Intro

von Sigrid Kneist

Veröffentlicht am 19.05.2020

heute vor genau drei Monaten tagten die Bezirksverordneten das letzte Mal im Rathaus Schöneberg. Zu diesem Zeitpunkt ahnte niemand, wie sich nur wenig später unser Leben und unser Alltag komplett ändern sollten. Niemand hätte sich ausmalen können, wie es läuft, das öffentliche Leben weitgehend herunterzufahren. Dass das überhaupt funktioniert, dass wir das mitmachen. Schulen, Kitas, Ämter, Kneipen, Theater, Kinos, Geschäfte – einfach alles dicht. Und eben auch Zwangspause in der Bezirkspolitik.

Normalität ist noch weit entfernt. Jetzt haben zwar Geschäfte und Gaststätten wieder geöffnet, Schulen und manch andere Einrichtungen ebenso – unter neuen Bedingungen, mit Schutzmaßnahmen. In der kommenden Woche tagen auch die Bezirksverordneten wieder in großer Runde. Die Sitzungen im März und April fielen aus. Vieles wird anders sein. Vor allem der Ort. Getagt wird am Mittwoch, dem 27. Mai, in der Sporthalle Schöneberg am Sachsendamm.

Dort sei genügend Platz für die 55 Bezirksverordneten, die Bezirksamtsmitglieder, die Mitarbeiter aus den Ämtern und auch die Zuschauer, sagte mir Bezirksverordnetenvorsteher Stefan Böltes (SPD). Im BVV-Saal im Rathaus Schöneberg hätten die notwendigen Abstandsregeln für so viele Menschen nicht eingehalten werden können. Vorschläge, wie die Tribüne in der Trabrennbahn oder die Abflughalle im alten Flughafen Tempelhof – ein Ort mit zugegebenermaßen viel Charme -, kamen aus finanziellen Gründen nicht in Frage. Auch das Angebot aus Spandau, wie die dortigen BVV im historischen Ambiente der Zitadelle tagen zu könne, wurde dankend abgelehnt.

Wie funktioniert das in der Sporthalle? Dazu erst einmal ein kleiner Funfact: Wer keine Hallenturnschuhe hat, bekommt Überzieher. So wie im Museum. Denn der Hallenboden soll nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. „Das ist die kostengünstigste Lösung“, sagt Böltes. Ansonsten muss noch das Mobiliar – Tische und Stühle – in die Halle geschafft werden. Auch im Juni wird man dort tagen. Dann ist erst einmal Sommerpause. Im Herbst steht nach Böltes‘ Angaben eventuell der große Willy-Brandt-Saal im Rathaus Schöneberg zur Verfügung. Dort tagte das Abgeordnetenhaus von 1949 bis zur Fertigstellung des Preußischen Landtags im Jahr 1993. Zurzeit wird dort immer noch saniert.

Xhain macht’s vor: Schon am 29. April hielten die Verordneten aus Friedrichshain-Kreuzberg ihre Sitzung in einer Turnhalle ab. Wie das lief, lesen Sie hier.

Hier gibt es weitere Angebote des Tagesspiegels, über die sie sich über die Corona-Pandemie und ihre Folgen in Berlin und weltweit informieren können: 

+++ Verfolgen Sie die Ereignisse zum Coronavirus in Berlin in einem eigenen Liveblog

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Sigrid Kneist arbeitet seit 1990 als Redakteurin in der Berlin-Redaktion des Tagesspiegels. Mitte der neunziger Jahre hätte sie sich nicht vorstellen können, dass sie wenig später aus dem Kreuzberger Graefekiez nach Mariendorf ziehen und dort bis heute bleiben würde. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihr bitte eine E-Mail an leute-s.kneist@tagesspiegel.de