Nachbarschaft
Veröffentlicht am 19.11.2020 von Boris Buchholz
Die Galerie Bastian gehört seit 2007 zu Berlin: Bis 2019 war sie im Haus am Kupfergraben angesiedelt, dann zog die Kunsthandlung nach London, genauer nach Mayfair – und in Dahlem wurde ein privater Kunstsalon errichtet. Jetzt plant Galerist Aeneas Bastian, 45, Neues: In der Dahlemer Taylorstraße ist mit dem Bau eines Ausstellungshauses begonnen worden – im Herbst 2021 soll es fertig sein (und so soll es aussehen).
Herr Bastian, was wollen Sie in dem neuen Haus für Kunst zeigen? Die Kunst der Moderne und die Kunst der Gegenwart. Auch einige junge, noch wenig bekannte Künstlerinnen und Künstler möchte ich vorstellen.
Sind denn alle Steglitz-Zehlendorfer willkommen oder nur zahlungskräftiges Publikum, die sich nach einem neuen Andy Warhol für das Wohnzimmer umsehen? Alle sind willkommen, der Eintritt wird frei sein. Niemand muss irgendein Wissen mitbringen oder gar selbst Kunst sammeln, um das Haus zu besuchen. Der Hauseingang wird übrigens barrierefrei sein, das halte ich für sehr wichtig.
Wenn ich Ihre Website richtig gelesen habe, soll in der Taylorstraße nicht nur Kunst präsentiert, sondern es sollen auch Diskussionen geführt und Vorträge gehalten werden. Bitte nennen Sie einige kommende Highlights, wie wird das Programm aussehen? Es wird ein Programm kultureller Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen und Vorträge geben. Viel mehr kann ich noch nicht verraten, zweierlei aber schon: Alle Veranstaltungen werden kostenlos sein, eine Anmeldung wird genügen. Und: Anselm Kiefer und Wim Wenders werden sicher bei uns zu Gast sein.
Einen privat finanzierten Kunst-Neubau hat es in Steglitz-Zehlendorf seit Jahrzehnten nicht gegeben. Wie kam es dazu? Das ist richtig. Den Wunsch, einen außergewöhnlichen Ort zu erschaffen, der dezentral liegt, hatte ich schon lange. Die Bezirksbürgermeisterin, Cerstin Richter-Kotowski, hat enthusiastisch auf die Idee eines neuen Ausstellungshauses in Dahlem reagiert, was mich sehr gefreut hat. Dieser freundliche Empfang war sicher eine Bestärkung, das Projekt zu verwirklichen.
In Mayfair gibt es die Bond Street, Victoria’s Secret und Sotheby’s – was gibt es Vergleichbares in Dahlem? Oder wollen Sie hauptsächlich Ihren Schreibtisch näher zu Ihren Eltern – die Galeriegründer Céline und Heiner Bastian leben in Dahlem – rücken? Die globalen Marken, denen wir in Mayfair begegnen, stehen für die Bedeutung von London als Marktmetropole. Diese Marken fehlen hier. Es gibt in Dahlem nichts wirtschaftlich Vergleichbares, dafür aber etwas Kulturelles, das mir besonders am Herzen liegt: hervorragende Kunstmuseen wie das Kunsthaus Dahlem und das Brücke-Museum. Wo mein Schreibtisch steht, darauf kommt es in unserer digitalisierten Welt nicht an … Sicher gibt es aber eine persönliche Verbindung zum Ort. Ich bin am Mexikoplatz aufgewachsen, später sind meine Eltern nach Dahlem umgezogen, wo sie bis heute geblieben sind. Auch ich lebe mit meiner Frau und unseren drei Töchtern, die Zehlendorfer Schulen besuchen, in Dahlem. Das liegt sicher nicht nur an den Museen, sondern nicht zuletzt an den vielen wunderbaren Parks und öffentlichen Gärten.
Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf hat kaum Geld, die öffentlichen Gebäude in Schuss zu halten. Muss die Kunst in Berlin zunehmend aus privaten Schatullen gefördert werden? Ja, es kommt auf private Initiativen an, die die öffentlichen Programme gut ergänzen können.
Na dann, Bilder an die Wand: Kulturorte gibt es einige im Südwesten, in welches Museum oder welchen Ausstellungsort pilgern Sie im Bezirk am liebsten? In die Liebermann-Villa, Max Liebermanns Haus am Wannsee, einer meiner Lieblingsorte im Bezirk. Dort begegnen wir nicht nur dem Werk des Künstlers, sondern gewissermassen seiner ganzen Lebenswelt.
In der Pandemie betonen viele Politikerinnen und Politiker, dass Kunst ein notwendiges Lebensmittel ist – und dennoch nagen viele Künstlerinnen und Künstler durch Corona am Pinselende, wenn nicht am Hungertuch. Ist die Kunst von Corona in ihrer Existenz bedroht? Ja, die Kunst ist bedroht, denn Künstlerinnen und Künstler sind auf Ausstellungsmöglichkeiten angewiesen, von denen viele weggefallen sind. Sie leben vom Verkauf ihrer Werke durch Galerien, der sich nicht vollständig ins Internet und in Online Viewing Rooms verlagern lässt. Foto: Christoph Petras, Text: Boris Buchholz
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