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von Sigrid Kneist

Veröffentlicht am 09.02.2021

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) hat am Montag eine Studie veröffentlicht, die auch Aufschluss über den Zusammenhang zwischen sozialer Lage und der Häufigkeit von Covid-19-Erkrankungen gibt. Kurz zusammengefasst: Knappes Einkommen, dichtere Bebauung, hohe Einwandererquote – das sind wesentliche Faktoren dafür, dass ein Viertel in der Stadt zum Corona-Hotspot wird. Die Pandemie hat in Berlin unterschiedlich starke Wucht entfaltet, die Fallzahlen schwanken je nach Bezirk bis ums Dreifache. Ausgewertet wurden Daten bis Ende Oktober 2020. Die meisten Covid-19-Erkrankungen hatte Neukölln: Hier waren bis zu diesem Zeitpunkt 1361 Infektionsfälle pro 100.000 Einwohner registriert worden, in Mitte waren es 1243 und 1059 in Friedrichshain-Kreuzberg. Direkt dahinter folgt mit 878 Fällen Tempelhof-Schöneberg.

Armut macht krank. Kalayci sagte meinen Kollegen Hannes Heine und Julius Betschka, die Studie zeige, dass das Infektionsrisiko in Berlin besonders durch die Dichte der Stadt enorm hoch sei. „Es zeigt zweitens, dass wir die soziale Frage und die Frage nach der öffentlichen Gesundheit ganz neu zusammendenken müssen“, sagte die SPD-Politikerin. Warum eigentlich neu zusammendenken? Dass Armut krank machen kann, zeigen schon seit Jahren die Daten des Gesundheits- und Sozialmonitorings in Berlin.

Nicht untersucht hat die Studie übrigens, wie sich in den Berliner Bezirken die Corona-Sterbefälle verteilen, warum beispielsweise Tempelhof-Schöneberg die weitaus meisten Corona-Toten bezogen auf die Zahl der Infektionsfälle im Bezirk hat. Darüber habe ich im vergangenen Monat berichtet. Eine Erklärung gibt es dafür bislang nicht.

Bezirk nicht auf dem aktuellen Stand? Für die Umsetzung vieler Maßnahmen des Berliner Infektionsschutzgesetzes ist der Bezirk zuständig – beispielsweise für die Anordnung von Quarantäne oder von Hygienemaßnahmen. All dieses regelt das Bezirksamt mit einer sogenannten Allgemeinverfügung, die hier auf der Homepage von Tempelhof-Schöneberg zu finden ist. Erlassen wurde sie am 23. Oktober, sie galt bis zum 31. Januar. Und was bedeutet das nun? Gibt es keine gültige Verfügung? Sind dann bestimmte Anordnungen nicht mehr rechtskräftig? Oder gibt es bereits eine gültige Verordnung, und sie wurde nur noch nicht veröffentlicht? Antworten auf diese Fragen habe ich leider von Gesundheitsstadtrat Oliver Schworck (SPD) nicht bekommen.

Mehr Informationen zur Pandemie im Online-Angebot des Tagesspiegel:

  • Senat beschließt Schnelltests für Schulen und Kitas – Wie geht es weiter in Berlin? Lesen Sie mehr im Berlin-Newsblog des Tagesspiegels.
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Sigrid Kneist arbeitet seit 1990 als Redakteurin in der Berlin-Redaktion des Tagesspiegels und lebt seit mehr als 20 Jahren in Mariendorf. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihr bitte eine E-Mail an leute-s.kneist@tagesspiegel.de