Nachbarschaft

Veröffentlicht am 21.01.2021 von Boris Buchholz

Wenn das Haushaltsgeld knapp ist, Sie aber einen neuen Stuhl oder eine Hose, eine Lampe oder ein Küchenutensil benötigen, sind Sie beim Verein Rumpelbasar Zehlendorf (sie finden ihn allerdings in Lichterfelde, Am Stichkanal 2–4) an der richtigen Adresse. Das Sozialkaufhaus wurde vor 51 Jahren von engagierten Mitgliedern der evangelischen Kirchengemeinde Zehlendorf-Schönow gegründet – es ist heute so notwendig wie damals. Auf 500 Quadratmetern stehen lauter Dinge zum Verkauf, die gespendet wurden: Von Kleidung über Möbel und Spielzeug bis zu Elektronikgeräten und Schmuck reicht das Angebot. Jetzt macht die Pandemie dem gemeinnützigen Verein das Leben schwer, der Rumpelbasar ist geschlossen. Marion Herzog (75, im Bild in der Mitte), Sylvia Wiesner (76, im Bild rechts) und Barbara Posern (77, links im Bild) bilden den Vorstand des Trägervereins (und Sie merken gleich: Die Drei sprechen mit einer Stimme). Zusammen mit dutzenden Ehrenamtlichen und zweieinhalb festen Mitarbeitern halten sie das Sozialprojekt am Leben – bisher.

Meine Damen, stimmt es, dass Ihre finanziellen Rücklagen noch bis Ende Februar reichen – und dann der Rumpelbasar pleite ist? Ja, das stimmt. Denn als gemeinnütziger Verein dürfen wir keine Rücklagen bilden. Und von unseren bisherigen Einnahmen können wir die Ausgaben für den Februar nur noch knapp bestreiten. Wir verkaufen einfach nichts mehr, wir haben seit dem 16. Dezember geschlossen: Also fehlen uns die Erlöse. Zu den größten Kosten zählen die Mietausgaben, die Steuern und die Löhne für unsere drei Mitarbeiter.

Nur damit ich einen Vergleich habe: Was haben Sie denn im Jahr 2019 eingenommen? Und was haben Sie mit dem erwirtschafteten Überschuss gemacht? Um die 250.000 Euro waren das. Von den eingenommenen Geldern im Jahre 2019 haben wir 76.000 Euro an soziale Projekte zum Beispiel die Camphill Behindertenbetreuung, die Biesalski-Schule oder dem Jugendhilfe-Verein Pro Max gespendet.

Wie könnte dem Rumpelbasar aktuell geholfen werden? Helfen könnte uns ein Zuschuss zu der sehr hohen Miete. Der Eigentümer wurde von uns seinerzeit um eine Mietminderung oder eine Stundung gebeten, hat dieses aber leider abgelehnt.

Haben Sie denn schon mit dem Bezirksamt und dem Senat Kontakt aufgenommen und um Hilfe gebeten? Nein, bisher noch nicht, eine Kontaktaufnahme haben wir uns als nächstes vorgenommen.

Armut ist auch in Steglitz-Zehlendorf schon lange ein Thema, zusätzlich geraten jetzt Menschen durch Corona in Existenznot: Wie wichtig ist der Rumpelbasar für den Bezirk? Ja, sehr wichtig! Menschen mit geringem Einkommen sind von jeher darauf angewiesen, bei uns einzukaufen, in Corona-Zeiten hat sich das noch verstärkt. Unsere älteren Kunden haben sich besonders zur Weihnachtszeit über neues beziehungsweise gut erhaltenes Spielzeug gefreut, manch einer hat ja mehrere Enkelkinder. Zum Beispiel wurde ein wunderschönes Puppenhaus an einer Enkelin vorbeigeschmuggelt, das dann unterm Weihnachtsbaum stand! Auch bei der Kleidung kann man Schnäppchen machen und eine Kundin stellt sich immer ganz begeistert bei uns vor – neu eingekleidet mit den erworbenen Kleidungsstücken. Eine 93 Jahre alte Dame beliefern wir in Wannsee, ihre Wünsche teilt sie uns schriftlich mit – sie kann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zu uns kommen, schreibt uns dann aber rührende Dankesbriefe.

Wie sieht es aktuell mit Sachspenden aus: Kann ich auch in der Pandemie noch gut erhaltene Dinge zu Ihnen bringen? Natürlich, wir werden ab dem 1. Februar wieder Spenden zu den üblichen Zeiten annehmen. Für die Kunden muss der Rumpelbasar aber noch weiterhin geschlossen bleiben. Das werden wir über den Anrufbeantworter und über unsere Homepage bekanntgeben.

Foto: Rumpelbasar Zehlendorf

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: boris.buchholz@tagesspiegel.de