Boris Buchholz' Tipp für Sie

Veröffentlicht am 29.05.2019

„Fahren Sie demnächst nach New York?“ Ich gebe zu, ich war überrascht als ich in der Kaffee-Bar „torrefazione“ (das ist italienisch und bedeutet Kaffeerösterei) am Oberhofer Weg 4, einen Steinwurf vom Kranoldplatz entfernt, mit dieser Frage begrüßt wurde. Der freundliche und reiselustige Stammgast, der mich sofort angesprochen hatte, schwärmte von der Fahrt mit dem Bus vom Flughafen nach Manhatten – eine grandiose Szenerie, ein toller Blick auf die Stadt von der Brooklyn Bridge. Inhaberin Birgit Zellner machte mir einen Cappuccino, wir hörten zu – und dann verabredeten wir uns spontan: Ende Juni fliegen sie und ich zum Big Apple.

Seit 19 Jahren betreibt sie ihr Café; genauso lange trinkt Immo Knossalla, ein weiterer der vielen Stammgäste, hier sein Bohnengetränk. „Ich komme, wenn ich eine Einkaufstour mit dem Fahrrad mache“, erzählte der 79-Jährige (er sagte, er sei exakt „79 Jahre und 51 Wochen alt“) und das sei drei Mal die Woche. „Ich schätze den Geschmack und die Stärke des Kaffees und esse immer einen Schokokuss dazu“, berichtete er. Der Preis sei angemessen. Später schlürfte ich meinen Milchschaum in der Sonne auf der Bank vor dem großen Schaufenster – leise ist es am Oberhofer Weg nicht. Doch als ich die Augen schloss, den Geschmack des Kaffees auf der Zunge, und dem Stimmengewirr der Kundschaft und den Geräuschen der Stadt lauschte, freute ich mich auf New York. Ein guter Ort.