Nachbarschaft

Veröffentlicht am 05.09.2019 von Boris Buchholz

Horst Ellermann, 51, gehörte bis 1996 der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen in der BVV Steglitz an. Dann zog es ihn nach Nicaragua, um eine Schule zu bauen, nach München zur „Süddeutschen Zeitung“, nach Hamburg zu „Tomorrow“ und schließlich – nach einigen anderen Stationen – nach Potsdam. Der langjährige Chefredakteur des Manager-Magazins „CIO“ für Führungskräfte in der Computer-Branche ist heute dessen Herausgeber. Ich traf ihn im Biergarten bei „Loretta am Wannsee“.

Herr Ellermann, wie kommt es, dass Sie zwar nach 23 Jahren in die lokalpolitische Heimat zurückgekommen sind – aber Steglitz-Zehlendorf knapp verfehlt haben und jetzt in Potsdam wohnen? Ich wollte doch – aber dann hat sich meine Frau durchgesetzt. Wir sind nach Potsdam gezogen, weil sie dort eine Stelle hat. Ihr Argument war, dass ich sowieso dauernd unterwegs sei und sie dann nicht morgens eine Stunde zur Arbeit fahren müsste. Der Kompromiss ist Babelsberg.

Fiel es Ihnen leicht, Brandenburger zu werden? Konnte ich mir erst auch nur schwer vorstellen. Doch nach den letzten Wahlen, die ich hier erlebt habe, kann ich ganz gut damit leben. Es gibt ja durchaus Ecken in Brandenburg, die überhaupt nicht braun sind – Babelsberg gehört dazu.

Sind Sie schon Fan von Babelsberg 03? Nein, aber ich habe eine Freikarte bekommen. Das können sich die Steglitz-Zehlendorfer mal als Vorbild nehmen: Wenn man Potsdamer wird, schenkt einem die Stadt ein Gutscheinheft mit lauter Sachen, die man als Neubürger machen kann. Die Freikarte für den SV Babelsberg war im Heft – wir haben es nur noch nicht geschafft hinzugehen. Spielen die da eigentlich Herren- oder Frauenfußball?

Was hat sich in den 23 Jahren in Steglitz-Zehlendorf verändert? Die Schloßstraße. Es war 1996 unvorstellbar, dass diese Straße einspurig wird und jetzt ist sie es. Ich habe das Einkaufsgefühl total genossen.

Und wie erschrocken waren Sie als Sie den Kreisel erblickten? Das Gerippe? Ich habe sogar spontan Fotos gemacht. Ich meine, im Kreisel war ja das Rathaus, das war total wichtig für mich. Ich war zwei Mal in der Woche dort. Und weil ich damals in der Martinstraße hinter dem Kreisel wohnte, habe ich in der Kantine im 24. Stock auch oft gegessen. Heute sieht das Haus gespenstisch aus – aber ich glaube, das kann gut werden.

Es gibt noch etwas Neues: Steglitz ist seit 2001 Teil von Steglitz-Zehlendorf … Ist es nicht ein totales Glück, dass sich der Bezirk bei der Reform mit Zehlendorf vereinigen durfte? Und nicht etwa mit, wie heißt das auf der anderen Seite, Tempelhof! Ich liebe den Wannsee. Ich finde, da haben die Steglitzer mal echt den Joker gezogen. – Fragen: Boris Buchholz
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Dieses Interview haben wir dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für den Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf entnommen. Den kompletten Newsletter für den Südwesten Berlins (mit Kiez-Debatten, Tipps und Terminen) gibt es unkompliziert und kostenlos hier: leute.tagesspiegel.de.
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