Kiezgespräch

Veröffentlicht am 16.01.2020 von Boris Buchholz

Es ist so gekommen, wie es viele Kiezbewohner befürchtet haben: Hausbesitzer und Projektentwickler Harald Huth will den „Ferdinandmarkt“ am Kranoldplatz vor dem S- und Regionalbahnhof Berlin-Lichterfelde-Ost schließen und die bisherige glasüberdachte Fläche komplett umbauen. Im Stadtplanungsausschuss am Dienstagnachmittag stellte Amtsleiterin Sabine Lappe den jüngst eingereichten Bauantrag der HGHI Kranoldplatz GmbH, sie gehört dem Investor, vor. Danach soll die bisher vorne offene Glashalle durch einen neuen Gebäudeteil, der zur Ferdinandstraße geschlossen sein würde, ersetzt werden. Harald Huth plant, in die bisherige Halle eine zweite Ebene, also ein neues Stockwerk, einzuziehen. Im Erdgeschoss des gesamten Gebäudes entstünde so Platz für einen Lebensmittel-Supermarkt mit einer Fläche von 1.768 Quadratmetern, zwei weitere Märkte (663 und 439 Quadratmeter groß) sowie kleinere Gewerbeflächen. Der neu geschaffene erste Stock der ehemaligen Markt-Halle solle als Büroflächen genutzt werden. Außerdem plant der Bauherr, im Dach einige Wohnungen auszubauen.

Wie groß denn die zulässige Geschossflächenzahl (GFZ) an diesem Standort in Lichterfelde-Ost sei, wollte der Ausschussvorsitzende Torsten Hippe (CDU) wissen. Die GFZ setzt die nutzbare Gebäudefläche mit der Grundstücksgröße ins Verhältnis. Kurz: Je größer die GFZ, desto dichter wird bebaut. Erlaubt sei in der Ferdinandstraße eigentlich eine GFZ von 0,6, antwortete die Leiterin der Stadtplanungsbehörde. Doch bereits das existierende Gebäude des Ferdinandmarkts liege dank einer Ausnahmegenehmigung mit einer GFZ von 1,8 deutlich über der vorgeschriebenen Marke. Die Pläne des Investors würden die GFZ-Zahl weiter nach oben drücken. Neben der zu hohen Bebauungsdichte, brachte Torsten Hippe noch eine ästhetische Kritik an: Schon jetzt handele es sich bei dem Haus um keine Augenweide, sagte er; sollten die Huth-Pläne realisiert werden, wandele es sich „von minderhässlich zu hässlich“.

Investor Huth dürfte es schwer haben, den vorliegenden Antrag genehmigt zu bekommen. „Wir sind nicht geneigt, darüber länger nachzudenken“, urteilte Hippe. Keiner der anderen Ausschussmitglieder widersprach, auch Bezirksbürgermeisterin und Stadtplanungsdezernentin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) nicht. Ihr Anliegen sei gewesen, „den frisch eingegangenen Antrag sofort im Ausschuss vorzustellen“. Den Bezirksverordneten und den Anwohnern des Kranoldplatzes hatte sie letztes Jahr zugesagt, über etwaige Pläne des Investors schnell zu informieren.  – Text: Boris Buchholz
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Zum Newsletter-Autor. Boris Buchholz ist freiberuflicher Journalist und Designer. Zwar wurde er in Wilmersdorf geboren, doch wuchs er in Lankwitz auf, besuchte in Steglitz das Gymnasium und wohnt in Zehlendorf. Mehr über Boris Buchholz erfahren Sie auf seiner Website. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an boris.buchholz@tagesspiegel.de

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