Kiezkamera

Veröffentlicht am 04.08.2020 von Sigrid Kneist

Laterne ist nicht gleich Laterne. Das weiß ich, seit ich in der Berlin-Redaktion des Tagesspiegels arbeite – inzwischen immerhin mehr als 30 Jahre. Seitdem ist mir bewusst, dass viele Berliner an ihren Straßenlaternen – vor allen Dingen an den Gasleuchten – sehr hängen. Dass diese bis auf wenige Ausnahmen aus Klimaschutz- und Kostengründen sukzessive auf Elektrolicht umgerüstet werden, stößt vielfach nicht auf Begeisterung. Newsletter-Leserin Jutta Sauermann aus Lichtenrade war ziemlich entsetzt, als ihr im dortigen Dichterviertel an mehreren Stellen diese „nackten, kahlen, potthässlichen“ Masten mit installierter LED-Leuchte – wie im obigen Bild – auffielen.

Wo waren die Gastlaternen geblieben? Warum wurden nicht die historischen Laternen mit moderner LED-Technik ausgerüstet? Diese Fragen reichte ich weiter an die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, die berlinweit für die Straßenbeleuchtung zuständig ist. Von dort gab es eine kleine Entwarnung vorweg: Die abgebildete Leuchte ist ein Provisorium. Laternen dieses Typs werden eingesetzt, wenn die alten Lampen kaputt sind und der Straßenzug noch nicht komplett umgerüstet wird. Das Modell wurde berlinweit bereits an 3.000 Standorten im Straßenland aufgestellt.

Das ganze Vorhaben dauert. „Derzeit gibt es im Bezirk Tempelhof-Schöneberg noch 4.210 Gasleuchten“, teilte mir Derk Ehlert von der Senatsverwaltung mit. Aktuell würden die Laternen in der Crellestraße, Fuggerstraße und Winterfeldtstraße im Rahmen eines Fördervorhabens umgerüstet. Auch die Manfred-von-Richthofen-Straße werde voraussichtlich noch in diesem Jahr komplett neue Lampen erhalten.

Wo bleiben Gaslaternen erhalten? Nur in ganz wenigen Ausnahmefällen, nämlich wenn sie zu „ausgewiesenen, städtebaulich relevanten Flächendenkmalen“ gehören, wie die Senatsverwaltung auf ihrer Website schreibt. In neun Bezirken gibt es solche Areale. In Tempelhof-Schöneberg ist es der Kiez um den alten Dorfkern Lichtenrades. Viele Infos zu den Berliner Gasleuchten finden Sie hier: berlin.de – Text: Sigrid Kneist
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