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von Nora Tschepe-Wiesinger

Veröffentlicht am 15.10.2024

es ist nicht mehr lang hin. In knapp einem Jahr, am 28. September 2025, soll die nächste Bundestagswahl stattfinden. In Tempelhof-Schöneberg müssen sich ungefähr 236.000 Menschen für einen Direktkandidaten oder eine Direktkandidatin entscheiden. Bei SPD und Grünen werden die Karten im Bezirk diesbezüglich derzeit neu gemischt und es tut sich viel.

Nach dem Rücktritt des SPD-Bundestagsabgeordneten für Tempelhof-Schöneberg und SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert ist bei der SPD ein Listenplatz frei, der als sicher besetzt galt – und nicht nur irgendeiner: Kühnert wäre aller Voraussicht nach auf Listenplatz eins angetreten. Im Bezirk wird nun die ehemalige Berliner Juso-Chefin und Landesvorsitzende Sinem Taşan-Funke als wahrscheinlichste Nachfolgerin Kühnerts gehandelt. Taşan-Funke gehört wie Kühnert zum linken Flügel der Partei.

Die Grünen-Abgeordnete für Tempelhof-Schöneberg, Renate Künast, hatte bereits im Juli mitgeteilt, sich bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr nicht mehr um ein Mandat zu bemühen. „Es ist Zeit, um Platz für Jüngere zu machen“, formulierte sie in einem Brief an die Grünen-Landesvorsitzenden und ihren Kreisverband im Bezirk. Künast saß seit 2002 für die Grünen im Bundestag. Einer dieser Jüngeren könnte Moritz Heuberger sein, der am Samstag als Grünen-Direktkandidat für Tempelhof-Schöneberg von seinem Kreisverband mit 83 Prozent aller Mitgliederstimmen aufgestellt wurde. Heuberger setzte sich gegen drei weitere Kandidat:innen seiner Partei als Direktkandidat durch.

Selbstbewusst sagte Heuberger dem Tagesspiegel nach seiner Nominierung am Telefon: „Habeck will die Merkel-Lücke füllen, ich möchte die Kühnert-Lücke im Bezirk füllen.“ Heuberger ist 33 Jahre alt, promovierter Verwaltungswissenschaftler und wohnt seit fünf Jahren im Schöneberger Norden. Er stehe für einen Neuanfang, bringe aber gleichzeitig bereits Erfahrung mit. Von 2015 bis 2017 war Heuberger Bundessprecher der Grünen Jugend. Seit 2022 ist er Kreisvorsitzender der Grünen im Bezirk.

Als möglicher Bundestagsabgeordneter wolle er sich vor allem für eine Reformierung der Schuldenbremse einsetzen und dadurch Investitionen im Bezirk ermöglichen. Er will etwa das größte und zentrale bezirkliche Stadtentwicklungsprojekt voranbringen: die „Neue Mitte Tempelhof“. Im Herzen Tempelhofs soll das Areal rund ums Rathaus und am Tempelhofer Damm entlang der Götzstraße völlig neu gestaltet werden. Das Projekt ist fertig geplant, die Baumaßnahmen sind jedoch nicht in der Investitionsplanung des Landes Berlin bis 2026 enthalten. Für Heuberger ein Beispiel, „wie die Schuldenbremse uns aufhält.“ Durch Investitionen in die Zukunft könne auch der Aufstieg rechtsextremer Parteien aufgehalten werden.

Auch bei der CDU steht der Bundestagsabgeordnete für Tempelhof-Schöneberg bereits fest. Vom CDU-Kreisvorstand wurde erneut Jan-Marco Luczak als Direktkandidat nominiert, der bereits seit 2009 für den Bezirk im Bundestag sitzt.