Intro

von Sigrid Kneist

Veröffentlicht am 11.12.2018

das Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus hat viele Facetten. Im Straßenbild erinnern etwa seit Jahren Stolpersteine an von den Nazis verfolgte und ermordete Menschen. Die Gedenkplaketten sind auf den Bürgersteigen vor ihren früheren Wohnhäusern eingelassen. Die Grünen im Bezirk wollen jetzt auch dafür sorgen, dass die Täter stärker benannt werden, dass sie aus der Anonymität geholt werden und dass auch dieses im Stadtbild erkennbar wird. Sie schlagen vor, an der Dennewitzstraße 25 an „die schändlichen Unternehmen der H. Kori GmbH zu erinnern, die von hier die Ausstattung der Konzentrationslager und Euthanasie-Zentren mit den für den Massenmord benötigten Verbrennungsöfen betrieb“. Zudem sei die Verstrickung der Firma, die bis 1976 in der Dennewitzstraße ansässig war und 2012 aufgelöst wurde, noch wenig erforscht. Auch da müsse man etwas unternehmen. Nach 1945 sei das Unternehmen unbehelligt geblieben, sagt der Grünen-Bezirksverordnete Bertram von Boxberg. Es habe dann vor allem mit Spendengeldern finanzierte Öfen für Kirchengebäude geliefert.

Einen entsprechenden Antrag haben die Grünen für die Bezirksverordnetenversammlung am Mittwoch eingebracht. Ein wichtiger Antrag. Aber bitte, liebe Bezirksverordneten, ändern Sie im Antragstext die Gedenktafel um in Erinnerungstafel. Der Opfer wird gedacht, nicht der Täter. An die und ihre Taten wird erinnert.

Sigrid Kneist arbeitet seit 1990 als Redakteurin in der Berlin-Redaktion des Tagesspiegels. Vor 20 Jahren hätte sie sich nicht vorstellen können, dass sie ein Jahr später aus dem Kreuzberger Graefekiez nach Mariendorf ziehen und dort bis heute bleiben würde. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihr bitte eine E-Mail an leute-s.kneist@tagesspiegel.de