Kiezkamera

Veröffentlicht am 02.02.2021 von Sigrid Kneist

Spielen und pinkeln. Direkt neben dem Spielplatz steht seit Oktober diese neue Toilettenanlage am Hans-Rosenthal-Platz gegenüber vom Deutschlandfunk. Und einige Anwohner fragen sich aufgrund der frei einsehbaren Pinkelbecken, ob das so ein gelungener Standort ist. Zwar schauen die spielenden Jungen und Mädchen nicht direkt auf das Pissoir; aber von der Eisdiele auf der anderen Seite, die im Sommer von den Spielplatzkindern gerne besucht, hat man einen guten Einblick. „Gegen Wildpinkler am Kinderspielplatz können Eltern einschreiten und sie vertreiben; gegen „Wallpinkler“ mit bezirklicher Duldung besteht diese Möglichkeit nicht“, schrieb eine Leserin. Ein anderer nannte den Standort und vor allem auch die Konstruktion des Pissoirs schlichtweg „gaga“.

Wer ist verantwortlich? Die Gelder für die öffentlichen Toiletten kommen vom Senat. Über den Standort wird gemeinsam mit dem Unternehmen Wall und dem Bezirk entschieden. Das ist in diesem Fall schon Charlottenburg-Wilmersdorf; aber da man vor allem von Schöneberg aus gute Sicht hat, ist er natürlich ein Thema für diesen Newsletter. Es handelt sich um eine sogenannte barrierefreie Unisex-Modultoilettenanlage. Außerdem Pissoir mit zwei Plätzen bietet es eine abschließbare Toilette mit Wickeltisch. „Für diese Anlagen wurde (beim Pissoir) ganz bewusst keine verschließbare Tür gewählt, um keine Orte zu schaffen, die als Räume zweckentfremdet werden können, etwa um Drogen zu konsumieren oder sich dort dauerhaft aufzuhalten“, teilte ein Sprecher der zuständigen Senatsumweltverwaltung mit. Der Bezirk, also Charlottenburg-Wilmersdorf, habe sich „gemeinsam mit der Firma Wall intensiv mit der Frage der Ausrichtung der Anlage am Hans-Rosenthal-Platz und den örtlichen Gegebenheiten auseinandergesetzt“.

Lösung in Wedding. Ein ähnliches Problem mit einem nur halb verdeckten Pissoir – die Verwaltung schreibt in einem Brief an eine Anwohnerin von Becken hinter einer Schamwand – hatte vor einigen Monaten auch ein Café am Leopoldplatz. Die Gäste schauten direkt aus dem Fenster auf die Pinkelbecken. Dort sollte jetzt eine vandalismusresistente Sichtschutzwand davor gesetzt werden. Vielleicht ist das ja auch den Männern ganz recht, die die Anlange aufsuchen. Nicht jeder liebt es halböffentlich.

Foto: Jörn Hasselmann

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