Nachbarschaft

Veröffentlicht am 20.02.2020 von Boris Buchholz

Letzte Woche schaffte es der Adler auf der Spitze des Kirchturms der Ernst-Moritz-Arndt-Gemeinde am U-Bahnhof Onkel Toms Hütte in den Polizei- und Feuerwehrbericht im Steglitz-Zehlendorf-Newsletter: Die Höhenrettung der Berliner Feuerwehr rückte aus Marzahn an und sicherte den Adler, der vom Turm zu stürzen drohte. Was war da los? Ich fragte Pfarrerin Ute Hagmayer.

Frau Hagmayer, mir ist noch nie aufgefallen, dass auf dem Kirchturm der EMA ein goldener Adler nistet. Wie kommt der Greifvögel auf den Kirchturm? Der Adler ist gleich mit dem Bau des Kirchturms 1935 auf die Spitze des Kirchturms als Wetterfahne gesetzt worden. Die Symbolik des Adlers ist doppeldeutig: Zum einen erinnert er an den Propheten Jesaja (Jes. 40,31), wo es heißt: „Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“ Zum anderen erinnert der Adler an die Treue zu Preußen. Wetterhähne kenne ich eher auf katholischen Kirchen. Der Hahn erinnert an den Apostel Petrus.

Dieser Adler scheint leider doch müde geworden zu sein, am Mittwoch drohte der Adler abzustürzen. Was war die Ursache dafür, dass sich die Skulptur gelöst hat? Sturmtief Sabine hat dem Adler den Flügel gebrochen. Schon einmal zu Weihnachten 2003 drohte der Adler wegzufliegen. Damals wurde er auch in einer spektakulären Aktion vom Turm geholt. Dieses Mal hat man nur den einen Flügel abgenommen, der herabzustürzen drohte. Den Rest des Adlers hat man auf der Turmspitze belassen.

Wie groß und schwer ist der Vogel denn – und welcher Künstler hat ihn geschaffen? Wer den Adler gestaltet hat, weiß ich nicht, das kann ich aus den Unterlagen auch nicht mehr entnehmen. Er ist sehr schwer, über ein Meter hoch und vergoldet. Er steht wie der gesamte Kirchenbau unter Denkmalschutz.

Wie ist überhaupt gemerkt worden, dass der Vogel sich nur noch mit letzter Kralle am Turm hält? Aufmerksame Passanten haben uns am Dienstag, 11. Februar, auf den instabilen Flügel hingewiesen. Daraufhin haben wir die Feuerwehr benachrichtigt und sie um eine Einschätzung der Gefahr gebeten. Sie haben sofortigen Handlungsbedarf gesehen und zur Verstärkung die „Rettung aus Höhen und Tiefen“ aus Marzahn angefordert, die den Flügel in einer äußerst mutigen Seilkletteraktion aus über vierzig Metern Höhe herunterholten. Dazu wurden Teile der Onkel-Tom-Straße zwischen Argentinischer Allee und Wilskistraße gesperrt. Viele Schulkinder der benachbarten Schulen und auch Schaulustige haben der Aktion zugesehen.

Die Feuerwehr schrieb später, „der Adler ist gelandet“. Wie geht es jetzt weiter? Das Tier ist ja verletzt … Die Feuerwehr hat den einen Flügel abgenommen und der Gemeinde übergeben. Wahrscheinlich muss zur Reparatur der andere Teil des Adlers auch noch von der Turmspitze geholt werden, um ihn wieder instand zu setzen. Und dann muss er durch eine Spezialfirma wieder restauriert werden. – Text: Boris Buchholz

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