Intro

von Judith Langowski

Veröffentlicht am 04.09.2018

Potse und Drugstore haben immer noch keine sichere Zukunft. In vier Monaten endet der Mietvertrag der Schöneberger Jugendclubs, nun endgültig, nachdem sie drei Jahre lang vertröstet wurden. „Wir konnten die letzten drei Jahre lang nicht richtig unsere Arbeit machen“, sagt mir eine junge Frau. Im Laufe des Jahres hatte schon das Co-Living-Unternehmen rent24 die Etage über dem Jugendclub bezogen. Punkkonzerte stören da noch mehr. Wie soll es weitergehen mit dem selbstverwalteten Kulturzentrum, das seit 46 Jahren fester Bestandteil der Potsdamer Straße ist?

Die Vertreterin des Kollektivs Drugstore wartete am vergangenen Mittwoch bei der Bezirksverordnetenversammlung auf die Beantwortung einer Großen Anfrage der Linken zur Situation der beiden Jugendclubs. Das Problem ist bekannt: Der Bezirk möchte die Arbeit der Jugendclubs durch Finanzierung der Mietkosten weiter unterstützen. Aber hohe Gewerbemieten und mangelnde eigene Räumlichkeiten erschweren die Suche nach geeigneten Räumen, besonders innerhalb des S-Bahn-Rings.

Leider zogen sich die Diskussionen um verschobene Anträge aus vergangenen Sitzungen so lange, dass die Große Anfrage schließlich vertagt werden musste. Am 12. September ist der Ersatztermin. Mehr dazu weiter unten.

Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne) konnte mir aber zumindest versichern, dass der Bezirk zwei Gebäude im Blick hat, dort liefen gerade die Verhandlungen. Beide seien in der Potsdamer Straße und beide sind in öffentlicher Hand: Eins gehört der BIM, einer Tochtergesellschaft des Landes Berlin, und eins der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag. Sollten die Verhandlungen klappen, müssten sich die Clubs auf beide Gebäude aufteilen. Die berühmten Punkkonzerte, die „nicht zu Spießerzeiten“ stattfänden, wie Oltmann sagt, könnten in dem reinen Gewerbegebäude abgehalten werden, das der BIM gehört. Leisere Angebote der Clubs, unter anderem die Werkstatt und die Tauschbörse, dagegen in einem Bestandsgebäude der Gewobag, das auch Wohnungen beherbergt. Aktuell prüft der Bezirk das Mietangebot des Wohnungsbauunternehmens.

Doch „noch ist nichts in Sack und Tüten“, sagt Oltmann. Vor einem Jahr, als bekannt wurde, dass der Mietvertrag nicht verlängert wird, stand erst ein Gebäude in der Bülowstraße 90 in Aussicht. Auch das gehört der Gewobag, die damals versicherte, dass sie den „ausdrücklichen Willen“ habe, die Arbeit der Jugendclubs mit einem Alternativstandort zu unterstützen. Es schien schon fast gesichert. Doch nun sollen in dem Gebäude auch Wohnung entstehen. Die Stiftung Berliner Leben erarbeitet gemeinsam mit der Gewobag ein „Nutzungskonzept“, ohne Platz für Punkkonzerte.

Solange die Verhandlungen um die neuen Räumlichkeiten andauern, können auch die Kollektive nicht planen, wann und wohin sie umziehen werden. Es gibt viel einzupacken: Drugstore ist Berlins ältestes selbstverwaltetes Jugendzentrum und seit 1972 aktiv im Kiez. Die ganze Kult-Geschichte der Schöneberger Hausbesetzerszene ist mit diesen Räumen verbunden. Nun beginnen sie, schon mal diese Geschichte aufzuarbeiten und alte Plakate und Dokumente zu sortieren.

Wer die Kollektive unterstützen möchte – und guten Punk hören -, sollte sich schonmal das Wochenende vom 13. bis 15. September vormerken. Dann findet nämlich das jährliche Potse Drugstore Festival statt. Mehr Infos hier

Judith Langowski ist Redakteurin der Leute-Newsletter. Tipps, Nachrichten und Geschichten aus allen Berliner Bezirken bitte an leute-j.langowski@tagesspiegel.de.

Anzeige