Nachbarschaft

Veröffentlicht am 06.02.2020 von Felix Lorber

Luise von Finckh trägt verschiedene Namen. Eine Zeit lang hörte sie auf Jule Vogt, aktuell Inka Kubicki und bald wahrscheinlich auch Clara Weiss. Denn Luise von Finckh ist Schauspielerin. Mit ihren 25 Jahren hat sie schon einige Figuren gespielt, im Moment werden es immer mehr Hauptrollen. So auch in der neuen ZDF-Serie „Blutige Anfänger“, in der von Finckh die angehende Polizeianwärterin Inka Kubicki verkörpert. Breite Bekanntheit erlangte sie durch die Rolle der Jule Vogt in der Soap-Opera „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“, als die sie von 2016 bis 2018 im Fernsehen zu sehen war. Nach verschiedenen deutschen Fernsehproduktionen wird sie in diesem Frühjahr auch in der britisch-österreichischem Filmreihe „Vienna Blood“ zu sehen sein – zugleich ihre erste englischsprachige Produktion. Von Finckh ist in Dahlem geboren und aufgewachsen. Ich treffe sie zum Gespräch in einem Café in der Königin-Luise-Straße unweit von Dahlem-Dorf und ihrer alten Schule.

Luise von Finckh, nun sind Sie sogar auf den in Berlin präsenten Plakaten zu sehen, die das vierköpfige Nachwuchs-Polizeiteam aus „Blutige Anfänger“ zeigen. Können Sie sich überhaupt noch ungesehen durch die Öffentlichkeit bewegen?

Also in Dahlem funktioniert das ganz gut (lacht). Aber tatsächlich hat mich heute Morgen beim Sport jemand gefragt, ob ich nicht die von dem Poster sei. Das war schon komisch. Ich bin selbst ein wenig erschrocken, als ich mich auf einem Filmplakat in der Stadt gesehen habe, um dann zu realisieren: So fühlt sich das also an. Aber im Ernst, eigentlich ist es kein besonderes Gefühl.

Sie kommen aus Dahlem, haben hier um die Ecke das Arndt-Gymnasium besucht. Heute wohnen Sie in Neukölln, besuchen Ihre Eltern in Dahlem aber noch regelmäßig. Wie empfinden Sie die Rückkehr in den Berliner Südwesten?

Es ist ein schönes Gefühl. Als ich 18 Jahre alt war, wollte ich auf jeden Fall wegziehen. Ich wollte in die große weite Welt und heraus aus diesem behüteten Bezirk. Wenn ich heute wiederkomme, bin ich immer wieder beeindruckt, wie ruhig es ist und dass man tatsächlich die Vögel zwitschern hört. Und ich kann mir gut vorstellen, dass ich irgendwann auch wieder hierherziehen werde.

Woran erinnern Sie sich besonders aus der Zeit in Dahlem? Gibt es einen Lieblingsort?

Definitiv der Schwarze Grund. Dieser Teil des Thielparks hatte früher, als ich zur Schule ging, einen Platz, der sich die „Krone“ nannte. Eine kleine Anhöhe, die man durch das Gebüsch erreicht hat und dort standen dann zwei Bänke, von denen aus man den ganzen Schwarzen Grund überblicken konnte. Wir saßen dort sonntags stundenlang, wenn wir nicht zu Hause sein wollten, wenn wir uns vor unseren Eltern gedrückt haben, um heimlich eine Zigarette zu rauchen. Die „Krone“ gibt es heute aber nicht mehr, sie wurde geschlossen.

Sie haben bereits mit zehn Jahren in „Les Misérables“ im Theater des Westens gespielt und später immer wieder verschiedene Rollen bekommen, darunter auch in der Jugendserie „Schloss Einstein“ oder im Märchenfilm „Die zertanzten Schuhe“. Wann fiel die Entscheidung, das Schauspiel zum Beruf zu machen?

Die Entscheidung fiel relativ spät, da war ich wohl 21 und hatte gerade einen Arthouse-Film gedreht: „Wann küsst du mich endlich“. Die Kinderrolle im Theater des Westens war tatsächlich der Anfang. Schauspielern hat für mich schon immer dazugehört, als Hobby. Als Kind habe ich Dieter Bohlen in DSDS nachgespielt und die Kandidaten imitiert. Dieses Talent hat meine Mutter dann schließlich auch erkannt, als sie mich zum Casting von „Les Misérables“ mitgenommen hat (lacht).

Nach der Schule haben Sie aber erst einmal ein Studium begonnen: Kommunikations- und Kulturmanagement an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen. Wie kam es zum anschließenden Wechsel?

Aus meiner Umgebung in Dahlem kannte ich ja fast nur Akademiker. Künstler zu sein und davon leben zu können, war eine fremde Welt für mich. Ich konnte mir das lange Zeit nicht vorstellen. Ich habe dann aber im Studium gemerkt, dass mir etwas fehlt, was mir sehr wichtig ist – das Schauspiel, das ich vernachlässigen musste. Und in dem Moment habe ich entschieden: Ich probiere es jetzt und versuche, alles dafür zu tun, dass es funktioniert. Heute kann ich seit ein paar Jahren von dem Beruf leben, ich habe es nicht bereut.

Und der Erfolg hat Ihnen Recht gegeben. Welche Rollen sollen es denn zukünftig noch werden?

Ich schaue bei der Rollenauswahl, ob mich die Figur interessiert, ob es eine ist, die ich noch nicht probiert habe. Bei „Blutige Anfänger“ war es jetzt die Figur einer jungen Mutter, die versucht, Karriere und Kind gemeinsam hinzukriegen, ohne Mann – das fand ich sehr spannend. Es ist mir wichtig, dass ich auch hinterfrage, was für Frauenfiguren ich da eigentlich erzähle und welche Rollenbilder das ins Fernsehen transportiert. Ich frage mich also auch sehr direkt: Wie kann ich meinen Senf dazu beitragen, dass diese Bilder nicht klischeebehaftet sind? Ich würde in Zukunft gern mehr Frauenschicksale spielen, die schauspielerisch in die Tiefe gehen, die auch Herausforderungen für mich bedeuten.

Wenn Sie sich selbst in drei Worten beschreiben müssten, welche wären das?

(überlegt) Kreativ, willensstark, chaotisch. Wobei man „chaotisch“ gerade in Bewerbungsgesprächen eigentlich nicht verwenden soll. Aber hier darf ich das bestimmt einmal (lacht).

Und welche drei Ausdrücke passen auf Steglitz-Zehlendorf?

Akademisch, ruhig, wunderschön.

Blutige Anfänger“ läuft jeden Mittwoch um 19:25 Uhr im ZDF und in der Mediathek.

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-b.buchholz@tagesspiegel.de