Kultur

Neues von der Oberlandstraße: Das Studioareal wird umgestaltet

Veröffentlicht am 11.05.2021 von Sigrid Kneist

Die Gegend rund um die Tempelhofer Oberlandstraße gehört nicht gerade zu den attraktivsten im Bezirk. Ein typisches Industriegebiet mit viel Verkehr wegen des nahen Autobahnanschlusses. Seit mehr als 100 Jahren aber gibt es dort ein Areal, das aus der kulturellen Geschichte des Bezirks nicht wegzudenken ist. 1913 wurden dort – südlich vom Tempelhofer Feld – die ersten Filmstudios gebaut. Diese ähnelten seinerzeit wegen ihrer Glasaufbauten eher Ateliers und hießen auch so.

Dort entstanden Klassiker der Stummfilmzeit wie „Anna Boleyn“ von Ernst Lubitsch mit den damaligen Stars Henny Porten und Emil Jannings in den Hauptrollen. 1917 wurde das Gelände von der Ufa übernommen und schon Ende der zwanziger Jahre für den Tonfilm umgerüstet. Zu dem Zeitpunkt hatten die Studios bereits Konkurrenz bekommen: In Babelsberg, wo es mehr Platz gab, war eine richtige Filmstadt entstanden. Trotzdem wurde aber auch mitten in der Stadt weitergedreht. Die alten Studios eins und zwei stehen seit langem unter Denkmalschutz.

Auch heute ein Ort für Film. Filme werden immer noch in den „Berliner Union Film Ateliers“ (Bufa) in Tempelhof gedreht. Beispielsweise die schwarze Komödie „Nebenan“ mit Daniel Brühl als Hauptdarsteller und Regisseur. Der Film wurde im Wettbewerbsprogramm der diesjährigen Berlinale uraufgeführt. Der Film „Ich bin dein Mensch“, bei dem Maria Schrader Regie führte und dessen Hauptarstellerin Maren Eggert bei der Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde, entstand ebenfalls in Tempelhof. Und auch das Serien-Remake für „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ wurde an der Oberlandstraße gedreht. Vor allem im größten Studio, dem Studio fünf, werden die Kulissen der Filme aufgebaut. 

Was gibt es dort noch? Auf dem Gelände der Bufa dreht sich zwar eine Menge um den Film und um das, was damit zu tun hat – in Werkstätten, Synchronstudios oder der Met-Filmhochschule. Aber eben nicht alles. Vor fünf Jahren wurde die Bufa von einem englisch-südafrikanischen Familienunternehmen gekauft. Dieses will unter anderem über Stiftungen wie „Bertha Foundation“ und „Be The Earth Foundation“ international ein philantropisches Weltbild fördern, engagiert sich so im Bereich Menschenrechte und Klimaschutz. Aktivisten und Menschenrechts-Rechtsanwälte werden unterstützt. Aber auch Dokumentarfilmer, denn über die filmischen Geschichten sollen die Inhalte transportiert werden. So gibt es eine natürliche Verbindung zum Medium Film. Organisationen, Unternehmen, die für eine solidarische Gesellschaft und für ökologische Ziele arbeiten, sollen jetzt auf dem Areal in Tempelhof ebenso zu Hause sein können wie der Film, wie Benjamin Kafka sagt. Er koordiniert die verschiedenen Teams, die bei dem Umgestaltungsprozess der Bufa aktiv sind

Die Mieter auf dem Gelände. Dort haben sich ökologisch engagierte Unternehmen wie Tiny Farms oder Start-ups und Bürogemeinschaften wie Think Farm, die neue Arbeitsformen ausprobieren, niedergelassen. Auch die Klimaaktivisten von Extinction Rebellion haben in Tempelhof ihr Büro. Und wenn es eine Veranstaltung von Initiativen, Umweltverbänden, beispielsweise zur Zukunft des benachbarten Tempelhofer Feldes oder dem „Bürgerrat Klima“ gibt, sind sie dort gerne gesehen. Auch das Human-Rights-Film-Festival hatte in den vergangenen Jahren in Tempelhof seinen Standort.

Planungen für die Zukunft. Das Grundstück soll jetzt sukzessive ökologischer gestaltet werden. Versiegelte Flächen, die beispielsweise derzeit noch als Parkplätze genutzt werden, sollen wieder renaturiert werden, Gebäude ökologisch ertüchtigt, sagt Kafka. Vor allem die zentrale Fläche soll umgestaltet werden, so dass dort Open-Air-Filmvorführungen möglich sind. Die Außenbereiche werden für die Öffentlichkeit geöffnet, ein Café soll es geben. Das 25.000 Quadratmeter große Grundstück soll zukünftig eher einem Garten ähneln, in dem sich die Gebäude und Studios verteilen. Grün statt Stein. Entsprechend ist auch an eine Umbenennung gedacht – „Atelier Gardens“ soll das Studiogelände dann heißen.

Ein großes Projekt ist die Umgestaltung des Studios eins. In diesem legendären Studio wurde einst die ZDF-Hitparade mit Dieter-Thomas Heck produziert. Jetzt soll es in ein hochmodernes, vielseitig und flexibel nutzbare Location für Veranstaltungsformate jeder Art umgebaut werden.

Foto: Promo

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