Kultur
Buchladen Bayerischer Platz: Er lebe dreimal hoch
Veröffentlicht am 10.11.2020 von Judith Langowski
Ein „Hattrick“ sei der Buchhändlerin gelungen, freut sich der Bezirk Tempelhof-Schöneberg! Das dritte Mal in Folge hat der Buchladen Bayerischer Platz, geführt von Christiane Fritsch-Weith, den Deutschen Buchhandelspreis gewonnen. Zum Zeitpunkt der Bewerbung, 2019, feierte der Buchladen 100-jähriges Jubiläum. Ganze 45 Jahre lang hat Fritsch-Weith den Laden auf seinem Weg dorthin begleitet. „Er ist schon ein toller Typ, ich bin ja nur seine Buchhändlerin!“ Zum Jubiläum widmete meine Kollegin Sigrid Kneist dem „tollen Typen“ ein Porträt, hier nachzulesen: tagesspiegel.de
Alles dabei, von alt bis jung. Die Buchhändlerin freue sich nicht nur über die Anerkennung, sondern vor allem über die Leser*innen. „Schon die kleinsten Kinder kommen, ohne ihre Eltern, in den Buchladen und wissen schon ganz genau, in welche Ecke sie müssen.“ Sie fände auch schön, dass es auch viele männliche Besucher gebe, sowieso seien von jung bis alt alle dabei.
Der deutsche Buchhandelpreis wird von Monika Grütters, CDU, Staatsministerin für Kultur und Medien, verliehen. Auch Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) gratuliert und betont, wie sehr Christiane Fritsch-Weith mit ihrem Engagement den Bezirk bereichere.
Herbstliche Literatur-Tipps der Preisträgerin.
- Sardinien in Schöneberg. Fritsch-Weiths aktuelles Lieblingsbuch, schon vor fünf Jahren im Mare-Verlag erschienen ist „Mein Sardinien“ von Hans-Ulrich Treichel. „Bei dem Titel könnte man glauben, dass da viel Sardinien drin ist: Tatsächlich kommt aber sehr viel Schöneberg vor.“ Es geht um einen Mann, der in der Hauptstraße wohnt und jeden Tag den M48er vorbeifahren sieht. Er ist Türschließer der Philharmonie und weiß gar nicht, dass er die Musik nicht hören kann, da die Türen schallgedämpft sind. Eines Tages vermisst er Italien und versucht sein Fernweh in einer italienischen Bar zu stillen. Da verliebt er sich in die Barfrau. Fritsch-Weith ist begeistert: „Liebesromane sollten eigentlich immer von Männern geschrieben sein!“ Der Roman sei jeden einzelnen Cent der 18 Euro wert, cool geschrieben und ein Understatement.
- Mehr als ein Kochbuch. Ganz aktuell zum Gedenktag 9. November empfiehlt sie: „Das Buch Alice: Wie die Nazis das Kochbuch meiner Mutter raubten“ von Karin Urbach. Eine österreichische Jüdin hatte ein Kochbuch auf den Markt gebracht, das in den Regalen von ganz Österreich stand. Nach ihrer Flucht musste sie feststellen, dass die Nazis ihr Buch unter einem anderen Namen neu herausgebracht hatten. Die Autorin erzählt diese Geschichte inhaltsvoll und unterhaltsam, sagt Fritsch-Weith.
- Buchhandlung Bayerischer Platz, Grunewaldstraße 59, Öffnungszeiten: Mo-Fr, 9-18.30 Uhr, Sa 9-14 Uhr.
Text: Carlotta Cölln, Praktikantin bei Tagesspiegel Leute.