Boris Buchholz' Ausflugtipp für Sie

Veröffentlicht am 12.11.2020

Genug gestreamt, jetzt mal Schluß mit dem Home Office, runter vom Sofa – kommen Sie mit mir auf eine Entdeckertour! Wandeln Sie auf schmalen Pfaden am Wasser entlang, bestaunen Sie eine nachwachsende Kirche aus Weiden, spazieren auf einer Autobahnbrücke herum – und gucken Sie sich eine ehemalige Wasser-GÜSt an. Also, nehmen Sie Ihren Liebsten, Ihre Lebenspartnerin, Ihren Nachwuchs, Ihren Hofhund oder einfach nur sich selbst und fahren Sie zur Schleuse Kleinmachnow. Dort geht der Spaziergang entlang des Teltowkanals Richtung Albrechts Teerofen los.

Die denkmalgeschützte Schleuse selber, eröffnet wurde sie 1906, ist schon ein Ausflugsziel an sich – dass hier einmal die Straßenbahnlinie 96 aus Lichterfelde kommend fuhr (heute müssen Sie den Bus 622 nehmen), beweist der alte Tramwagen, in dem heute das Heimatmuseum untergebracht ist. Queren Sie vor der Straßenbahn den Stahnsdorfer Damm Richtung Westen, direkt am Ufer des Teltowkanals beginnt der Kanalauenweg. Folgen Sie dem Stahnsdorfer Ufer des Kanals und unterqueren Sie die Autobahnbrücke der A115. Wenig später stoßen Sie auf die Reste der S-Bahnbrücke der Friedhofsbahn nach Stahnsdorf. Die Brücke wurde erst 2018 von der Deutschen Bahn demontiert, bis 1961 rollten hier noch Züge.

Vor dem nächsten Brückenbauwerk lohnt es sich, links in die Natur zu spähen: Sie haben Brandenburg verlassen, stehen wieder auf Berliner Stadtgebiet, genauer im östlichsten Zipfel der Ortslage Albrechts Teerofen. Mit etwas Glück können Sie zwischen den Bäumen Bogenschützen entdecken: Hier haben die 1. Berliner Bogenschützen ihre Vereinsheimat. Gehen Sie noch weiter am Kanal entlang, unter der Brücke hindurch; Sie kommen auf die Straße Albrechts Teerofen. In den 1760-er Jahren hatte Christian Friedrich Albrecht hier einen neuen Teerofen errichtet; sein Haus können Sie von außen bestaunen, wenn Sie an der nächsten Kreuzung einen Abstecher die Anhöhe hinauf nach links wandern.

Doch zurück am Teltowkanalufer lohnt ein anderer Abstecher: Ungefähr dort, wo die Straße Albrechts Teerofen in das Kremnitzufer übergeht, befindet sich links der Zugang zur Bäkewiese. Die Bäkeweise ist ein Kinder- und Jugendzeltplatz, der von der Evangelischen Schülerarbeit betrieben wird. Sie müssen sehen, ob Sie Glück haben und die Wiese zugänglich ist. Dort, auf der Wiese rechts, befindet sich die nachhaltigste Kirche des Südwestens (oder gar ganz Berlins?): die Weidenkirche. Zwölf Meter im Durchmesser, acht Meter wölben sich die Weiden in die Höhe. Der Altar besteht aus Wurzeln, das Kreuz ist zugleich ein Insektenhotel.

Jetzt geht es an die Überquerung des Teltowkanals: Zurück zum Kanalufer, wieder Richtung Schleuse – bleiben Sie auf der Straße (den Kanalauenweg lassen Sie links liegen). Es geht bergauf, auf die stillgelegte Autobahnbrücke. Bis 1969 befand sich hier der Grenzkontrollpunkt Dreilinden (auf der Westseite) beziehungsweise Drewitz (auf dem Gebiet der DDR). Das Abfertigungsgebäude und die Fahnenmaste zeugen von der deutschen Teilung. Auf der Brücke sind die Markierungen – PKW linke Spur, LKW rechte – noch deutlich auf dem Asphalt zu erkennen. Der Blick auf den Teltowkanal ist großartig, die Natur erobert sich die Brücke immer mehr zurück, Bäume wachsen auf dem Beton. Interessant: Wer von hier nach Norden blickt, schaut vom Berliner Stadtgebiet nach Brandenburg (und dahinter kommt wieder Berlin).

Auf der anderen Seite der Brücke wenden Sie sich nach rechts – und folgen wiederum dem Kanal. Sie können direkt am Ufer entlang wandern, oder Sie nehmen den bequemeren Waldweg Dreilinden durch das Herbstlaub. Ein Highlight gibt es noch: Noch vor der betriebsamen Brücke der A115 kommen Sie am Grundstück des „Hotel und City Camping Süd“ vorbei. Wo jetzt Wohnmobile stehen, befand sich bis zum Mauerfall eine Grenzübergangsstelle (GÜSt) für Boote. Das Gelände durften nur die Grenztruppen betreten, das Dienstgebäude wurde zum Hotel. Im Grenzturm haben die Hotel-Betreiber eine bebilderte Aussichtsplattform und ein Offiziersbüro eingerichtet – beides dürfen Sie aber nur besichtigen, wenn Sie auch eine Nacht bleiben.

Nicht mehr weit und Sie sind wieder an der Schleuse. Vielleicht ist jetzt ein Nickerchen auf dem Sofa oder eine Portion Streamingdienste eine gute Idee – bewegt haben Sie sich heute jedenfalls genug. – Text: Boris Buchholz
+++
12 Bezirke, 12 Tagesspiegel-Newsletter, schon über 230.000 Abos: Lesen Sie mehr im Newsletter für Steglitz-Zehlendorf. Den Newsletter für Berlins Südwesten gibt es kostenlos hier: leute.tagesspiegel.de
+++
Hier einige der aktuellen Themen

  • Tausende Gläser Marmelade für eine bessere Welt
  • 1.430 Menschen sind im Bezirk infiziert: Aktuelle Corona-News
  • Mehr Tempo 30 auf Ostpreußendamm und Osdorfer Straße: 1775 Unterschriften für einen sicheren Schulweg
  • Umgestaltung des Hermann-Ehlers-Platzes: Erster Entwurf zum Jahreswechsel angekündigt
  • 20.000 Fragebögen: Bezirksweite Seniorenbefragung kann jetzt starten
  • Radschnellweg am Ufer des Teltowkanals: Noch stehe nichts fest, sagt der Senat
  •  Bienen vor den Gittern: In der Justizvollzugsanstalt Düppel wird Honig produziert
  • Weidenkirche, alte Autobahnbrücke, Wasser-GÜSt: Spaziergang nach Albrechts Teerofen
  • Tanz auf dem Asphalt: Am Freitag wird die Ahornstraße zur Spielstraße
  • 30.000 gedruckte Werke: Bücherbasar der Arbeiterwohlfahrt
  • Live-Musik trotz Corona: Orgelvesper zum Ewigkeitssonntag
  • Wie geht Sport mit Abstand? Online-Fortbildungen für Lehrer, Erzieher und Trainer