Nachbarschaft
Veröffentlicht am 28.02.2019 von Boris Buchholz
Christine Vondenhoff ist seit 2016 Vorsitzende der Gesamtelternvertretung der Käthe-Kruse-Grundschule in Lichterfelde. Seit November 2018 ist auch an dieser Grundschule ein vom Einsturz bedrohter Ersatzbau, im Verwaltungsjargon sind es „Mobile Unterrichtsräume“ (MUR), aus den 1970er Jahren gesperrt. In dem gesperrten Gebäude war bis zu den Herbstferien die ergänzende Förderung und Betreuung – also der Hort – für rund 200 Kinder untergebracht.
Frau Vondenhoff, im Oktober hofften Sie noch, dass der Abriss der MUR im November 2018 stattfinden werde. Jetzt ist klar: Es wird frühestens April. Wie bewerten Sie das? Das ist keine gute Nachricht! Im Herbst wurde das Gebäude sehr kurzfristig geschlossen – und dann ist monatelang überhaupt nichts passiert. Wir Eltern erwarten, dass unsere Kinder so bald wie möglich wieder nachmittags in der Söhtstraße 8a betreut werden. Damit dort Ersatzcontainer aufgestellt werden können, muss der alte Bau aber erst einmal abgerissen werden.
Bildungsstadtrat Frank Mückisch (CDU) ist dem Wunsch nach mehr Information in der letzten Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung nachgekommen und hat einen Terminplan vorgestellt. Stellt Sie das zufrieden? Nein! Ich finde es unmöglich, dass betroffene Eltern und die Schulleitung von solchen Terminplänen aus den Medien erfahren müssen. Das Schulamt und der für Bildung zuständige Stadtrat waren in den letzten Wochen nicht erreichbar und haben auch jetzt erst reagiert, nachdem Eltern einer benachbarten Grundschule öffentlich Druck gemacht haben. Eine transparente, bürgerorientierte Informationspolitik sieht anders aus.
Frühestens Anfang September werden die Ersatzcontainer aufgestellt werden können … Ende 2018 hieß es noch, die Container stünden ab Ostern zur Verfügung!
Wie stellt sich die Situation an Ihrer Schule aktuell dar? Unsere Kinder werden nach Unterrichtsschluss an drei verschiedenen Standorten betreut. Die Erst- und Zweitklässler gehen mit ihren Erzieherinnen in Horträume der Kronach-Grundschule. Ältere Schülerinnen und Schüler nutzen die Räumlichkeiten des Kinder- und Jugendhauses Albrecht Dürer in der Memlingstraße. Kinder, die an AGs teilnehmen, bleiben nachmittags in der Käthe-Kruse-Grundschule und werden dort in doppelt genutzten und leider ohnehin sehr kleinen Klassenräumen betreut. Die Eltern müssen ihre Kinder oft an mehreren Standorten abholen – viele empfinden das als große zusätzliche Belastung. Und natürlich leidet auch die Schulgemeinschaft, weil die Kinder weniger Kontakt miteinander haben.
Was könnte getan werden, um die Zeit bis zur Aufstellung der Container erträglicher zu machen? Die Erzieherinnen und Erzieher unseres Schulhorts sind unglaublich engagiert und tragen sehr dazu bei, diese Zeit einigermaßen erträglich zu machen. Angesichts der großen Belastungen für alle Beteiligten sollte die Übergangsphase aber so schnell wie möglich beendet werden.
Jetzt sind ja auch Container keine Langzeitlösung: Was müsste mittelfristig geschehen, damit eine normale Betreuung in vernünftigen Räumen stattfinden kann? Natürlich kann das nur ein Provisorium sein. Auf Dauer ist die Betreuung in Containern für Kinder und Erzieher eine Zumutung, zumal ja auch die Zahl der betreuten Schülerinnen und Schüler kontinuierlich steigt. Wir Eltern fordern vom Bezirk ein neues und an die veränderten Begebenheiten angepasstes Hortgebäude, das langfristig zur Qualität der ergänzenden Förderung und Betreuung an der Käthe-Kruse-Grundschule beiträgt. Wir möchten auch in die Planungen eines solchen Neubaus eingebunden werden und bieten dem Bezirk hierfür gern unsere Unterstützung an.
Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: boris.buchholz@tagesspiegel.de