Intro

von Sigrid Kneist

Veröffentlicht am 15.05.2018

wenn es eng wird, wird oft mit harten Bandagen gekämpft. Das kann man auch über den Streit um die immer weniger werdenden Freiflächen in der Stadt sagen. In der vergangenen Woche habe ich über den Friedenauer Verein „Kiezmove“ berichtet, der auf einem Platz der Friedrich-Bergius-Schule ohne Tore trainiert und stattdessen auf Pylone, jene rot-weißen-Absperrhütchen, zurückgreifen muss. Das Thema beschäftigte am Dienstag auch den Sportausschuss des Bezirks. Dort muss es hoch hergegangen sein. Das Bezirksamt lehnt mobile Tore an dem Standort ab, da der Platz kein echter Sportplatz sei und ohnehin in drei Jahren dem Bau einer neuen Sporthalle weichen soll.

Die Notwendigkeit für eine Sporthalle bezweifelt Sebastian Howe, der Vereinsvorsitzende von „Kiezmove“, stark. Denn dann „würde der bei Kindern und allen Freizeitkickern beliebte Bolzplatz verschwinden“, sagt Howe und kündigt bei Facebook an, eine Anwohnerinitiative dagegen zu gründen. In der Facebook-Gruppe „Friedenau-Online“ entspann sich um das Thema eine erregte Diskussion.

Der SPD-Verordnete Oliver Fey schreibt: „Angesichts der Tatsache, dass nebenan 900 Wohnungen entstehen, in denen ca. 2.500 Menschen leben werden, ist es nahezu hanebüchen zu behaupten, eine Sporthalle werde nicht gebraucht! Tempelhof-Schöneberg braucht dringend mehr Sportanlagen und zwar Hallen und Plätze. Dies aus purem Eigeninteresse zu leugnen, ist mehr als fahrlässig!“ Man habe dem Verein Kiezmove zudem in Aussicht gestellt, den Sportplatz an der Sternberg-Grundschule am Rudolph-Wilde-Park nutzen zu können.

Aus einer am Montag veröffentlichten Antwort des Senats auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Abgeordneten Nicole Ludwig (hier als PDF) geht übrigens hervor, dass Tempelhof-Schöneberg nach Mitte der Bezirk ist, in dem die meisten Sporthallen fehlen.

Sigrid Kneist arbeitet seit 1990 als Redakteurin in der Berlin-Redaktion des Tagesspiegels. Vor 20 Jahren hätte sie sich nicht vorstellen können, dass sie ein Jahr später aus dem Kreuzberger Graefekiez nach Mariendorf ziehen und dort bis heute bleiben würde. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihr bitte eine E-Mail an leute-s.kneist@tagesspiegel.de

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