Nachbarschaft

Veröffentlicht am 13.02.2020 von Boris Buchholz

In der Tierhalle der Grünen Woche traf ich sie: Lilly Heberer, 18 Jahre, versorgte ein Rind mit frischem Heu und wohl wohltuenden Striegeleinheiten – die Stiftung Domäne Dahlem zeigte von Aussterben bedrohte Tierrassen. Seit letzten September macht Lilly Heberer auf dem Berliner Landgut am U-Bahnhof Dahlem Dorf ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ). Insgesamt arbeiten gerade sieben Freiwillige und zwei Praktikanten auf der Domäne.

Frau Heberer, wen haben Sie denn da auf der Grünen Woche umsorgt? Das war das Rote Höhenvieh Loreley, eine Jungkuh.

Warum haben Sie sich für ein FÖJ nach der Schule entschieden – und warum haben Sie die Domäne Dahlem als Arbeitsort ausgesucht? Ich wollte nach der anstrengenden Abiturzeit mal etwas ganz anderes machen, etwas, bei dem ich körperlich arbeite. Da mir zudem Tiere sehr am Herzen liegen und ich total gerne an der frischen Luft bin, war die Stiftung Domäne Dahlem die perfekte Einsatzstelle für mich. Außerdem liegt der Fokus der Domäne Dahlem in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen ja auf dem Erhalt von vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen; das finde ich einfach eine tolle Sache.

Mit welcher bedrohten Tierart arbeiten Sie lieber – mit dem Roten Höhenvieh, den Exmoor-Ponys oder den Deutschen Sperbern? Die Exmoor-Ponys sind die einzige Tierrasse auf der Domäne Dahlem, um die wir FÖJlerinnen uns nicht kümmern; dafür sind andere Ehrenamtliche zuständig. Ob ich nun die Arbeit mit dem Roten Höhenvieh oder den Deutschen Sperbern besser finde, kann ich nicht sagen. Ich finde es wirklich toll, den muhenden Rindern morgens ihr frisches Heu und ihre Futterrüben zu geben. Genauso mag ich es aber auch, wenn ein Haufen Hühner mir hinterher läuft, weil sie genau wissen, dass sie gleich Körner zum Picken von mir bekommen.

Sie wollten ja praktisch arbeiten: Wie hart müssen Sie schuften? Die Arbeit auf der Domäne ist schon nicht ohne. Gerade in der Anfangszeit war es nicht leicht für mich, da wir uns ja auch noch gar nicht auskannten. Mittlerweile arbeiten wir FÖJlerinnen aber sehr selbständig. Unser Arbeitsbereich dreht sich hauptsächlich rund um die Tierversorgung, also nicht nur ums Füttern, sondern auch ums Misten, Futter schroten und mehr. Seit Neuestem arbeiten wir auch einmal im Monat am Wochenende ganz alleine, mit Bereitschaftsdienst. Davor hat es mir am Anfang etwas gegraut, aber auch das bekomme ich hin und ich liebe es, auch mal ganz allein mit den Tieren zu sein!

Noch einmal zurück zur Grünen Woche: Kritiker bemängeln, dass es für die Tiere großer Stress sei, dort vor tausenden Besuchern ausgestellt zu werden. Was sind Ihre Erfahrungen mit den Domäne-Tieren? Dazu kann ich nicht allzu viel sagen, weil ich dieses Jahr zum ersten Mal mit der Domäne Dahlem auf der Grünen Woche war und das auch nur für die ersten beiden Tage. Aber ich hatte das Gefühl, dass unsere Tiere, insbesondere Loreley, recht entspannt waren.

Ende August geht Ihr FÖJ zu Ende: Welche Tipps haben Sie für Ihre Nachfolger? Da für die neuen Freiwilligen vor ihrer und der Zusage der Domäne Dahlem immer ein Probearbeiten ansteht, erhält man eigentlich schon einen recht guten Einblick. Dennoch würde ich empfehlen, lieber zwei statt einen Probearbeitstag zu machen, denn jeder Arbeitstag ist anders. Auf jeden Fall sollte man sich sicher sein, dass man das FÖJ dort machen möchte, denn man verbringt ja ein Jahr seiner Zeit damit – und dann sollte es natürlich etwas sein, was einem Spaß macht. – Text: Boris Buchholz

+++
Dieser Text stammt aus dem aktuellen Tagesspiegel-Newsletter für den Berliner Südwesten. In unseren Bezirks-Newslettern berichten wir kompakt, konkret und einmal in der Woche, was los ist in Ihrem Bezirk. 180.000 Haushalte haben die Newsletter schon fest abonniert. Sie haben auch Interesse?  Den Tagesspiegel-Newsletter für Steglitz-Zehlendorf gibt es kostenlos, kompakt und in voller Länge unter leute.tagesspiegel.de

+++
Meine weiteren Themen aus Steglitz-Zehlendorf – hier eine Auswahl

  • Und täglich grüßt das Murmeltier: DHL-Paket-Desaster in Lichterfelde
  • Lilly Heberer mag es, wenn sie von hungrigen Hühnern verfolgt wird: Sie macht ein Freiwilliges ökologisches Jahr in der Domäne Dahlem
  • Bewegung im Drama um die „Geister-Villa“: Interessierte Projektträger besichtigten die Schmarjestraße 10
  • Verdrängung auf dem Wohnungsmarkt: Milieuschutzgebiete rund um die Schloßstraße könnten Mieter besser schützen
  • Klinikum Benjamin Franklin: Neue Notdienstpraxis soll Notaufnahme entlasten
  • Grundschulkinder lernen die Arbeitswelt kennen – und buken in einer Lankwitzer Backstube Sechsen
  • Herzlichen Glückwunsch: Der Tierheim-Treff Südwest feiert Geburtstag
  • „Der Adler ist gelandet“: Höhenretter der Feuerwehr sicherten Skulptur auf dem EMA-Kirchturm
  • Feuern Sie „Ihren“ musikalischen Nachwuchs an: Der Wettbewerb „Jugend musiziert“ startet
  • Oper mal anders: Bernsteins „West Side Story“ kommt in die Bibliothek
  • Berliner Hockeyclub: Herren werden Deutscher Vizemeister!
  • …das alles und noch viel mehr Bezirksnachrichten, Termine und persönliche Tipps immer im Tagesspiegel-Newsletter für Steglitz-Zehlendorf. Den gibt es in voller Länge unter leute.tagesspiegel.de