde er in Wilmersdorf geboren, doch wuchs er in Lankwitz auf, besuchte in Steglitz das Gymnasium und wohnt in Zehlendorf. Mehr über Boris Buchholz erfahren Sie auf seiner Website. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an boris.buchholz@tagesspiegel.de